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Montag, 9. März 2015

Gesichtet Kompakt: Housebound


Nach einem missglückten Versuch einen Geldautomaten aufzubrechen wird die rebellische Kylie (Morgana O'Reilly) vom Gericht zu mehrmonatigem Hausarrest inklusive elektronischer Fußfessel verurteilt. Da sie selber obdachlos ist findet dieser in ihrem Elternhaus, welches sie einst fluchtartig verließ, da das Verhältnis zu ihrer Mutter nie das beste war. Das ist es auch heute nicht, jedoch muss Kylie zwischen den alltäglichen Streitereien mit ihrer Mutter und der gähnenden Langweile des Hausarrests feststellen, dass irgendetwas mit ihrem Elternhaus nicht stimmt. 

"Housebound" klingt nach einem Gemisch aus "Disturbia" und klassischen Filmen des Haunted House-Genres, doch letztendlich ist der Weg, den Regisseur Gerard Johnstone für sein Debüt wählt ein gänzlich anderer. Denn im Film ist nichts so wie es scheint. Spätestens ab der Mitte wird der geneigte Zuschauer bemerken, dass mit seinen eigenen Erwartungen, sowie den Konventionen des klassischen Horrorfilm gespielt wird. Oft kommt alles ganz anders als man es erwartet. Und das ist die große Stärke des Streifens. Gemischt mit einer ordentlichen Dosis - oft schwarzen - Humors schafft man es hier einen erfrischenden Wind im Genre des Horrors, respektive der Horror-Komödie wehen zu lassen. Auch wenn die Auflösung des Spukes letztendlich nicht ganz so spektakulär war, wie ich es mir erhofft hatte: Vorausahnen konnte man sie nicht und die Twists, die die Handlung nach und nach offenbart sind durchaus clever aufgebaut und ausgespielt.

 Was dem Film hingegen fehlt sind wirklich sympathische Charaktere. Gerade Kylie ist anfangs eine Endzwanzigjährige, die die Pubertät scheinbar nie wirklich abgeschlossen hat und somit alles und jeden mit abfälligen Sprüchen und Beleidigungen kommentiert. Ich persönlich wurde mit ihr nicht wirklich warm, sodass eine gewisse Distanz bis zum Schluss übrig blieb. Auch die meisten anderen Charaktere sind keine wirklichen Sympathieträger. Nur der Sicherheitsdienst-Angestellte, mit dem sich Kylie im Laufe des Filmes verbündet weckte empathische Gefühle in mir. Gerade in einem Film mit horrorlastigem Anstrich brauche ich
jedoch auch Figuren, mit denen ich mitfiebern kann und die bleiben in "Housebound" leider aus.



Zudem will während dem Film keine wirkliche Horrorstimmung aufkommen. Gerade Genre-Fans werden hier wohl kaum einen Grusel verspüren, denn dafür ist die Atmosphäre zu selten wirklich bedrohlich und die Schocks sind rar und nicht wirkungsvoll getimed. Zudem fehlt ein bedrohlicher Gegenpart zu Kylie, vor dem der Zuschauer sich fürchten könnte. In Kombination mit den Comedy-Elementen lässt sich der Film ziemlich entspannt runtergucken, sodass man sich in den leider etwas zu langen 109 Minuten  eher amüsiert als gruselt. Das muss kein Negativpunkt sein - und ich sehe ihn schlussendlich auch nicht als solchen - jedoch werden Zuschauer, die hier einen Schocker erwarten enttäuscht.

"Housebound" unterhält. Und das ist für mich letzten Endes was zählt. Als Horrorfilm scheitert er, als schwarze Komödie mit Thriller-Elementen hingegen hat er mir gut gefallen. Der Mangel an Identifikationsfiguren und die zu lange Laufzeit sind jedoch zwei klare Minuspunkte, welche dem Film letztendlich einen etwas faden Beigeschmack zufügen. Jedoch weiß gerade die Geschichte zu überraschen, der Film spielt oft klug mit den Erwartungen und die komödiantischen Elemente wirken immer passend und ergänzen den Film um eine interessante Facette. Ich habe leider nicht die Genre-Überraschung bekommen, die ich mir erhofft hatte, jedoch einen unterhaltsamen Film gesehen, der das Attribut "sehenswert" durchaus verdient hat.

6,5/10

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Getestet: Never Alone (PS4)


Der Schnee ist tief und das kleine Mädchen hat alle Mühe mit den kurzen Beinen hindurchzustapfen. Hinter ihr, elegant und geschickt, der Polarfuchs, der sie durch den Schneesturm hinweg begleitet. Der Wind ist eisig und fegt rau über die Schneefelder und Eisscholen. Das Mädchen muss sich die Kapuze festhalten, damit er sie nicht vom Kopf bläst. Es ist eine trostlose Szenarie, durch die die beiden sich allein gelassen den Weg bahnen. Und doch sind sie nie allein, weil die Natur bei ihnen ist. Als helfende Kraft und lebensgefährdende Bedrohung. 

Das Mädchen und der Fuchs sind unzertrennlich. Freunde und Partner im Alltag. Es ist nicht untypisch in Alaska sich ein solches Tier als Haustier zu halten, so erzählt mir ein Mann in einem Video. In einem Video?
Genau, denn "Never Alone" ist nicht nur ein Videospiel, sondern mehr als das. Es ist gleichzeitig eine Lehrstunde. Eine Dokumentation, die mir neben den Spielanteilen auf Wunsch in kleinen Videos die Kultur und das Leben der Inuit näherbringt. Denn das kleine Mädchen - ihr Name ist Nuna - ist eine Angehörige dieses Volkes und lebt mit ihrem Stamm inmitten der Schnee- und Eiswüsten. Wie man in dieser für Menschen nicht besonders freundlichen Umgebung überleben kann, klären mich echte Inuits in den dokumentarischen Kurzfilmen (sie sind nie länger als 2-3 Minuten) auf. Upper One Games, die Entwickler des Spieles haben sich die Mühe gemacht und eine kleine Dokumentation über das Volk und ihr Leben, sowie Sagen und Mythen in ihrer Kultur gedreht. Dieses Material teilten sie in 24 kurze Videos, welche man im Laufe des Spiels freischalten kann. Das Schöne ist dabei, dass viele der behandelten Themen in die Spielmechanismen von Never Alone Einzug erhalten. Dies gibt dem Spiel Tiefe und veranschaulicht die Informationen der Dokumentation auf spaßige Art und Weise.

Doch zurück zu Nuna und ihrem Fuchs: Warum kämpfen sich die beiden überhaupt durch einen Schneesturm? Der Grund ist ebenso dramatisch wie nachvollziehbar: Nunas Dorf wurde von einem ungeheuerlich aussehenden Mann niedergebrannt, die Einwohner vertrieben oder getötet. Die genaue Motivation des Mannes bleibt unbekannt. Von einer mystischen Gestalt - dem Eulenmann - erfahren wir, dass er etwas suchte. Was genau es jedoch war, dass weiß er selber nicht.
Die kleine Nuna hat kein Zuhause mehr und keine Freunde oder Familie, die in der Kultur der Inuits den wohl höchsten Stellenwert besitzen. Daher macht sich das Mädchen mit ihrem tierischen Begleiter auf, um nach den Verbliebenen zu suchen. Und dann wäre da noch das Mysterium des zerstörerischen Windes zu lüften, der dem Dorf schon seit längerer Zeit zu schaffen macht und das Überleben zu einem harten Kampf hat werden lassen.


Das Spiel selber gestaltet sich als ein simples 2D-Jump n' Run mit Rätselelementen und kooperativem Modus. Befinden sich lokal zwei Spieler an einer Konsole, so kann jeder eine der beiden Figuren übernehmen. Spielt man alleine, so kann man auf Knopfdruck zwischen den Charakteren wechseln - die nicht gesteuerte Figur übernimmt dann der Computer.
Man läuft, hüpft und klettert durch Schnee und Eis und versucht nach und nach das Mysterium des Windes zu lösen und die Familie der kleinen Nuna zu finden. Dabei geraten die beiden Freunde nicht selten in Gefahr, doch zusammen können sie jede Situation meistern. Der Fuchs kann besonders gut klettern und aufgrund seiner Größe passt er durch jedes noch so enge Loch. Nuna ist stark und kann Dinge schieben und mit ihrer Wurfwaffe Eis zertrümmern. Somit müssen die Charaktere (und gegebenenfalls auch die beiden Spieler) ihre Fähigkeiten kombinieren, um an das Ziel zu gelangen.

Gibt es einmal kein Ausweg mehr, dann kommt die Natur ins Spiel. Denn der Fuchs hat eine besondere Verbindung zur Welt der Naturgeister und kann mit ihnen in Kontakt treten. Diese schemenhaften Gestalten helfen den beiden Abenteurern dann dabei Abgründe und scheinbar unüberwindbare Felswände hinter sich zu lassen. Alle Charaktere, Geister und Wesen auf die ihr trefft haben irgendetwas mit der Mythologie und Kultur der Inuits zu tun. Selbst die Nordlichter, die den Himmel wunderschön überziehen sind eigentlich Geisterkinder, die über den Abendhimmel huschen und unachtsamen Inuitkindern die Köpfe abreißen, sofern diese nicht - wie von Mutter befohlen - ihre Kapuzen übergestreift haben. Diese und viele andere Geschichten erzählen uns echte Inuits in den vielen kleinen Interviewsituationen in den Doku-Videos. Ingesamt haben rund 40 Stammesangehörige dabei geholfen das Spiel mit Informationen zu füttern. Zudem sehen wir sie in den Interviews wieder, auch wenn die meisten von ihnen schon durch die westliche Kultur beeinflusst wurden und nur noch Erinnerungen an das wahre Stammesleben haben. Was sie jedoch zu erzählen haben ist faszinierend und fremd, sodass gerade die vielen kurzen Filmchen einen enormen Ansporn zum Weiterspielen darstellen.


Never Alone ist spielerisch sehr simpel. Oft wirkt es nur als spielerisches Konstrukt, welches man der Doku überzog, um beide Welten miteinander zu einem interaktiven, aber eben auch lehrreichen Abenteuer zu verbinden. Steuerung, sowie Rätsel- und Sprungpassagen sind sehr simpel gehalten und erfordern meist nicht mehr als ein paar Sekunden bis man den Lösungsweg erkannt hat. Doch das ist nicht weiter schlimm, denn der Ablauf aus Spiel und filmischer Info-Häppchen ist angenehm flüssig und befriedigt mit schnellen Erfolgserlebnissen, was Never Alone auch zu einem Spiel für das jüngere Publikum macht, aber eben nicht nur für dieses. Denn während Kinder sich wohl vor allem an den Spielpassagen und den knuffigen - zum Teil aber auch durchaus furchteinflößenden - Figuren erfreuen, bieten gerade der Doku-Part und die gefühlvolle Geschichte genug Anreize, um auch als erwachsener Spieler in das Abenteuer einzutauchen und sich von der Atmosphäre und der liebevollen, märchenhaften Kulisse faszinieren zu lassen. Denn letztendlich ist Never Alone vor allem eines: Ein Märchen. Magie, Freundschaft und der Kampf gegen das Böse sind Kernelemente des Spiels - die Geister und Fabelwesen, die man auf der Reise trifft verstärken den Effekt der exotischen, positiv fremd wirkenden Erzählung.

Zudem lädt der Koop-Aspekt förmlich dazu ein das Spiel zu zweit zu genießen. Und gerade als Einzelspieler merkt man leider, dass das auch der heimliche Wunsch der Entwickler war. Spielt man alleine, so ist die KI des gerade nicht ausgewählten Charakters nicht unbedingt fehlerfrei  und verschuldet den ein oder anderen frustigen Moment, wenn sie mal wieder ins Leere springt, auf Dinge klettert von denen sie sich eigentlich fern halten sollte oder einfach nutzlos in der Gegen herum steht. Diese Momente sind nicht allzu häufig, mehren sich aber gerade zum Ende des Spieles hin, wenn die Rätsel komplexer werden und häufiges Wechseln zwischen Nuna und dem Fuchs gefragt ist.
Abseits davon ist das Spiel wirklich simpel. Die Rätsel beschränken sich oft darauf Kisten richtig zu schieben und Geister korrekt zu positionieren, sodass man durch gezielte Sprünge schnellstmöglich sicheren Boden unter den Füßen bekommt. Während man alleine durch Schwierigkeiten der KI einige Male scheitern wird, sollten gerade zwei Spieler die Passagen noch problemloser meistern können.
Man sollte also nicht erwarten, dass Never Alone jemals zur spielerischen Herausforderung mutiert. Das Spiel hat den Fokus darauf gelegt seine Geschichte zu erzählen und die Welt und Kultur der Inuits zu präsentieren, während alle Spielelemente simpel bleiben. Innovationen und frische Ideen sucht man im Spieldesign vergebens, aber wenn man an daran interessiert ist Geschichte und Hintergründe zu erfahren und einfach mal nach der Arbeit in eine fremde Welt einzutauchen ohne von Frust und Komplexität begeleitet zu werden, dann wird man sie nicht vermissen.


Wirklich toll gelungen ist den Entwicklern die grafische Präsentation und die liebevollen Animationen der beiden Hauptfiguren. Nuna und ihr Begleiter sind einfach nur putzig anzusehen und es gibt genug Momente, die dem Spieler aufgrund der freunschaftlichen Verbindung der beiden Nahe gehen werden. Oft genug wird es sogar sehr emotional und im letzten Drittel des Spieles erwartet uns ein Twist, der so nicht vorhersehbar ist und das Spiel dann doch nochmal um das ein oder andere Spielelement erweitert (aufgrund von Spoilern gehe ich nicht weiter darauf ein).
Die märchenhafte Geschichte und die vielen liebevoll zusammengesuchten und inszenierten Hintergrundinformationen sind, was das Spiel trotz seiner gameplaytechnischen Eindimensionalität dann doch zu etwas ganz Besonderem machen. Allein schon die vielen sympathischen Inuits, denen man in den Dokusequenzen lauschen kann verpflichten interessierte und aufgeschlossene Spieler zu einem Kauf.
Und gerade Kinder werden durch die liebevolle grafische und musikalische Präsentation, sowie den niedrigen Schwierigkeitsgrad und die fairen Rücksetzpunkte schnell Zugang zum Spiel finden.

Das Spiel ist eine besondere, märchenhafte Erfahrung und gerade perfekt für kalte Winterabende, an denen man im mollig warmen Zuhause die Situation der Figuren in den bitter kalten Eiswüsten nachvollziehen kann. Es ist mehr Märchen und mehr Lehrstunde als ein ausgefeiltes Spiel. Jedoch sind die Spielelemente kurzweilig genug um nicht zu langweilen und zumindest zu zweit nie frustrierend. Alles in allem ist Never Alone vielleicht kein besonders gutes - weil anspruchs- und innovationsloses- Videospiel, jedoch ist es eine besondere Erfahrung, eine interaktive Lehrstunde und ein Ticket in eine fremde Welt, die so fremd und faszinierend ist, dass man sie durchaus an sich heranlassen sollte. Spielerisch müsste man hier vielleicht die 5 Punkte zücken. Nimmt man jedoch die Dokumentation, die Präsentation, die liebevolle Geschichte und Präsentation, sowie die Hingabe der Entwickler zum Thema hinzu, so fällt die Wertung ein ganzes Stück höher aus. Und da es viel zu wenig Spiele gibt, die diese Elemente mit so viel Liebe umsetzen, habe ich keine Probleme eben diese höhere Wertung zu zücken.

7/10

Montag, 8. Dezember 2014

Gesichtet Kompakt: Oculus


"The Prodoucer of Paranormal Activity and Insidious presents" prangt groß auf dem Kinoplakat des ersten Kinowerks von Regisseur Mike Flanagan. Kennt ihr nicht? Kein Wunder, hat er doch zuvor nur unterdurchschnittlich den Direct-to-DVD-Markt beliefert. Warum sein Film rund um einen mordenden Spiegel ("Mirrors" lässt grüßen) doch sehenswert ist, fasse ich kurz einmal für euch zusammen.

Das Geschwisterpärchen Tim (Brenton Thwaites) und Kaylie Russell (Karen Gillan) haben im Kindesalter ihre Eltern verloren. Doch die Umstände waren nicht ganz alltäglich. Ihr Vater quälte ihre Mutter zu Tode und sperrte sie bis zu ihrem Dahinscheiden in ein Zimmer im ersten Stock. Als er seine Schwester angreift, erschießt Tim seinen Erzeuger und wandert für einige Jahre in eine psychatrische Anstalt. Von Außen wirkt der Fall wie eine Familientragödie, aber Kaylie weiß mehr: Die Tode ihrer Eltern haben etwas mit dem gruseligen alten Spiegel zu tun, der passenderweise im Arbeitszimmer des Vaters hing.
Viele Jahre später wird Tim aus der Anstalt entlassen und von Kaylie eingesammelt. Das Wiedersehen verläuft kurz und schmerzlos, denn Kaylie hat den Spiegel wiedergefunden und nun nur noch ein Ziel: Er muss zerstört werden!

Dazu hat sie den alten Trümmer in ihr ehemaliges Elternhaus gebracht und dieses so präpariert, dass es eine einzige große Falle für das dämonische Möbelstück darstellt. Überall sind Kameras aufgestellt, Indikatoren für dämonische Präsenzen wurden in jedem Zimmer verteilt, um einen möglichen Spuk anzuzeigen und zu guter letzt installierte sie noch einen Selbstzerstörungsmechanismus, welcher den Spiegel automatisch zerstört, sollten die Geschwister während des Projektes dahinscheiden.
Die Dokumentation des Geschehens im Haus ist Kaylie besonders wichtig, um Zweiflern zu beweisen, dass der Spiegel das Böse beinhaltet. Nicht zuletzt ihrem Bruder, welcher durch jahrelange Therapien nun die öffentlich verbreitete Version seiner Familiengeschichte glaubt und die Version mit dem bösen Möbelstück für lächerlich hält. Doch wie es das Schicksal will, soll er bald eines besseren belehrt werden.



Müsste man Oculus nach seiner ersten Hälfte beurteilen, so wäre der Film wahrscheinlich ziemlich abgestraft worden, denn hier bekommt der geneigte Zuschauer viel zu viel Altbekanntes und müde Präsentiertes vorgesetzt. Die Vorgeschichte, die weitestgehend eine Zusammensetzung aus Ideen anderer Filme (Mirros, Shining, Insidious) ist, langweilt nicht zuletzt wegen billiger Jumpscares der Marke "Ich lasse mal mit lautem Geräusch jemanden ins Bild laufen". An diesen Stellen merkt man deutlich die Herkunft des Regisseurs, welcher diese Momente nicht nur extrem vorhersehbar inszeniert, sondern auch eher mittelmäßig bis schlecht timed.

Der Film springt immer wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her und zeigt uns die beiden Geschwister in der Gegenwart, welche den Spuk ein für alle mal beenden wollen und die Familie kurz nach dem Einzug, als der Spiegel anfängt Einfluss auf den Vater zu nehmen, was letztendlich in der Tragödie mündet.
Anfangs sind diese Zeitsprünge noch sehr klar voneinander getrennt, doch gerade in der zeiten Hälfte des Filmes verschwimmen immer öfter die Ebenen miteinander, was den Film deutlich aufwertet und einige nette Spielereien ermöglicht.
Mike Flanagan nimmt sich hier viel Zeit um die Hintergründe zu erklären und Charaktere einzuführen, sowie die Konflikte untereinander deutlich zu machen. Gerade in diesen Phasen wirken die oben schon erwähnten Jumpscares sehr deplatziert; fast schon so, als wurden sie nachträglich noch in das Drehbuch eingefügt. Doch das hatte der Film gar nicht nötig, denn gerade dieser ruhige Aufbau hätte der zweiten Hälfte, in der es dann darum geht sich dem Spiegel zu entledigen, während der sich mit aller Kraft wehrt gut getan.

So kämpft Oculus bis zur Filmmitte mit dem Abschalten, nur um dann plötzlich eine Kehrtwende zu machen und mit einigen tollen Szenen und Verwirrspielen zu glänzen und die Story passend zu inszenierten und mit einem Knall abzuschließen. Die Halluzinationen, mit denen das Möbelstück sich wehrt bringen die Teenager an den Rand der Verzweiflung und sind definitiv das grausige Highlight des Filmes (richtig fies, Stichwort: Glühbirne), welcher mit Blut sehr sparsam umgeht, dafür aber mit deformierten Fratzen nicht geizt, welche hin und wieder zwar leicht billig animiert aussehen, ihre Wirkung aber nicht verfehlen.


So rettet Hälfte Nummer zwei den Film aus der Mittelmäßigkeit und kann mit Tempo und Twists einige anerkennbare Akzente setzen. Die Schauspieler Thwaites und Gillan, welche den Film zu großen Teilen alleine tragen müssen, liefern einen guten Job ab. Gerade Gillan ist in ihren obsessiven Momenten wirklich großartig.
Was man dem Film noch ankreiden könnte ist, dass er gut 10 Minuten zu lang ist. Hin und wieder bemerkt man Längen in der Inszenierung und die ein oder andere Szene wirkt deplaziert, was dann doch zu kleinen aber bemerkbaren Abzügen in der Spannungskurve führt.

Oculus ist mal wieder kein ganz großer Wurf im Gruselkino und gerade die erste Hälfte wird viele Genre-Fans enttäuschen und langweilen. Doch am Ball bleiben lohnt sich, denn letztendlich wird man mit einigen tollen Einfällen und Szenen belohnt. Der Film ist weder kreativ, noch wirklich gruselig (zumindest wenn man mit dem Genre vertraut ist), schafft es aber durch interessante Momente und die ein oder andere fiese Stelle die Aufmerksamkeit des Betrachters bis zum Schluss für sich zu gewinnen. DEN einen großen Horrorfilm wird es 2014 wohl nicht mehr geben, und wer Hunger hat sollte es ruhig mal mit Oculus versuchen.

6/10


Sonntag, 7. Dezember 2014

Nerdy Wunschzettel


Bald ist wieder Weihnachten und ihr wisst einfach nicht, was ihr euren geliebten Nerds schenken könntet? Hier kommt die erste Fuhre meiner Geschenke-Tipps, über die sich jeder Games- und/oder Filmliebhaber freuen würde:

 Guillermo Del Toro - Cabinet of Curiosities


Guillermo Del Toro ist nicht nur der Regisseur von grandiosen Filmen wie Pans Labyrinth, Hellboy oder Pacific Rim, sondern auch einer von uns: Ein waschechter Film-Nerd. Jedoch begnügt er sich nicht damit Filme zu konsumieren und seine Wände mit DVDs und Blurays zu tapezieren, sondern kaufte sich gleich ein ganzes Anwesen, um seiner großen Liebe zu fröhnen. In diesem Buch nimmt er uns mit durch die wohl größte "Man Cave" der Welt, in der er mehere Hundert Filmrequisiten, Statuen, Gemälde, Spielzeuge, Bücher, und, und, und aufbewahrt. Dazu bekommen wir viele nette Annekdoten, sowie kleine Texte prominenter Gäste, die in den Genuss einer Führung durch sein Reich kamen. Doch das ist nur ein winzig kleiner Teil des Buches, denn wirklich interessant wird es erst, wenn Mr. Del Toro seine legendären Notiz-Bücher für uns öffnet, aus denen viele Seiten abgedruckt und kommentiert wurden. Diese Notizbücher umfassen ALLE kreativen Prozesse (Skizzen und Notizen) zu allen bis dato erschienen Filmen seiner Biographie. In zahlreichen Interviews erfahren wir viel über Dreharbeiten, kreative Sessions und die Arbeitsweise dieses Ausnahme-Regisseurs und bekommen nebenbei eine umfangreiche Dokumentation seiner Zeichen-Künste.
Für jeden Del Toro-Fan ein absoluter Pflichtkauf; für jeden Film-Fan eine wahnsinnig interessante Sammlung von Eindrücken in die Enstehung seines Lieblingsmediums vom wohl größten Film-Fan der Welt höchstpersönlich. Hochwertig gearbeitet und inhaltlich absolut beeindruckend! Ganz, ganz klare Empfehlung!


The Legend of Zelda - Hyrule Historia


Bei diesem Buch schlägt jedes Herz eines Nintendo-Fans gleich doppelt so schnell. Hyrule Historia ist ein kommentiertes Art-Book, welches zum 25ten Jubiläum der Reihe erschien und Concept Arts, sowie Skizzen und Charakterstudien zu allen bisher erschienenen Zelda-Teilen enthält. Wunderschöne Zeichnungen von Spielumgebungen und Figuren kommentiert von den Masterminds der Reihe höchstpersönlich, welche das ein oder andere Geheimnis lüften und uns Einblicke in die kreativen Entstehungsprozesse der Spiele geben. Auf hunderten von Seiten finden wir geschätzt an die Tausend Bilder, Zeichnungen und Skizzen. Außerdem enthält diese Zelda-Enzyklopädie noch einen ganz besonderen Leckerbissen: Eine ausführlich geschriebene Timeline der Zeldaspiele, die erstmals in der Geschichte der Reihe geschichtliche Bezüge zwischen den Spielen herstellt und sie chronologisch ordnet.
Ein tolles, wertiges Geschenk für jeden Nintendo- und Zelda-Fan. Perfekt zum faszinierten Schmökern für die kalte Jahreszeit!


Nintendo Wii U


Der Trend geht zur Zweitkonsole. Und die Wii U ist die perfekte Affäre, wenn es mit PS4 und Xbox One mal nicht läuft! Während man alle Thrid Party Titeln auf Microsofts und Sonys Rechenkisten findet, wird die Wii U eiskalt ignoriert und muss sich auf den Support von Nintendos hauseigenen Studios verlassen. Doch genau das macht sie als Zweitkonsole so perfekt! Denn diese Produktionen des japanischen Videospiel-Gigants gehören immer zu den besten der Konsolengeneration und rechtfertigen einen Konsolenkauf. Nachdem die Wii U starke Anlaufschwierigkeiten hatte, nimmt die Konsole nun Fahrt auf und verspricht im Hinblick auf die Zukunft ein kleines Videospiel-Paradies abseits des Third-Party-Gekloppes zwischen PS4 und Xbox zu werden. Mario Kart, Mario 3D Land, Super Smash Bros, Captain Toad, Bayonetta, Donkey Kong,... Die Liste an Must Haves wächst und diese erscheinen in einem Geldbeutel-freundlichen Rhythmus, sodass man die Wii U problemlos neben seiner Stammkonsole füttern kann. Ausflüge in die knallbunten und qualitativ herausragenden Spielewelten des Nintendo-Kosmos dürften für jeden Spieler eine wahre Freude sein und die Zukunft bringt wunderbaren Nachschub. Gerade 2015 dürfte die Konsole mit dem neuen Zelda einen absoluten Referenztitel bekommen und als Party-Konsole sucht sie mit Smash Bros und Mario Kart, sowie einem kommenden Mario Party eh schon ihresgleichen. Ich werde dieses Jahr ebenfalls zuschlagen und gerade an Weihnachten sind die Preise und Angebote wohl am besten. Zweitkonsole: Nintendos Wii U!


Netflix-Abonement


Warum nur die Familien-Mitglieder beschenken, wenn man doch direkt selbst davon profiieren kann?! Ein Netflix-Abo ist eine tolle Geschenkidee für kalte Winterabende. In meinem Test (http://a-nerds-mind.blogspot.de/2014/09/review-netflix-was-kann-amerikas-nummer.html) habe ich die Streaming-Plattform ja schonmal unter die Lupe genommen und dem Angebot an Serien und Filmen kann man beinahe täglich beim Wachsen zusehen. Egal ob auf Computer, Konsole oder Smartphone und Tablet: Netflix ist überall verfügbar und abrufbar und mausert sich immer mehr zum potentiellen Marktführer. Für gemütliche Familienabende, Zweisamkeit oder das einsame Serien-Schauen eine tolle Plattform, die vor allem durch ein nie dagewesenes Serien-Angebot heraussticht.


SciFiNow-Abonnement


SciFiNow ist eine der größten Film-Zeitschriften der Welt, die sich vor allem mit Fantasy-, Science-Fiction- und Horror-Filmen beschäftigt und jeden Monat aufs neue mit umfangreichen Artikeln, Reportagen und Reviews begeistern kann. Die Schreiberlinge dieses Magazines sind allesamt mit Herzblut dabei und liefern hochqualitativen Content, der öfter auch mal ins Detail geht und im Bereich des Informationsgehalts die Konkurrenz schnell hinter sich lässt. Diese Zeitschrift ist jeden Monat aufs neue eine kleine Bibel, aus der man genug Material ziehen kann, um den Rest des Monats mit interessanten Serien und Filmen beschäftigt zu sein. Wem das nicht genug ist, dem sei gesagt, dass regelmäßig Sonderausgaben erscheinen, die sich mit spezifischen Themengebieten (z.B. Zombies, den Hammer-Filmen, etc) befassen. Zusätzlich zum Print-Magazin kann man die Zeitschrift auch auf dem iPad abbonieren und erhält so problemfrei jede Ausgabe pünktlich zum Erscheinungs-Termin. Jeder Film-Fan, der des Englischen mächtig ist, sollte der Empfehlung nachgehen und zumindest mal einen Blick riskieren!

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Dienstag, 10. Juni 2014

E3-Watch: Microsoft Pressekonferenz


Die erste PK des Abends ist gelaufen und wieder einmal hat sich Microsoft den ersten E3-Termin gesichert, um die Neuheiten rundum die Xbox One vorzustellen. 

Was man von Microsofrt - sowie auch der Konkurrenz aus dem Hause Sony - dieses Jahr erwartete war, dass auf der ersten E3 seit dem Launch der neuen Konsolengeneration das Kontingent an Spielen in die Breite gezogen und um Qualität angereichert wird. Große Titel wie Halo 5, Gears of War und Forza wurden schon im Vorfeld als wahrscheinlich gehandelt, aber auch Überraschungen wurden von dem Hardware-Riesen versprochen.

Die Pressekonferenz nahm einen erwarteten Start: Es wurde erstes Gameplay zum neuen Titel der Call of Duty- Reihe mit dem Untertitel "Advanced Warfare" gezeigt. Schon einige Wochen vorher wurden Fans der Serie mit einem Trailer eingestimmt, nun gab es endlich auf der Bühne vorgespieltes Material zu sehen. Das Gezeigte wirkte gewohnt, aber frisch. Wieder einmal bahnte sich eine Gruppe 08/15-Soldaten einen Weg durch ein urbanes Kriegsgebiet einer Großstadt. Doch in den CoD-typischen Levelschläuchen fanden Szenen statt, die durchaus Beachtung fanden. Durch das futuristische Szenario des Spieles hatten die Entwickler die Möglichkeit sich kreativ auszuprobieren. Das Ergebnis sind vielfältige Gadgets und technische Spielereien, auf die der Spieler zugreifen kann. Sprünge in die Tiefe werden von Schuhen mit einer Art Raketenantrieb abgedämpft, Granaten verändern per Knopfdruck ihre Funktion, Drohnen und Exoskelette helfen in der Hitze des Gefechtes. In einer Szene sieht man sogar einen riesigen spinnenartigen Mech die Straße kreuzen. Man sieht an allen Ecken und Enden, dass es sich hier um ein Call of Duty handelt, doch das Szenario wirkt angenehm neuartig und könnte die Frischzellenkur sein, die die Serie schon seit Jahren dringend braucht. Da das Spiel nur für die neuen Konsolen erscheint, zeigt sich die Engine als äußerst potent und das Spiel dürfte sich bei Release in die Riege der bis dato hübschesten Shooter einreihen. Vom Kernstück der Reihe, dem Multiplayer, wurde bisher noch nichts gezeigt.

Microsoft erkaufte sich eine zeitbegrenzte Exklusivität für den ersten Download-Content, welcher für den neuen Shooter aus dem Hause Activision erscheint. Ein solches Erkaufen von Inhalten war schon Microsofrts Taktik in den letzten Jahren und auch dieses Mal sollte sich dieses Muster durch die PK ziehen.

Nach dem actionlastigen Einstieg wurde Forza Horizon 2 aus dem Hause Turn 10 präsentiert. Die Auto-Fetischisten stampfen einmal mehr ein grafisch beeindruckendes Rennspielmonster mit Open World und über 200 detaillierten Fahrzeugen aus dem Boden und betonen die Freiheit der Spielwelt, ein dynamisches Wettersystem und die Multiplayerkomponente.Für Forza 5 gibt es ab heute den Nürburgring zum Download, und zwar kostenlos. Netter Fan-Service, aber nach dem Mikrotransaktions-Massaker, das Forza zunächst war muss man die Fans auch etwas besänftigen.

Es folgt der nächste Multiplayer-Titel, Evolve von 2K Games. Der 5vs1 SciFi-Multiplayershooter, bei dem vier Spieler als futuristische Jäger ein riesiges Monster, welches von ihrem Gegenspieler gespielt wird, durch allerlei Landschaften jagen wird hier nur mit einem kurzen Trailer gezeigt, der immerhin ein neues Cthulhu-artiges Monster vorstellt. Die Beta, welche bald startet ist Xbox-exklusiv, genauso wie die ersten DLCs.
Das dürfte One-Besitzer freuen, da Evolve doch zu den spannendsten Titeln gehört, die bisher für die neue Generation der Konsolen angekündigt sind.

Nun kam mein persönliches Highlight der Konferenz. Obwohl ich absolut kein Fan der Reihe bin, hat mich Assassins Creed Unity wirklich beeindruckt. Endlich wurde Gameplay gezeigt und was man zu sehen bekam verblüffte und machte Lust auf mehr. Das Spiel wird einen 4er-Koop besitzen. Ob dieser sich nur auf einige Missionen beschränkt oder die komplette Kampagne spielbar ist, wurde leider nicht erwähnt. Jedoch kämpfen sich hier vier Assassine durch ein von der Revolution zerrüttetes Frankreich. Ein Palast wird gestürmt; Viele Wachen auf recht blutige Weise ausgeschaltet. Die Animationen wirken toll, aber auch recht choreographiert. Ob hier wirklich selber gespielt wurde darf bezweifelt werden. Was direkt auffällt ist die grafische Pracht des Spieles. Die Engine dürfte ähnlich der von The Division sein, welches letztes Jahr von Ubisoft enthüllt wurde und auch später noch seinen Auftritt bekommt. Der Detailgrad und die Qualität der Texturen sind fantastisch. Das Spiel stellt wahnsinnig viele Zivilisten dar, demonstriert an einem Mob, welcher wütend das Schloss stürmt, nachdem die Assassinen die Torwachen über den Jordan geschickt haben. Der Koop-Modus könnte die Reihe für mich endlich schmackhaft machen, die Präsentation ist absolut kinoreif. Mal sehen ob das ganze außerhalb einer Gameplaydemo immer noch so spektakulär aussieht oder hier Skripts die Präsentation intensivieren.

Zu Dragon Age: Inquisition gibt es lediglich einen Trailer und die Information, dass es zum Release exklusive Inhalte geben wird, auf die aber nicht eingegangen wurde. Nicht weiter beachtenswert.

Microsofts wohl interessantester, angekündigter Exklusiv-Titel Sunset Overdrive bekommt ein wenig Live-Gameplay gewidmet. Nach einem sehr unterhaltsamen Trailer, befindet sich die Spielfigur in einem quitschbunten, sehr detaillierten Vergnügungspark, den sie richtung Achterbahn durchqueren muss. Dies geschieht durch extrem flüssige Sprünge, Walljumps und Grinds auf Kabeln, Geländern und Kanten. Nebenbei wird mit abgefahrenen Waffen auf zahlreiche Mutanten geballert. Einer davon ist besonders groß und scheint eine Art Zwischengegner zu sein. Das Spiel setzt auf zahlreiche zerstörbare Umgebungselemente, sodass die Action mit ihren comichaften Explosionen und orangen Blutfontänen einfach nur klasse aussieht und schon beim Zusehen viel Spaß macht. Ob Sunset Overdrive jedoch über Langzeitmotivation verfügt konnte man einmal mehr nicht einschätzen, da nur eine Storymission gezeigt wurde und keinerlei Nebenaktivitäten erwähnt wurden. Es bleibt abzuwarten ob Insomniac ihre Kreativ-Explosion mit motivierenden Inhalten füllen können. Das Tony Hawk-artige Gameplay mit all seiner Bewegungsfreiheit ist aber ein Element, an dem ich mich derzeit kaum satt sehen kann. Das Spiel wird noch dieses Jahr am 28. Oktober erscheinen.

Nach einem durchgedrehten Trailer zum Dead Rising 3 DLC, welcher arcadige, völlig abgedrehte Action verspricht, aber auch schwer einschätzbar ist, folgt ein recht uninteressanter Block über den neuen Ableger der Dance Central Reihe, die wohl viele Fans gefunden hat, auf einer solche Präsentation aber wohl kaum was zu suchen hat, da es hier keinerlei Schauwerte gibt und die Präsentationen von Dance-Titeln sich sowieso von Jahr zu Jahr wiederholen. Gott sei Dank gibt es hier keine Gruppen-Zappel-Demo, sondern man beschränkt sich auf Trailer und mündliche Vorstellung.

Lionhead stellt Fable Legends vor. Ein wunderschön designtes und grafisch spektakuläres Dorf wird gezeigt, ist aber nur Schauplatz einer Cutscene, um vier Charaktere vorzustellen, die anschließend im 4er-Koop auf Reise gehen. Während das Dorf bei mir direkt Interesse weckte, langweilte mich das darauffolgend Gezeigte doch stark. Durch eine recht Arenaartig aussehende Spiellandschaft zaubern, schießen und schnetzeln sich die Charaktere durch generische Gegnerhorden (da ist man von Fable normalerweise kreativeres gewohnt). Nett sind die vielen verschiedenen Möglichkeiten, mit denen man die Unholde bekämpfen kann. Zwar gibt es nichts Außergewöhnliches, aber der Eiszauber mit seinem frostigen Effekt ist nett anzusehen und kann für einige Lacher sorgen. Während die vier Abenteuerer sich also durch die Landschaft prügeln, wird ein fünfter Spieler vorgestellt, der die Rolle des Schurken übernimmt. Dieser sieht das ganze Schlachtfeld (hier wird der Arenacharakter nochmal deutlicher) von oben und positioniert wie bei Dungeon Keeper Fallen und Gegner in der Spielwelt, die er dann auf Knopfdruck aktivieren kann und so versuchen muss die Helden vom Erreichen ihrer Aufgabe abzuhalten. Das Ganze wirkt wenig spektakulär und für den Titel bleibt zu hoffen, dass dies nur eine kleinere Multiplayer-Variante ist und nicht die Kernmechanik des Spiels. Ein waschechtes Fable mit dieser Grafik wäre eine echte Pracht! Vielleicht kann man sich dann auch endlich mal trauen eine echte Open World anzubieten und nicht nur die groß angelegten, durch Ladezeiten getrennten Hubs, die in jedem Teil zum Einsatz kamen. Potential hat der Titel allemal, die Präsentation war jedoch eher ernüchternd.

Es folgt Project Spark, Microsofts Spielebaukasten mit einem schrecklich belanglosen CGI-Trailer der Marke "Hey, check mal mein cooles Spiel aus". Eigentlich nicht weiter der Rede wert, wenn nicht auf einmal eine Kettensäge ertönen würde und ein alter Bekannter damit das Spielelogo zersägen würde. CONKER! Das erste Mal stockt mir der Atem. Sie werden doch wohl etwa nicht eine neuen Teil zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele rausbringen?! Ein neues Conkers Bad Fur Day? Nö! Er wird im Baukasten von Project Spark verfügbar sein. Achso. Langweilig.

 Ein weiterer Indie-Titel namens Ori and the Blind Forest wird gezeigt. Darin sehen wir zwei putzige Charaktere - Ein dicker Riese und ein leuchtender Fuchs?! - durch eine toll gezeichnete 2D-Waldlandschaft stapfen, die an ein Spiel der Ubi-Art Engine erinnert.. Das Ganze sieht sehr nach Child of Light aus, welches stilistisch auch ähnlich war. Der Trailer setzt auf emotionale Szenen untermalt von melancholischer Musik. Viel Gameplay sieht man nicht. Es wird wohl eine Art Jump N Run mit Rätselelementen. Eine wirklich wunderschöne Optik hat das Spiel, aber der Markt wird langsam aber sicher von 2D-Titel in gezeichneter Optik überflutet und so wirkt es daher zumindest für mich recht uninteressant. Vielleicht bahnt sich hier das Child of Light der Xbox an. Um das abschätzen zu können wird man wohl auf erstes richtiges Gameplay-Material warten müssen.

Microsofts wohl größte Marke bekommt einen erwarteten Auftritt. Halo! Es wird eine Master Chief Collection geben, die One-Usern ermöglicht alle vier Teile der Hauptreihe auf ihrer Konsole zu genießen. Teil eins und zwei werden komplett remastered daherkommen, während der dritte und vierte Teil 1:1 der Xbox360-Version entsprechen werden. Alles kommt auf nur einer Bluray und mit 4000 Gamerscore-Punkten, die es zu erreichen gibt. Das neu aufgelegte Halo 2 wird mit einem Multiplayer-Match demonstriert. Der Titel wurde wirklich toll aufbereitet und durch viele Details aufgewertet, sodass man das Spiel kaum wiedererkennt. Fans dürften hier einen Pflichtkauf vor sich haben. Nicht zuletzt, weil des Multiplayererlebnis mit dieser Collection seinen bisherigen Höhrpunkt erreicht. Alle 100 Karten, die bisher jemals in Halo benutzt wurden stehen zur Verfügung inklusive aller Spielmodi. Dies ist wohl die perfekte Vorbereitung für Halo 5, welches an dieser Stelle jedoch nur wieder mit einem kleinen Trailer erwähnt wird, stattdessen gibt es noch Ausschnitte aus der kommenden Live-Action-Serie Halo Nightfall, die ebenfalls in der Collection erscheinen wird. Wieder kein Gameplay zum neusten Teil. Chance verpasst!

Es geht zurück in den Indie-Bereich. Von den Limbo-Machern Playdead kommt Inside, ein neues storygetriebenes 2D Jump N Run, das sehr an Limbo erinnert. Jedoch läuft man hier als kleiner Junge durch eine futuristische, graue Welt, in der es eine bis dato nicht genannte Bedrohung zu geben scheint. Der Titel sieht sehr interessant aus und ist grafisch im schicken, düsteren Comiclook gehalten. Auch hier muss man mehr Material abwarten.

Nun wird kurz auf Mircosofts Indie-Programm ID@Xbox eingegangen. Unzählige Titel seien in der Mache, ein schnell geschnittener Trailer soll dies untermauern. Man darf gespannt sein, was da in Zukunft auf die One-Besitzer zukommt.

Square Enix zeigt einen CGI-Trailer vom neuen Tomb Raider Teil "Rise of the Tomb Raider". Damit hat wohl niemand gerechnet und der Trailer ist durchaus interessant. Jedoch gibt es keinerlei Gameplay zu sehen. In diesem Teil wird Laras Transformation zur Poweracheologin wohl ihren Abschluss finden, wie der Titel schon suggeriert. Vielleicht gibt es in den kommenden Tagen ja noch Spielszenen zu sehen. Dies dürfte wohl die erste große Überraschung des Abends sein.

CD Projekt Red betritt die Bühne mit Live-Gamplay zu Witcher 3. In einer extrem detaillierten, wunderschönen und weitläufigen Landschaft geht der Hexer auf die Jagd nach einem Greifen. Mit seinen Hexer-Sinnen nimmt er Fährten auf und verfolgt das verwundete Ungetüm anhand einer Blutspur durch den sonnendurchtränkten Wald. Bei einem Bauernhof macht er Pause, um eine Bäuerin vor einigen Söldnern zu retten. Dies geschieht recht blutig. Das Kampfsystem ist dem des zweiten Teiles sehr ähnlich. Gegen Ende reitet der Witcher durch eine riesige Stadt, die sich bis zum Horizont erstreckt und die Ausmaße der Spielwelt andeutet. Technisch ist das Spiel ein Brett und dürfte wohl bei Release die Grafik-Latte ordentlich hochsetzen.

Das Remake von Phantom Dust wird in einem CGI-Trailer angekündigt. Mehr bleibt hier aufgrund von Info-Mangel nicht zu sagen.

Wieder Ubisoft. Diesmal gibt es neue Spielszenen aus dem 4er-Koop von The Division. Man sieht wieder einmal die beeindruckenden Lichteffekte und einen nie dagewesenen Detailgrad in den Straßen von New York und in einer U-Bahn-Station. Die vier Spieler, von denen einer per Tablet eine Drohne steuert, greifen aus dem Hinterhalt eine Gruppe bewaffneter Aufständischer an. Mit Drohnen, welche Blendgranaten ersetzen und Waffenpower geht es gegen die Widersacher. Die Umgebung reagiert wieder auf jede einzelne abgefeuerte Kugel. Autos bekommen Löcher, Scheiben zerplatzen phsyikalisch völlig korrekt, Schilder bekommen Beulen von jedem einzelnen Projektil. Beeindruckend! Zu Gameplay-Mechaniken wird leider wieder nichts erwähnt. Release: 2015.

Ein neues, bis dato nicht angekündigter Titel von Platinum Games wird in einem CGI-Trailer gezeigt: Scalebound. Ein auf cool getrimmter, generischer Held mit riesigen Kopfhöhrern kämpft auf Drachen reitend gegen eine bildschirmfüllende Hydra. Klingt oppulent, sieht aber auf Grund des generischen, völlig auswechselbaren Designs einfach nur langweilig aus. Mit dem Trailer haben sich die Entwickler keinen Gefallen getan. Gameplay gab es keines zu sehen.

Die PK nähert sich dem Ende. Ein weiteres Spiel wird uns noch versprochen. Es ist der neue Crackdown Teil, der mit einem weiteren CGI-Trailer angekündigt wird, in dem mit Bomben und Tanklastern ganze Hochhäuser zum Einsturz gebracht werden. Wieder kein Gameplay, daher kann man zu dem Titel nichts sagen. Und so bleibt das Ende der PK unspektakulärer als erhofft.

Man kann sagen, dass Microsoft hier eine sehr gradlinige und unterhaltsame PK ohne großes PR-Gequatsche abgehalten hat, auf der es endlich einmal nur um Spiele ging. Von diesen hat man auch vieles Zeigen können. Gerade die Multiplattformtitel Assassins Creed Unity, The Division, The Witcher 3 und Tomb Raider konnten Akzente setzen, die noch im Gedächtnis bleiben werden. Doch was Exklusivtitel anging war Mircosoft dieses Jahr enttäuschend sparsam. Wenn es etwas anzukündigen gab, dann meist nur mit einem Trailer (Scalebound, Crackdown, Halo, usw.). Neues Gameplay sah man kaum, auch ein Forza Horizon 2 wurde nur mit einem Ingame-Trailer abgehandelt. Den größten Teil nahm Sunset Overdrive ein, welches schon vor einigen Wochen ausführlich vom Entwickler präsentiert wurde. Daher fehlte hier der Aha-Effekt. Fanservice mit der Halo Collection und dem Phantom Dust Remake wurde gegeben, an neuen Marken jedoch gespart. Der Indie-Fokus wurde weiterhin in den Mittelpunkt gerückt, jedoch zu wenig gezeigt. Da hätte man sich außer Worten auch mehr Mut zu Taten gewünscht. MS scheint sich klar von Kinect abgewendet zu haben. Lediglich Dance Central war ein Titel, der von der Kamera Gebrauch macht. Dafür, dass vor einem Jahr so ein Wirbel um die neue Version der Hardware gemacht wurde, war es nun erstaunlich still. Vielleicht hat Microsoft hier im Stillschweigen einen weiteren Fehler erkannt. Die Core-Gamer wird es freuen. Die freuen sich auch über die vielen neuen Spiele, die man nun endlich mal in Bewegung sehen konnte, auch wenn es wie schon oben erwähnt fast nur Multiplattform-Titel waren. Dies machte die PK natürlich interessanter für Besitzer eine Playstation, denn so konnte man hier mal einen Blick auf Spiele erhaschen, die man auf anderen Konferenzen nicht sah (z.B. das neue Call of Duty). 
Microsofts Credo "Its better on Xbox One", welches sie gegen Ende der PK gebetsmühlenartig wiederholten schwebt so noch in der Luft. Bisher ist damit zu rechnen, dass die vielen gezeigten Multiplattformer auf der PS4 besser laufen werden, als auf der Microsoft-Konsole. Dies zeigen zumindest bisherige Erfahrungswerte. MS beruft sich dort vielleicht auch auf die vielen zeitexklusiven oder auch releaseexklusiven Inhalte, die man sich erkauft hat. Aber ob diese die Kaufentscheidung von Neukunden hin zur Xbox lenken, bleibt abzuwarten. 
Allgemein ein selbstbewusster Auftritt Microsofts, der jedoch letztendlich nicht genug Exklusives zeigen konnte, um vollends zu überzeugen. Versteht mich nicht falsch: Ich rede hier von mangelnden Gameplay-Szenen zu angekündigten Titeln, die dringend nötig gewesen wären, um Fans wirklich zu begeistern. Trailer sind einfach zu wenig und so bleibt zu hoffen, dass die restlichen Messetage mehr Informationen und Bewegtbilder mit sich bringen.