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Montag, 9. März 2015

Gesichtet Kompakt: Housebound


Nach einem missglückten Versuch einen Geldautomaten aufzubrechen wird die rebellische Kylie (Morgana O'Reilly) vom Gericht zu mehrmonatigem Hausarrest inklusive elektronischer Fußfessel verurteilt. Da sie selber obdachlos ist findet dieser in ihrem Elternhaus, welches sie einst fluchtartig verließ, da das Verhältnis zu ihrer Mutter nie das beste war. Das ist es auch heute nicht, jedoch muss Kylie zwischen den alltäglichen Streitereien mit ihrer Mutter und der gähnenden Langweile des Hausarrests feststellen, dass irgendetwas mit ihrem Elternhaus nicht stimmt. 

"Housebound" klingt nach einem Gemisch aus "Disturbia" und klassischen Filmen des Haunted House-Genres, doch letztendlich ist der Weg, den Regisseur Gerard Johnstone für sein Debüt wählt ein gänzlich anderer. Denn im Film ist nichts so wie es scheint. Spätestens ab der Mitte wird der geneigte Zuschauer bemerken, dass mit seinen eigenen Erwartungen, sowie den Konventionen des klassischen Horrorfilm gespielt wird. Oft kommt alles ganz anders als man es erwartet. Und das ist die große Stärke des Streifens. Gemischt mit einer ordentlichen Dosis - oft schwarzen - Humors schafft man es hier einen erfrischenden Wind im Genre des Horrors, respektive der Horror-Komödie wehen zu lassen. Auch wenn die Auflösung des Spukes letztendlich nicht ganz so spektakulär war, wie ich es mir erhofft hatte: Vorausahnen konnte man sie nicht und die Twists, die die Handlung nach und nach offenbart sind durchaus clever aufgebaut und ausgespielt.

 Was dem Film hingegen fehlt sind wirklich sympathische Charaktere. Gerade Kylie ist anfangs eine Endzwanzigjährige, die die Pubertät scheinbar nie wirklich abgeschlossen hat und somit alles und jeden mit abfälligen Sprüchen und Beleidigungen kommentiert. Ich persönlich wurde mit ihr nicht wirklich warm, sodass eine gewisse Distanz bis zum Schluss übrig blieb. Auch die meisten anderen Charaktere sind keine wirklichen Sympathieträger. Nur der Sicherheitsdienst-Angestellte, mit dem sich Kylie im Laufe des Filmes verbündet weckte empathische Gefühle in mir. Gerade in einem Film mit horrorlastigem Anstrich brauche ich
jedoch auch Figuren, mit denen ich mitfiebern kann und die bleiben in "Housebound" leider aus.



Zudem will während dem Film keine wirkliche Horrorstimmung aufkommen. Gerade Genre-Fans werden hier wohl kaum einen Grusel verspüren, denn dafür ist die Atmosphäre zu selten wirklich bedrohlich und die Schocks sind rar und nicht wirkungsvoll getimed. Zudem fehlt ein bedrohlicher Gegenpart zu Kylie, vor dem der Zuschauer sich fürchten könnte. In Kombination mit den Comedy-Elementen lässt sich der Film ziemlich entspannt runtergucken, sodass man sich in den leider etwas zu langen 109 Minuten  eher amüsiert als gruselt. Das muss kein Negativpunkt sein - und ich sehe ihn schlussendlich auch nicht als solchen - jedoch werden Zuschauer, die hier einen Schocker erwarten enttäuscht.

"Housebound" unterhält. Und das ist für mich letzten Endes was zählt. Als Horrorfilm scheitert er, als schwarze Komödie mit Thriller-Elementen hingegen hat er mir gut gefallen. Der Mangel an Identifikationsfiguren und die zu lange Laufzeit sind jedoch zwei klare Minuspunkte, welche dem Film letztendlich einen etwas faden Beigeschmack zufügen. Jedoch weiß gerade die Geschichte zu überraschen, der Film spielt oft klug mit den Erwartungen und die komödiantischen Elemente wirken immer passend und ergänzen den Film um eine interessante Facette. Ich habe leider nicht die Genre-Überraschung bekommen, die ich mir erhofft hatte, jedoch einen unterhaltsamen Film gesehen, der das Attribut "sehenswert" durchaus verdient hat.

6,5/10

Montag, 8. Dezember 2014

Gesichtet Kompakt: Oculus


"The Prodoucer of Paranormal Activity and Insidious presents" prangt groß auf dem Kinoplakat des ersten Kinowerks von Regisseur Mike Flanagan. Kennt ihr nicht? Kein Wunder, hat er doch zuvor nur unterdurchschnittlich den Direct-to-DVD-Markt beliefert. Warum sein Film rund um einen mordenden Spiegel ("Mirrors" lässt grüßen) doch sehenswert ist, fasse ich kurz einmal für euch zusammen.

Das Geschwisterpärchen Tim (Brenton Thwaites) und Kaylie Russell (Karen Gillan) haben im Kindesalter ihre Eltern verloren. Doch die Umstände waren nicht ganz alltäglich. Ihr Vater quälte ihre Mutter zu Tode und sperrte sie bis zu ihrem Dahinscheiden in ein Zimmer im ersten Stock. Als er seine Schwester angreift, erschießt Tim seinen Erzeuger und wandert für einige Jahre in eine psychatrische Anstalt. Von Außen wirkt der Fall wie eine Familientragödie, aber Kaylie weiß mehr: Die Tode ihrer Eltern haben etwas mit dem gruseligen alten Spiegel zu tun, der passenderweise im Arbeitszimmer des Vaters hing.
Viele Jahre später wird Tim aus der Anstalt entlassen und von Kaylie eingesammelt. Das Wiedersehen verläuft kurz und schmerzlos, denn Kaylie hat den Spiegel wiedergefunden und nun nur noch ein Ziel: Er muss zerstört werden!

Dazu hat sie den alten Trümmer in ihr ehemaliges Elternhaus gebracht und dieses so präpariert, dass es eine einzige große Falle für das dämonische Möbelstück darstellt. Überall sind Kameras aufgestellt, Indikatoren für dämonische Präsenzen wurden in jedem Zimmer verteilt, um einen möglichen Spuk anzuzeigen und zu guter letzt installierte sie noch einen Selbstzerstörungsmechanismus, welcher den Spiegel automatisch zerstört, sollten die Geschwister während des Projektes dahinscheiden.
Die Dokumentation des Geschehens im Haus ist Kaylie besonders wichtig, um Zweiflern zu beweisen, dass der Spiegel das Böse beinhaltet. Nicht zuletzt ihrem Bruder, welcher durch jahrelange Therapien nun die öffentlich verbreitete Version seiner Familiengeschichte glaubt und die Version mit dem bösen Möbelstück für lächerlich hält. Doch wie es das Schicksal will, soll er bald eines besseren belehrt werden.



Müsste man Oculus nach seiner ersten Hälfte beurteilen, so wäre der Film wahrscheinlich ziemlich abgestraft worden, denn hier bekommt der geneigte Zuschauer viel zu viel Altbekanntes und müde Präsentiertes vorgesetzt. Die Vorgeschichte, die weitestgehend eine Zusammensetzung aus Ideen anderer Filme (Mirros, Shining, Insidious) ist, langweilt nicht zuletzt wegen billiger Jumpscares der Marke "Ich lasse mal mit lautem Geräusch jemanden ins Bild laufen". An diesen Stellen merkt man deutlich die Herkunft des Regisseurs, welcher diese Momente nicht nur extrem vorhersehbar inszeniert, sondern auch eher mittelmäßig bis schlecht timed.

Der Film springt immer wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her und zeigt uns die beiden Geschwister in der Gegenwart, welche den Spuk ein für alle mal beenden wollen und die Familie kurz nach dem Einzug, als der Spiegel anfängt Einfluss auf den Vater zu nehmen, was letztendlich in der Tragödie mündet.
Anfangs sind diese Zeitsprünge noch sehr klar voneinander getrennt, doch gerade in der zeiten Hälfte des Filmes verschwimmen immer öfter die Ebenen miteinander, was den Film deutlich aufwertet und einige nette Spielereien ermöglicht.
Mike Flanagan nimmt sich hier viel Zeit um die Hintergründe zu erklären und Charaktere einzuführen, sowie die Konflikte untereinander deutlich zu machen. Gerade in diesen Phasen wirken die oben schon erwähnten Jumpscares sehr deplatziert; fast schon so, als wurden sie nachträglich noch in das Drehbuch eingefügt. Doch das hatte der Film gar nicht nötig, denn gerade dieser ruhige Aufbau hätte der zweiten Hälfte, in der es dann darum geht sich dem Spiegel zu entledigen, während der sich mit aller Kraft wehrt gut getan.

So kämpft Oculus bis zur Filmmitte mit dem Abschalten, nur um dann plötzlich eine Kehrtwende zu machen und mit einigen tollen Szenen und Verwirrspielen zu glänzen und die Story passend zu inszenierten und mit einem Knall abzuschließen. Die Halluzinationen, mit denen das Möbelstück sich wehrt bringen die Teenager an den Rand der Verzweiflung und sind definitiv das grausige Highlight des Filmes (richtig fies, Stichwort: Glühbirne), welcher mit Blut sehr sparsam umgeht, dafür aber mit deformierten Fratzen nicht geizt, welche hin und wieder zwar leicht billig animiert aussehen, ihre Wirkung aber nicht verfehlen.


So rettet Hälfte Nummer zwei den Film aus der Mittelmäßigkeit und kann mit Tempo und Twists einige anerkennbare Akzente setzen. Die Schauspieler Thwaites und Gillan, welche den Film zu großen Teilen alleine tragen müssen, liefern einen guten Job ab. Gerade Gillan ist in ihren obsessiven Momenten wirklich großartig.
Was man dem Film noch ankreiden könnte ist, dass er gut 10 Minuten zu lang ist. Hin und wieder bemerkt man Längen in der Inszenierung und die ein oder andere Szene wirkt deplaziert, was dann doch zu kleinen aber bemerkbaren Abzügen in der Spannungskurve führt.

Oculus ist mal wieder kein ganz großer Wurf im Gruselkino und gerade die erste Hälfte wird viele Genre-Fans enttäuschen und langweilen. Doch am Ball bleiben lohnt sich, denn letztendlich wird man mit einigen tollen Einfällen und Szenen belohnt. Der Film ist weder kreativ, noch wirklich gruselig (zumindest wenn man mit dem Genre vertraut ist), schafft es aber durch interessante Momente und die ein oder andere fiese Stelle die Aufmerksamkeit des Betrachters bis zum Schluss für sich zu gewinnen. DEN einen großen Horrorfilm wird es 2014 wohl nicht mehr geben, und wer Hunger hat sollte es ruhig mal mit Oculus versuchen.

6/10


Sonntag, 7. Dezember 2014

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Montag, 27. Oktober 2014

Gesichtet kompakt: Annabelle


Was tun, wenn das Geschenk an die eigene Frau plötzlich versucht selbige und das gesamte Umfeld umzubringen? Im Horrorstreifen "Annabelle" muss sich John (Ward Horton) genau diese Frage stellen, denn die Puppe, mit der er Gattin Mia (Annabelle (ja, wirklich!) Wallis) überraschen wollte, entwickelt ein furchteinflößendes Eigenleben. 

Die Puppe dürfte dem geneigten Horrorfan bekannt vorkommen, wurde doch ihre Geschichte zu Beginn von James Wans großartigem "The Conjuring" grob angeschnitten und sorgte für einige der unangenehmsten Szenen des Filmes. Grund genug um dem verstörend aussehenden Kinderspielzeug einen eigenen Filmableger zu schenken und dem recht unbekannten Regisseur John R. Leonetti die Möglichkeit zu geben sich abseits des Direct-to-DVD-Sortiments mal auf der großen Leinwand vor internationalem Publikum auszutoben.

Doch dies hätte man wohl lieber jemand anderes, wenn nicht sogar Wan persönlich überlassen sollen. "Annabelle" ist ein Horrorfilm, der sich von Klischee zu Klischee hangelt und kaum Schauwerte bietet, sofern man nicht schon den ein oder anderen Horrorfilm im Leben gesehen hat. Dämonen, besessene Priester, nichts nützende Umzüge in neue, hoffentlich geisterfreie Umgebungen. All das wurde schon X Mal abgehandelt und der Film gewinnt fast keiner seiner Thematiken oder Szenen neue Facetten ab. Lediglich in einer Szene, in der Mia von unbekannten Mächten im Aufzug schikaniert wird deutet eindrucksvoll an wohin der Film hätte gehen können, wenn sich ihm ein erfahrener Kopf angenommen hätte und man weniger auf uralte Muster gesetzt hätte.


Was die Atmosphäre angeht ist der Film sehr solide, Grusel kommt ein ums andere Mal auf und Jumpscare-Fans werden zu genüge bedient. Mich enttäuschte der Einsatz dieser längst überholten Schockmethoden und ich hätte mir mehr subtile Momente der Marke Conjuring gewünscht.

Die Schauspieler machen ihren Job solide, sofern das Drehbuch sie nicht ein ums andere Mal haarsträubend dämlich agieren lässt (wer sich die seltsame Puppe freiwillig ein ZWEITES Mal in das Kinderzimmer stellt, dem ist nicht zu helfen...), können aber das viel zu abrupte und schlecht aufgelöste Finale des Filmes nicht retten, welches "Annabelle" letztendlich leider einen negativeren Beigeschmack anhaften lässt, als der Mittelteil des Filmes es verdient hätte.

Somit ist der Film leider nur ein durchschnittlicher Fließbandschocker, der seine Momente besitzt, aber mögliche Trümpfe weder auspielt und andeutet. Für den Grusel-Snack zwischendurch noch bedingt zu empfehlen ist es ansonsten ein Film, den sich kein Genre-Fan antun muss. Wer die - zugegebenermaßen - verdammt gruselige Puppe in Aktion sehen will, der sollte lieber noch einmal "The Conjuring" einlegen. Denn dort bekommt sie einen Auftritt, der ihr würdig ist.

5/10

Donnerstag, 18. September 2014

Gesichtet: Sin City - A Dame To Kill For


Wer hätte gedacht, dass wir den zweiten Teil von Sin City jemals erblicken werden? Sieben lange Jahre hat das Duo Rodriguez und Miller gebraucht, um die Fortsetzung des damaligen Noir-Hits in die Kinosäle zu bringen. Eine von Problemen geplagte Entstehungsgeschichte darf doch mit einem Happy End abgehakt werden. Die Fans freut es, doch die amerikanische Presse reagierte verhalten und der Film spielte nach Start nicht die gehofften Summen ein. Seit heute dürfen auch deutsche Sin City-Fans einen weiteren Trip in die sündige Metropole unternehmen, um herauszufinden, ob das warten sich auch gelohnt hat.

Machen wir es kurz und schmerzlos: Wer sich Sin City im Kino anguckt, den erwartet mehr vom selben. Wieder einmal ist der Film episodenhaft erzählt und fügt sich erst gegen Ende zu einem logisch zusammenhängenden Konstrukt zusammen, welches auch Handlungsstränge aus dem ersten Teil aufnimmt und zu einem befriedigenden Ende führt. Bei unserem zweiten Besuch in der sündigen Stadt treffen wir auf viele Bekannte aus dem Vorgänger, sowie neue Figuren, die uns in der für den Film typischen Erzählweise, die fast gänzlich aus Monologen besteht, ihre Leidenswege schildern. Denn eins hat sich in Basin City schonmal nicht geändert: Jeder schleppt sein persönliches Laster mit sich herum. Niemand ist unschuldig.

Um die einzelnen Geschichten und das spätere Verweben dieser nicht großartig vorweg zu nehmen (denn aus diesen ergeben sich letztendlich die Plottwists und Überraschungen), werde ich die Episoden nur kurz anschneiden:

Zum einen haben wir da den glattgeleckten Schlönling Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der das Glück für sich gepachtet hat wie kein anderer und dieses hemmungslos für diverse Glücksspiele ausnutzt, um jede Nacht aufs Neue das große Geld zu scheffeln. Doch an diesem Abend soll er an die falschen Spielgefährten geraten.
Desweiteren begleiten wir Dwight McCarthy (Josh Brolin), der sich als Paparazzo verdingt und von seiner Vergangenheit geplagt wird, in der die Liebe seines Lebens Ava Lord (Eva Green) seinen Lebensmittelpunkt bildete. Doch das ist Vergangenheit, denn sie heiratete einen anderen Mann und überließ Dwight dem Alkohol und seiner Einsamkeit. Doch ausgerechnet an diesem schicksalhaften Abend sucht sie ihn wieder auf, um um Vergebung zu bitten.
Und dann hätten wir da noch zu guter Letzt Nancy Callahan (Jessica Alba), die immer noch als Akteurin in einer Tabledance-Bar arbeitet und von Rachegelüsten und Schuldgefühlen geplagt wird, nachdem im ersten Film ihr Geliebter John Hartigan (Bruce Willis) von dem Senator der Stadt (Powers Booth) ermordet wurde.
Seitdem trainiert sie jeden Tag den Umgang mit ihrem Revolver, um sich eines Tages zu rächen. Und die heutige Nacht scheint perfekt.


Allein im vorangegangen Absatz findet sich ein Cast zusammen, von dem viele Regisseure nur träumen können, doch wie das für Robert Rodriguez typisch ist, ist auch Sin City - A Dame To Kill For hochkarätig bis in die Nebenrollen besetzt. Neben Wiederkehrern wie Marv (Mickey Rourke), Gail (Rosario Dawson) oder Miho (Jamie Chung) finden sich auch Neuzugänge wie Ray Liotta oder Dennis Haysbert ein und sogar Lady Gaga bekommt ihren kleinen, sympathischen Auftritt.
Es ist eine wahre Freude all diesen Größen beim Schauspielern zuzusehen, denn wie schon im ersten Teil sieht man allen den Spaß am Projekt an und niemand gibt hier eine halbgare Leistung ab. Die Besetzung überzeugt bis in die kleinste Nebenrolle. Schon allein deshalb ist ein Kinobesuch gerechtfertigt.

Desweiteren steckt auch im Rest des Filmes noch viel Sin City drin. Das fängt beim Stil an, der immer noch in schwarz-weiß gehalten ist und nur vereinzelte Elemente durch Farbe in den Fokus rückt. Auch nach sieben Jahren wirkt das immer noch frisch, da es in der Zwischenzeit nichts Vergleichbares gab. Es ist ein zeitloser, sehr ästhetischer Stil, selbst wenn die roten Blutfontänen die Leinwand überfluten. Man könnte sich jeden Frame des Filmes eingerahmt an die Wand hängen und es wäre ein stylischer Blickfang. Dies hat auch viel mit der Kamera zu tun, die das Geschehen immer fest im Blick hat und immer ruhig auf den Szenen liegt. Selbst die Kampfszenen sind immer mit klarer Perspektive gefilmt und überraschen hier und da lediglich durch kreative Winkel und Aufnahmen.
Die Erzählweise ist - wie schon erwähnt - die gewohnt Monolog-Form aus dem Off. Der handelnde Charakter erzählt dem Zuschauer die Geschichte, gibt Einblicke in Vergangenheit und Gefühlswelt. Dies unterstreicht den Noir-Stil des Filmes und macht ihn zu einem Fest für Leute, die gerne mit Filmzitaten um sich schmeißen. Wie im Erstling werden sie auch hier wieder problemlos fündig werden.
Im Allgemeinen gibt es sowohl vom Text, als auch von der Handlung her wieder viele Szenen, die mir nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden und das Prädikat "besonders" mehr als verdienen, ebenso wie der mal wieder melodramatisch ausfallende Soundtrack. Das Problem des Filmes ist also nicht die Inszenierung und definitiv auch keine Identitätslosigkeit, sondern es ist das Erbe, das er antreten muss gepaart mit einer Geschichte, die letztendlich nichts Besonderes zu erzählen weiß.



Ja, es ist schon ein wenig schade. Da arbeiten Miller und Rodriguez sieben Jahre an diesem Film, von denen die meiste Zeit wohl das Drehbuch geschluckt haben dürfte und dann enttäuscht die Handlung die zugegebenermaßen etwas höher angesetzten Erwartungen. Nicht falsch verstehen: Während des Filmes machr die Geschichte durchaus Spaß und vieles richtig, aber die Wow-Momente bleiben dann - wenn man das Inszenatorische beiseite lässt - doch aus. Szenen wie Bruce Willis Tod, Elijah Woods Geheimnis gebunden mit seinem Ableben oder Marvs blutiger Kreuzzug, die den ersten Teil zu einem Hochgenuss auf Handlungsbasis gemacht haben, suchen hier vergeblich ihresgleichen. Die Handlungsstränge aus Sin City, die hier aufgegriffen werden werden zu einem Ende geführt, mit dem garantiert jeder Fan gut leben kann, das Problem ist der Weg dahin, der einfach zu wenig Überraschungen bietet und stellenweise sicherlich sogar eine Spur vorhersehbar erscheint. Auf der Handlungsebene knallt es zu selten, auf der Inszenatorischen hingegen laut und häufig. Stellenweise wirkt der Film wie Fanservice, den man den Anhängern unbedingt vorsetzen wollt, auch wenn man lange Zeit nicht wusste wie und nun mit einer Notlösung die Kinosäle entert.
Das klingt alles dramatischer, als es ist. Während des Filmes hat man Spaß. Erst wenn der Abspann über die Leinwand rollt, bemerkt man, dass irgendwo klammheimlich die Enttäuschung auf höherem Niveau sitzt und der Hunger nicht ganz so befriedigt wurde wie damals, als der erste Teil sich dem Ende hin neigte.

Dies mag sicherlich den ein oder anderen Fan mehr enttäuschen als mich, doch selbst wenn der Film auf persönlicher Ebene völlig versagen sollte, muss man den Hauptdarstellern einfach Tribut zollen. Eva Green als Femme Fatale ist einfach unwiderstehlich gut. Und das, obwohl ich sie definitiv zuvor nicht in dieser Rolle gesehen habe, da sie - und da werde ich höchstwahrscheinlich Kontra kriegen - mich optisch nicht wirklich anspricht. Aber was sie durch Blicke und Bewegungen an Ausstrahlung aus sich herausholt wirkt definitiv elektrisierend und bannt den Blick nach vorne. Und das schafft sie auch in den wenigen Szenen, in denen sie sich nicht splitterfasernackt durch Betten und Whirlpools räkelt. Ihr Zusammenspiel mit Ex-Lover Josh Brolin ist einfach zum Zunge schnalzen nicht zuletzt, weil auch Brolin Herausragendes leistet und den wütenden, mit sich selbst ringenden Ex-Kriminellen perfekt miemt.
Und das sind nur zwei der brillierenden Rollen. Auf weitere möchte ich jetzt nicht eingehen, denn das würde den Rahmen sprengen, aber besonders geachtet sollte noch auf Rourke, Alba und Liotta werden. Großes Kino!

Und natürlich bleibt Sin City auch seinen anderen Trademarks treu: Gewalt, Alkohol, nackte Haut. Es gibt kaum eine Szene in der nicht mindestens eines dieser Elemente im visuellen Fokus liegt. Gerne werden sie sogar alle zusammen kombiniert. Aber genau das macht auch die Härte, die Dunkelheit und die Hoffnungslosigkeit der Stadt aus und schlägt sich auf die Atmosphäre nieder, die die Fans so sehr an ihr schätzen. Zartbesaitete Naturen werden hier wohl wieder Grenzerlebnisse haben und Feministinnen sollten um den Film sowieso einmal mehr einen gewaltigen Bogen machen, um der Schnappatmung vorzubeugen.
Auch der zweite Film atmet den Geist von Frank Miller wieder mit allen Poren und das bedeutet nunmal scharzen Humor, Gewaltexzesse und den Mangel von Kleidungsstücken gepaart mit überdurchschnittlichem Alkoholkonsum, abenteuerlichen Geschehnissen jenseits des Realismus und nicht zuletzt: ein gewisses Schubladendenken, was das weibliche Geschlecht anbelangt, auch wenn hier diesmal die Damen Alba und Green eindeutig die Hosen anhaben und Gegenentwürfe bilden. 


A Dame To Kill For ist letztendlich eine Fortsetzung die durchaus Berechtigungsdasein hat, auch wenn sie dem Vorgänger ganz klar unterliegt. Am Stil jedoch kann man sich nicht satt sehen und auch das 3D, welches man beim Kinogang wählen kann lohnt sich durchaus, denn so bekommt der Look noch ein paar comicbuch-artige Papierebenen, die zusammen mit einer angenehmen Tiefe in den Bildern durchaus einige Szenen bereichert. Für eine absolute Empfehlung ist der Film jedoch zu ruhig, sodass man die Dreidimensionalität eher als subtile Ergänzung, anstatt eines dynamischen Erlebnisses beschreiben muss.
Klar ist: Dieser Film wurde für Fans gemacht. Wer den Erstling nicht gesehen hat, der braucht sich gar nicht ins Kino zu bewegen, denn so bleiben viele Handlungsebenen verschlossen. Kenner und Genießer werden jedoch - wie ich - ihren Spaß haben, auch wenn die endgültige Befriedigung wohl für die allermeisten ausbleiben wird. Was im Gedächtnis bleibt sind hingegen tolle Bilder, Szenen, Zitate und Akteure und da hat der Nachfolger schonmal den Großteil der Dinge, die Sin City ausmachen auf der "Haben"-Seite.

7/10

Donnerstag, 17. Juli 2014

Gesichtet: The Signal



"The Signal" ist einer dieser Filme, die im Kino landen, ohne dass man es wirklich mitbekommt. Für Regisseur William Eubank ist es der erste Leinwandausflug und auch sein Cast besteht weitestgehend aus Gesichtern, die dem Filmliebhaber auf den ersten Blick wenig sagen, wäre da nicht Laurence Fishburne. Mit diesem wurde der Film dann auch in erster Linie beworben. In Trailern wirkte er meist kryptisch und die Filmposter zeigen klinisch saubere Umgebungen und Menschen in weißen Schutzanzügen. All das in Kombination macht neugierig und so begab ich mich ins Kino, um zu sehen ob der Film außer dem Namen Fishburne noch etwas zu bieten hat. 

Über den Film zu sprechen ist ein bisschen wie das Entschärfen einer Bombe. Ist man unvorsichtig, dann zerstört man ihn. Die Geschichte ist sein Kapital und so wäre es an dieser Stelle unangebracht wirklich ausführlich darüber zu sprechen, daher beschränke ich mich auf wenige spoilerfreie Sätze.

Die drei College-Freunde Nick, Haley und Jonah (in der Reihenfolge: Brenton Thwaites, Olivia Cooke und Beau Knapp) sind Hobby-Hacker und seit einiger Zeit frustriert: Ein anonymer Hacker-Konkurrent namens Nomad provoziert sie und führt sie immer wieder vor, indem er ihre Geräte hackt und schelmische Nachrichten hinterlässt. Die beiden Jungs wollen das nicht auf sich sitzen lassen und nehmen den Kampf gegen ihn auf. Die drei Teenager machen sich auf nach Nevada, da Nicks Freundin Haley dort für ein Jahr aufs College gehen möchte. Wie der Zufall es will würde ein Ausflug zu Nomads Standort nur wenige Kilometer Umweg bedeuten und so fällt der Beschluss den Quälgeist vor Ort zur Rede zu stellen. Dort angekommen erwartet die drei Freunde jedoch nur eine verlassene Hütte. Beim Erforschen dieser kommt es zu einem Vorfall und sie verlieren das Bewusstsein.

Als Nick wieder aufwacht befindet er sich in einem Forschungsbunker der Regierung. Angeschlagen und im Rollstuhl sitzend wird er von Dr. Wallace Damon - einem Wissenschaftler - über die Geschehnisse befragt, an die er sich nicht mehr so richtig erinnern kann. Doch irgendetwas scheint an seiner Situation nicht zu stimmen. Wo sind seine Freunde? Warum weicht der Doktor allen seinen Fragen aus? Was ist das für ein seltsames Tattoo auf seinem Arm und wo ist dieser Nomad?


Der Mix Science Fiction-/Mystery-Thriller dürfte "The Signal" wohl passend beschreiben. Was im Trailer recht temporeich aussah entpumpt sich auf der Leinwand als ruhiger, dialoglastiger Film. Gerade der Anfang führt die Charaktere recht detailliert ein, man bekommt ein Gefühl für diese Dreiecksbeziehung. Jedoch gibt es ein Problem: Die Motivation der Gruppe den Hacker zu verfolgen ist einfach nicht nachvollziehbar. Spätestens als sie durch die Einöde fahren und als potentielle Unterkunft eine horrofilmreife Bruchbude vorfinden, entstand für mich ein Bruch, sodass ich mich nicht mehr mit ihnen identifizieren konnte. Zudem ist Hauptfigur Nick der unsympathischste und uninteressanteste von den drei Teenies. Da hilft auch nicht, dass man ihm mit einem Unfall in der Vergangenheit - welcher ihn nun nur noch auf Krücken laufen lässt - versucht etwas Tiefe zu verleihen. Der leicht abgedrehte Noah oder Nicks Freundin Haley wirken einfach zu jedem Zeitpunkt interessanter.

Dieses Problem rückt jedoch in den Hintergrund, sobald die Story wirklich in Fahrt kommt. Ab dem Punkt, an dem Nick in der Forschungsstation aufwacht zieht die Spannungskurve an. Viele Fragen werden aufgeworfen und zunächst nicht geklärt. In erster Linie besteht der Mittelteil aus Gesprächen zwischen Fishburnes Charakter Dr. Damon und Nick, welche meist noch mehr Fragen mit sich bringen, als das sie Antworten liefern. Dies in Kombination mit der unheilvollen Atmosphäre und der bedrückenden klinischen Sauberkeit des Umfeldes weckt Interesse und - und das darf noch verraten werden - sobald Nick die Basis verlässt, lässt der Film seine Dialoglastigkeit hinter sich und wird temporeicher und spannender. Das Pacing des Filmes weiß also durchaus zu gefallen, auch wenn es sich gerade gegen Ende dann doch einen dicken Patzer leistet, denn während der Rest des Streifens sehr detailverliebt und ruhig ist, überschlägt er sich gegen Ende regelrecht, fast so als ob man das Finale plötzlich schnell samt Lösung abdrehen musste. Das hat zur Folge, dass gerade der Schluss die größte Schwäche des Filmes darstellt und letztendlich den Eindruck einer solide, spannend erzählten Story trübt. Zudem ist die große Enthüllung dann doch etwas zu unspektakulär, um wirklich zu befriedigen. Ein solcher Film steht und fällt mit der Auflösung und wird diese verbockt, dann verliert der Rest des Filmes ebenfalls an Qualität, auch wenn diese gerade für eine Produktion mit verhältnismäßig niedrigem Kinobudget im Falle "The Signal" sehr ordentlich war.


Und das gilt gerade für die Optik des Filmes. Er wirkt sehr durchstilisiert und ästhetisch. Die hervorragende Kameraarbeit fängt die Szenarie immer wieder aus tollen Winkeln ein - spektakuläre Canyonlandschaften und exotischere Einstellungen inklusive. Untermalt von einem wirklich tollen elektronisch-melancholischem Soundtrack entstehen hier tolle atmosphärischen Aufnahmen, gerade wenn der Film die Vergangenheit der Charaktere zeigt und gefühlvolle Zeitlupen gepaart mit schönen Klängen serviert. Die Fähigkeiten einen gut aussehenden, stlistisch kreativen und ansprechenden Film zu erschaffen hat William Eubank definitiv und dies macht den Film zumindest auf Bild- und Klangebene zu einer ebenbürtigen Konkurrenz für größer budgetierte Genre-Kollegen. Im Storytelling und Pacing muss er jedoch ganz klar nochmal die Schulbank drücken, denn hier sitzen gegen Ende - wie schon angesprochen - die großen Fehler.

Kein Fehler hingegen war die Besetzung der Hauptcharaktere. Die drei "No-Names", die die Rollen von Nick, Haley und Jonah besetzen waren die richtige Wahl. Sie lösen ihre Aufgabe souverän und ansprechend und gerade Beau Knapp als leicht abgedrehter Nerd macht Spaß. Brenton Thwaites hat im Cast leider die etwas undankbare Rolle erwischt. Zwar spiel er den Protagonisten, jedoch ist sein Charakter einfach langweilig und unsympathisch, was wohl den Drehbuchschreibern zuzuschreiben ist. Thwaites gibt sich sichtlich Mühe diese Charakterhülle mit Leben zu füllen, man hat aber stets das Gefühl, dass er unter den richtigen Bedingungen mehr hätte geben wollen und können.
Ebenfalls problematisch ist die Rolle von Laurence Fishburne, denn er hat einfach zu wenig zu tun. Zwar ist seine Screentime sehr ordentlich, jedoch besteht diese zumeist nur aus Gesprächen, in denen er ruhig und relativ ausdruckslos auf Nick einredet. Ein Schauspieler von diesem Kaliber ist mit dieser Rolle einfach unterfordert und so gelingt es ihm nur selten wirkliche Highlights zu setzen, jedoch gibt er in seinem Rahmen sein Bestes. Ein paar brilliantere Momente hätte man ihm jedoch durchaus in die Skripte schreiben können.


"The Signal" hat es mir nicht einfach gemacht. Auf der einen Seite stehen die Optik, der Soundtrack und eine über weite Strecken spannende Geschichte mit viel Potential, die gekonnt in Szene gesetzt wurde. Auf der anderen Seite wirkt das Ende dahingeschludert, die Dialoglastigkeit legt Schwächen in der Charakterzeichnung frei und gerade Laurence Fishburne ist nicht der Trumpf des Filmes, sondern lediglich ein großter Name, da seine Rolle ihn seine stärken nicht ausspielen lässt. Science-Fiction Fans bekommen hier recht spannende 95 Minuten geliefert, die sich gerade durch die Ruhe und den Fokus auf den Dialogen nach 10-20 mehr anfühlen. Gäbe es nicht die große Schwäche am Ende des Filmes, wäre Eubank hier wohl so etwas wie ein Geheimtipp gelungen. So ist es leider lediglich ein solider Genrebeitrag geworden, den ich Kinogängern lediglich bei akuter Langweile empfehlen würde. Ein Gang zur Videothek in ein paar Monaten reicht völlig aus. Dann ist The Signal ein abendfüllender SciFi-Thriller, der durchaus zu unterhalten weiß, wenn man über klar sichtbare Schwächen abseits von Optik und Technik hinwegsehen kann. 

6/10

Montag, 7. Juli 2014

Gesichtet: No Turning Back - Locke


Ein wenig seltsam ist es schon. Als Film-Fan freut man sich ganz besonders auf die großen Produktionen. Die großen Namen. Die Filme mit den zwei- bis dreistelligen Budget-Beträgen.
Filme die unterhalten und die den Zuschauer mit positiven Gefühlen im Sitz zurücklassen und für eine gewisse Zeit eine Flucht vor dem Alltag boten. All das sind laute Filme. Sie sind aufwendig inszeniert, edel besetzt und publikumsfreundlich konzipiert. Spaß soll man haben, alles um sich herum vergessen und am Ende glücklicher aus dem Kino kommen, als man hineinging.
Dann aber gibt es auch die Filme, die all das nicht haben. Kleine, stille Produktionen, die man leicht übersieht und die nicht den Anspruch haben von einem großen Publikum wahrgenommen zu werden. Während all die Blockbuster und Kinohits - Ausnahmen ausgeschlossen - bewusst auf Unterhaltung und oberflächliche Abhandlungen von Emotionen und Charakteren fixiert sind, so sind es gerade die kleinen Filme, die einen gänzlich andern Weg gehen. Einen ganz besonderen Vertreter dieser Sorte durfte ich heute sehen: "No Turning Back" (Orginaltitel "Locke").
Und um meinen ersten Satz noch einmal aufzugreifen: Irgendwie sind es dann doch eben diese kleinen Filme, die mich mein Hobby so lieben lassen.

"No Turning Back" zu beschreiben ist so leicht wie bei kaum einem anderen Film, ihn jedoch zu erklären nicht. Fangen wir also mit der Beschreibung an.
Wir begleiten Ivan Locke (Tom Hardy) auf einer Autofahrt von Birmingham zu einem Krankenhaus in einer anderen, dem Zuschauer unbekannten Stadt. Locke ist erfolgreicher Baustellen-Manger, hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Es ist der Abend vor dem wohl größten Projekt seiner Karriere. Das Fundament für ein riesiges Gebäude soll gegossen werden und für den reibungslosen Ablauf dieser Aktion ist allein er verantwortlich. Doch er wird nicht da sein können, denn der wohl schlimmste Moment seines Lebens steht ihm bevor und er weiß, dass er kommen wird und wird bald begreifen müssen, dass sich Probleme im Privatleben nicht so rational lösen lassen, wie die auf der Baustelle.
Denn Locke ist verheirateter, zweifacher Familienvater, scheint glücklich mit Frau und Kindern im Eigenheim zu leben, wenn da nicht ein paar Stunden in seinem Leben gewesen wären, die ihn an diesem Abend einholen sollten. Locke hatte eine Affäre mit einer anderen Frau und genau diese bringt heute ihr gemeinsames Kind zur Welt.

Der 90-minütige Streifen ist in Echtzeit gedreht. Wir begleiten den Protagonisten die gesamte anderthalb-stündige Fahrt zum Krankenhaus, während wir ihm meist direkt ins Gesicht gucken. Nur ab und zu sehen wir verschwommene Lichter hinter regenüberströmten Fensterscheiben oder das Display des Boardcomputers, über das Locke Anrufe annimmt oder selber tätigt. Der Film spielt komplett im Auto, alle gesprochenen Worte erfolgen über das Telefon oder im Monolog. Dieser Minimalismus erlaubt es dem Zuschauer sich sehr intensiv mit dem Charakter auseinanderzusetzen und den nötigen Fokus auf die Gespräche zu legen, um so auch zwischen den gesprochenen Zeilen zu lesen. Die Dialoglastigkeit und die damit einherkommende Handlungsarmut ist ein großes Risiko, da die Gefahr besteht den Zuschauer zu langweilen oder sich in Belanglosigkeiten zu verlieren. Umso imponierender ist es, dass man Tom Hardy förmlich an den Lippen hängt und jedes Wort in sich aufsaugt. Die Dialoge generieren Spannung und das ist der größte Trumpf, den No Turning Back aufzubringen hat und wodurch er letztendlich auch voll uns ganz zu überzeugen weiß.


Die Erzählweise wird absolut auf diese minimalistischen Mittel beschränkt. Vergangenes und parallel Geschehendes wird lediglich nacherzählt oder über das Telefon vermittelt. Was auf der anderen Seite der Leitung geschieht bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen. Tom Hardy ist der einzige Schauspieler dieses Films den wir zu sehen bekommen. Doch diese One-Man-Show inszeniert er grandios und glaubhaft. In seinem Gesicht kann man förmlich alle inneren Denkprozesse lesen. Man leidet und fühlt mit. Man spürt die Überwindung, mit der er immer wieder Telefongespräche annimmt, nur um sich aufs neue mit Ehefrau, Chef und Kollegen duellieren zu müssen. Während dieser 90-minütigen Fahrt verliert Ivan Locke sein komplettes Leben und wie Hardy diese Entwicklungen spielt - wie er schreit, weint, fleht und wieder Hoffnung schöpft - sollte ihm endgültig viele Türen in Hollywood öffnen, nachdem er schon als Bane in "The Dark Knight Rises" und als vom inneren Schmerz zerfressener Martial-Arts-Kämpfer in "Warrior" brilliert hat. Man kann ihm den Erfolg wirklich nur wünschen, auch wenn "No Turning Back" wohl an der breiten Masse ohne Beachtung vorbeiziehen wird.

Und das kann ich sogar schon ein wenig nachvollziehen, denn letztendlich haben wir es hier mit absolutem Nischen-Kino zu tun. Ein Drama mit nur einem Darsteller, welches nur in einem Auto spielt und lediglich eine handvoll Kameraperspektiven bietet. Bei dem man sich auf Dialoge konzentrieren muss, außer Hardy kaum Schauwerte zu sehen bekommt und letztendlich konstant mit dem Niedergang eines Mannes zu tun hat, der versucht das Richtige zu tun, nachdem er einen Fehler begangen hat. Während Locke mit seinen inneren Dämonen, der Ehefrau und den Planungen für das morgige Großprojekt kämpft, kämpft der Zuschauer mit der Entscheidung, ob er es sich selbst zuzuschreiben hat, dass er in dieser Situation steckt oder ob er letztendlich das Opfer in einer Flut von Ereignissen ist, die ihn in einem höheren Maße bestrafen, als er es eigentlich verdient. Verdient dieser Mensch Vergebung oder doch genau das was er bekommt? Ist das Leben mit all seinen Konsequenzen nun gerecht oder ungerecht? Nach dem Abspann wird man mit diesen Fragen im Kopf wohl noch eine Weile rumlaufen. Der Film ist deprimierend, mitleiderregend und über Weite strecken trostlos. Die Autobahn auf der Locke unterwegs ist, ist ein symbolischer Weg zum Schlachthaus, den viele anonyme Mitreisende in ihren eigenen Gefährten begleiten, während der Regen die Lichter und Scheinwerfer zu surrealen Gemälden verzerrt. Die Szenerie untermalt den Film perfekt und lenkt nie von den Gesprächen oder Hardys Gesicht ab, denn diese beiden Elemente tragen den Film und machen ihn zu dem Erlebnis, das er nunmal ist, egal wie düster und hoffnungslos.

Es ist wohl kein Vebrechen, dass dieser Film somit von den meisten Menschen ungesehen bleibt. Es ist kein Unterhaltungsfilm, sondern einer, der den Zuschauer emotional in die Lage dieses leidenden Menschen versetzt, der händeringend um die Erhaltung seines Lebens ringt und letztendlich nur verliert. Doch Freunde von Dramen, hervorragenden Schauspielkünsten und Filmen mit Anspruch sollten sich das Werk von Regisseur Steven Knight nicht entgehen lassen, der hier wohl einen der stärksten Beiträge zu seiner Filmkarriere gedreht hat.
Diese Geschichte über das Leben zog mich runter, machte mich nachdenklich und hielt mich trotz Minimalismus fest umklammert. Es ist in Ordnung, wenn man sich nach diesem Film leer und traurig fühlt, denn man erlebte das Leben von der wohl schonunglosesten, aber auch einer sehr realistischen Seite. Und doch endet der Film mit einem Hoffnungsschimmer und einem neuen Leben. Ein Ende wie es wohl zwiespältiger kaum sein könnte, bei einem Film der kaum ist wie ein anderer.

8/10

Samstag, 7. Juni 2014

Gesichtet: Edge of Tomorrow


Live. Die. Repeat. Unter diesen drei Schlagwörtern läuft der erste Tom Cruise Film des Jahres 2014 in den Kinos an. Das es lediglich dieses Wort-Trio benötigt, um die Prämisse des Filmes zu erklären macht auf dem Papier nicht allzu viel Hoffnung. Doch Edge of Tomorrow kann sehr viel mehr, als sich auf dieses simple Credo zu verlassen. 

Die Handlung ist tatsächlich ebenso simpel wie ausreichend: Leutnant Bill Cage (Tom Cruise) verdient seine Moneten eigentlich damit neue Rekruten für die globale Armee anzuwerben, denn vor einigen Jahren hat eine unbekannte Alienrasse  - "Mimics" genannt - die Erde überrannt und die Menschen auf wenige Millionen dezimiert. Cage kennt das Schlachtfeld nur aus dem Fernsehen oder seinen Brandreden, wird aber zu seinem eigenen Entsetzen eines Tages völlig überraschend selber an die Front versetzt. Die Menschen bereiten sich auf die Finale Schlacht nach dem Motto "Alles oder Nichts" vor und wollen die Mimics mit einem Überraschungsschlag vernichtend schlagen. Doch wie zu erwarten geht der Angriff furchtbar schief und endet für die menschliche Rasse in einem Massaker, welches der Extinktion gleichkommt. Der völlig unerfahrene Cage stirbt auch. Doch er erwacht wieder. Am selben Morgen desselben Tages.

Nachdem der reichlich verwirrte Front-Frischling immer und immer wieder gestorben ist und denselben Tag x-fach durchlebte, beginnt er die Systematik zu verstehen. Dabei hilft ihm Kriegsheldin Rita (Emily Blunt), die einst im selben Kreislauf gefangen war, die Fähigkeit aber irgendwann verlor ohne den Grund zu kennen. Schon bald entdecken die beiden den Vorteil ihrer Situation: Cage kann den Tag immer wieder wiederholen und so nach einem Mittel suchen, um die Mimics zu besiegen und das Ende der Menschheit zu verhindern.

Liest man über "Edge of Tomorrow" so stoplert man ziemlich schnell und häufig über den Vergleich zu Videospielen und genau der trifft die Mechanik des Filmes auch perfekt. Das ständige Scheitern und wiederholen von Situationen kennen Gamer schon seit Jahrzehnten und hier erfährt es Tom Cruise am eigenen Leib, indem er selber erfährt wie es ist unendlich viele Versuche zu haben, um Probleme zu lösen.
Was furchtbar langweilig klingt setzt Regisseur Doug Liman tadellos um, indem er in den Wiederholungen die entscheidenden Fortschritte festhält, viel Humor hinzufügt und Schnitte so setzt, dass man schon Gesehenes eher erahnt, als das man es noch einmal sehen muss.
Es ist herrlich dabei zuzusehen, wie Cruise langsam immer mutiger wird und durch seine Übermotivation und die daraus resultierende Leichtsinnigkeit ein ums andere Mal sehr unnötige Tode stirbt. Die Gag-Dichte ist dabei trotz ernstem Thema und teils düsterer, derber Atmosphäre nicht zu verachten, was auch daran liegt, dass Cage seinen Alttag langsam auswendig lernt und anfängt mit den Leuten, die ihn umgeben zu spielen und sein Wissen zum Vorteil zu nutzen, sodass der Zuschauer an jedem neuen Morgen vorfreudig darauf wartet, wie er seinen Tagesablauf nun wieder verändert.


Was zudem wirklich Freude bereitet ist die tolle Chemie und Dynamik zwischen Tom Cruise und Emily Blunt. Die beiden Charaktere agieren hervorragend zusammen, liefern sich unterhaltsame Wortgefechte und gerade die Skrupellosigkeit und Härte von Blunts Charakter Rita sorgt für einige Lacher. Beide spielen hier wirklich gut mit und tragen den Film komplett. Man sieht, dass hier mit viel Spaß gearbeitet wurde.Um die beiden Hauptdarsteller herum wurde ein solider Cast zusammengestellt, der sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern lediglich die Performance von Cruise und Blunt unterstützt, gerade im zweiten Drittel des Filmes sind die beiden sogar nur zu zweit unterwegs, sodass der Fokus auf ihnen und der sich aufbauenden Beziehung liegt, die - typisch Hollywood - am Ende in der obligatorischen Liebesgeschichte endet.

Der Film hat wirklich fulminant gedrehte Szenen mit tollen Kamerafahrten und Effekten. Die hoffnungslosen Schlachten gegen die Aliens sind bombastisch und intensiv in Szene gesetzt. Parallelen zur D-Day-Szene eines "Soldat James Ryan" sind definitiv vorhanden, jedoch gelungen an das futuristische Szenario angepasst.
Wenn die menschlichen Rekruten in ihren Exoskeletts gegen die blitzschnellen, heimtückischen Kreaturen ins Gefecht ziehen, dann schepperts und explodiert es an allen Ecken und Enden. Die Schlachten wirken herrlich dreckig und brachial und bieten eine gelungene Abwechslung zu den ruhigen Planungsszenen und emotionalen Momenten zwischen den Charakteren. Was das angeht, bekommt der Zuschauer hier einen typischen amerikanischen Actionfilm. Das Szenario ist jedoch erfrischend und die Geschichte weckt Neugier, auch wenn die Auflösung gegen Ende deutlich weniger spektakulär ist, als erhofft. Bis dahin gibt sich "Edge of Tomorrow" jedoch keine Blöße und zieht sein "Live. Die. Repeat."-Programm mit aller Konsequenz äußerst unterhaltsam und kurzweilig durch. Nochmal: Trotz der vielen Wiederholungen des Szenarios wird der Film durch viele Nuancen, den Humor und den Fortschritt der Charaktere einfach nicht langweilig. Durchaus bemerkenswert, dass dieses Kunststück so gut gelingt!


Somit bekommt man unterm Strich einen wunderbar unterhaltsamen Actionfilm mit erfrischender Idee, die mit ihrem videospielbasierten Ablauf viel richtig macht und nicht an Humor spart. Es ist kein anspruchsvoller Film und auch bei Weitem keiner, der emotional berühren kann oder will, so wie es viele Kriegsfilme (sei es realistisch oder futuristisch) versuchen. Der Film ist von der ersten Bis zur letzten Minute Blockbuster-Unterhaltungskino mit zwei toll harmonisierenden Hauptdarstellern und genug Action, um im Gedächtnis unter "lohnenswert" abgestempelt zu werden. Zwar spielt die Geschichte ihr Potential nicht aus und gerade die Auflösung wird viele Kinogänger enttäuschen, aber bis dahin wird man nach allen Regeln der Kunst unterhalten und das vor nachvollziehbarem futuristischem Szenario. Und das erwarte zumindest ich von einem Action-SciFi-Mix im Jahr 2014.

7/10


Freitag, 6. Juni 2014

Gesichtet: X-Men - Zukunft ist Vergangenheit


Spiderman, Thor, Iron Man, demnächst Guardians of the Universe. Mittlerweile kann man sich als Kinogänger kaum noch vor Filmen auf dem Comicuniversum von Marvel retten. Die hauseigenen Filmstudios hauen in Fließbandproduktion einen Kino-Blockbuster nach dem anderen auf die Leinwände und verlassen sich dabei auf ein und dieselbe Formel: bildschirmfüllender Effektbombast, billiger Witz und Hintergrundgeschichten, die auf Anhieb jeder verstehen kann ohne den Kopf bemühen zu müssen. Zugegebenermaßen bin ich alles andere als ein Fan von den Avengers und ihren Kameraden, aus Gründen auf die ich später noch eingehen werde, jedoch zog es mich gestern freiwillig in das örtliche Kino, um den neusten Marvel-Streifen zu sehen: X Men - Zukunft ist Vergangenheit. Meinen Besuch rechtfertigte vor allem der Vorgänger "Erste Entscheidung", der in all dem austauschbaren Marvel-Wulst einen interessanten Widerstand bot. Machen wir es kurz: Das, was ich gestern sah reicht nicht an den ersten Teil der geplanten Trilogie heran. Jedoch nicht unbedingt aus den Marvel-typischen Gründen. 

 Die erste größere Überraschung des Films dürfte - zumindest für die uninformierten Kinobesucher - der Anfang sein. Die ersten Bilder zeigen eine völlig zerstörte, postapokalyptische Welt. Menschen und Mutanten sind nahezu völlig ausgestorben. Der Grund dafür sind vom Menschen geschaffene Maschinen, die Sentinels. Ursprünglich dazu entwickelt die Welt von Mutanten zu befreien, richteten sie sich auch gegen ihre menschlichen Erfinder. Nur wenige Mutanten befinden sich auf der Flucht und suchen fiebrig nach einem Mittel, um ihre Verfolger zu besiegen. Unter ihnen befinden sich die altbekanten Recken Wolverine (Hugh Jackman), Storm (Halle Berry), Professor X (Patrick Steward) und Magneto (Ian McKellan). Und genau an diesem Punkt sollten Kenner der Filme die Stirn runzeln, bildet diese Schauspielerriege doch die Besetzung der abgeschlossenen Trilogie aus den Jahren 2000 bis 2006. Im Vorgängerfilm sah man eine Art Vorgeschichte zu eben diesen Filmen, in der sich die X Men als Teenager bzw. junge Erwachsene kennenlernten und die legendäre Gruppe formten, die Fans schon seit Jahrzehnten in Form von Comics begleiteten.

Nun jedoch sehen wir zunächst die Besetzung der letzten Filme, wie sie vor ihren übermächtigen Jägern fliehen und sich in einer Bergfestung verschanzen, um verzweifelt einen letzten Rettungs-Versuch zu wagen:
Jemand von ihnen muss mit Hilfe der Fähigkeiten von Zeitmanipulations-Mutantin Shadowcat (Ellen Page) in der Zeit zurückreisen, um die Erfindung der lebensbedrohlichen Maschinen zu verhindern.
Der einzige Mutant, der für eine solch strapaziöse Zeitreise in Frage kommt ist Wolverine, auf dem nun - Marveltypisch - die Hoffnungen der verbleibenden Menschen und Mutanten lasten. Nur er kann das Aussterben verhindern. Doch in der Vegangenheit muss er erst einmal das zerstrittene Trio Xavier (James McAvoy), Raven (Jennifer Lawrence) und Erik (Michael Fassbender) alias Mister X, Mystique und Magneto zusammenführen, um gemeinsam gegen Professor Bolivar Trask (Peter Dinklage) vorzugehen, der mit Hilfe von Mystiques Genen kurz davor ist die Sentinels zu erschaffen.

Der Plot des Filmes wirkt interessant, jedoch hat sich die Xmen-Reihe damit dem Rest der Marvel-Filme noch stärker angenährt. Während die erste Trilogie mit ihrem Kampf Mensch gegen Mutant noch als eine Parabel auf unsere heutige Gesellschaft gesehen werden könnte, geht es nun um simple Schwarz-Weiß-Malerei, oder: Gut gegen Böse, die Xmen gegen Trask und die Sentinels und Magneto gegen den Rest. Das nimmt dem Film die Tiefe, bietet aber mehr Platz für Action und Humor (s. alte Marvel-Formel). Und in den beiden Punkten bietet der Film eine für eine Produktion des Comic-Giganten überdurchschnittliche Qualität an. Während man in Thor regelrecht mit CGI zugeballert wurde und eine Action-Szene die nächste jagte, hat "Zukunft ist Vergangenheit" ein Pacing entwickelt, welches sehr viel abwechslunsgreicher und somit wohlschmeckender ausgefallen ist. Es gibt viele Dialog-Passagen, die mal für mal von plötzlich ausbrechender Action abgelöst werden. Das sorgt dafür, dass der Zuschauer am Ball bleibt und sich nicht wie bei Iron Man und Konsorten nach kurzer Zeit des Denkens entledigt, um ohne gefordert zu werden dem bunten Trubel auf der Leinwand zu folgen. Auch in Sachen Humor wird eine weniger plakative Fahrtrichtung eingeschlagen. Statt plumpen One-Linern wird hier mehr auf situationsbedingte Komik und subtile Anspielungen gesetzt, was definitiv als Verbesserung zu Filmen der anderen Marken verstanden werden kann.


Am besten jedoch funktioniert der Film, wenn er beide Elemente mischt und das hat Regisseur
Bryan Singer, welcher auch schon Teil eins und zwei der ersten Trilogie abdrehte, das ein oder andere Mal wirklich toll umgesetzt. Ohne viel zu spoilern gehört die Ein- und Ausbruch-Szene im Pentagon zu den besten und unterhaltsamsten Kinomomenten seit langer Zeit. Natürlich spielt den Machern des Filmes da auch das Universum der Xmen in die Karten, da es schier unendlich Fähigkeiten gibt, mit denen sich die Schreiberlinge und Effektdesigner nach Laune austoben können und so wirklich einzigartige Momente schaffen.

Der zweite große Pluspunkt ist, dass man sich plotbedingt an den beiden hochkarätigen Besetzungen  des Trilogie-Duos bedienen darf und so ein selten dagewesenes Staraufgebot vorweisen darf, das sich eigentlich nur hinter den Expandables verstecken muss. Bei Weitem nicht alle Hollywood-Sternchen haben ihre berechtigte Screentime bekommen und so werden Halle Berry, Ellen Page und einige andere fast schon verheizt nicht zuletzt, weil Zweidrittel des Filmes nun mal in der Vergangenheit spielen und sich so um den jüngeren Cast rund um Fassbender, McAvoy und Lawrence drehen. Lediglich Serien-Veteran Hugh Jackman kann da als Wolverine mithalten.

Das klingt alles nach einem absoluten Kinoblockbuster und bleibt man bei diesen Punkten, wird der Film diesem gesteckten Ziel auch absolut gerecht. Was jedoch sein größtes Problem ist, ist der Plot. Die beiden Casts aller Film-Teile zu vereinen war eine tolle Idee und die Zeitreise dafür natürlich die dankbarste Lösung. Jedoch hatte ich ein riesen Logikproblem, welches mir nachhaltig viel am Film kaputt gemacht hat. Warum reist Wolverine in die Vergangenheit? Um den bösen Professor davon abzuhalten fiese Killermaschinen zu bauen! Und warum bringt er diesen Bösewicht nicht in einem einsamen Moment (und davon gibt es im Film einige) einfach zur Strecke, sodass seine geheimen Forschungen und Ideen einfach mit ihm sterben? Weil man dann nicht genügend Plot-Twists und Material für 120 Minuten Film hätte! Alles was nach der Zeitreise Wolverines kommt macht streng genommen einfach keinen Sinn. Er muss weder die drei zerstrittenen Jugendfreunde einen, noch seine Widersacher über den halben Erdball verfolgen. Er müsste nur in eine Wohnung einbrechen und seine klingenbesetzen Hände in die Brust eines Mannes stecken: Problem gelöst. Stattdessen werden im Laufe des Filmes wahnsinnig viele Menschen- und Mutantenleben in Gefahr gebracht und teilweise sogar genommen. Es macht einfach keinen Sinn!

Und daran hatte ich den ganzen Film zu kauen und deshalb konnte er mich mit dem was im Mittelteil und bis zum spannenden Showdown angeboten wurde nicht mehr besänftigen: Es ist einfach ein nicht übersehbarer großer Fehler, der den ganzen Film als eine einzige große Konstruktion enttarnt. Goodbye Logik, Hallo Action! Die von mir gehasste Marvel-Formel findet nun auch in diese Serie Einzug!
Natürlich: Wäre es anders gekommen, hätte ich womöglich niemals gesehen wie Magneto ganze Stadien aus dem Boden reißt und auch der ein oder andere emotionale Moment hätte nicht stattgefunden, aber eine Begründung für all das hätte mir der Film liefern müssen!


Da trösten mich dann auch nicht mehr die grandiosen, bildschirmfüllenden Effekte, die tollen Kamerafahrten und das Duo Fassbender-Lawrence, welches alle anderen im Film in Grund und Boden spielt. Es gibt sogar einen weiteren Schwachpunkt, von dem ich vorher niemals gedacht hätte, das er existieren könnte: James McAvoy! Der spielt den jungen Charles Xavier sehr ernüchternd. Es gibt sogar eine Szene zwischen ihm und Fassbender, die eigentlich emotional berühren sollte, aber dafür sorgte, dass der ganze Saal in Gelächter ausbrach. Dass dieser Mann, der in "Drecksau" eine wirklich beeindruckende Performance lieferte, jemals so enttäuschen kann, hätte ich zuvor nie gedacht. Aber vielleicht passt das letztendlich auch zum Film, der nicht halten kann, was er nach dem ersten Teil des Tripletts versprach.

Was bleibt ist ein spaßiger Actionfilm im X Men-Universum, der grandiose Momente hat, aber im Gesamtbild einfach nicht gewinnen kann. Der Plot im Mittelteil ist einfach nur konstruierter Schwachsinn, umringt von einem tollen Anfang und einem spannenden Finale. Die Stars geben sich reihenweise die Klinke in die Hand, doch Jennifer Lawrence und Michael Fassbender verdrängen den Rest des Ensembles ohne jede Mühe. Man spürt die Vision von Singer, welche er beim Dreh des Streifens hatte, an jeder Ecke des Filmes, aber letztendlich lag es wohl am Drehbuch, dass daraus leider mehr Marvel-Film wurde, als es ihm eigentlich gut tat. Schade!

6/10

Donnerstag, 1. Mai 2014

Gesichtet: Mud - Kein Ausweg


Jeff Nicols ist ein noch unbeschriebenes Blatt im Mainstream-Kino. Der 36-jährige Amerikaner zählt zu den jüngeren Regisseuren im Business und seine Filmographie enthält dementsprechend nur eine Hand voll Werke. Jedoch hat er ein kleines Kunststück vollbracht, welches nur wenigen Filmemachern in ihren frühen Phasen gelingt: Er hat sich bisher noch keinen Fehlgriff geleistet. Redet man über ihn, so liegt zumindest mir das Wort "Geheimtipp" immer auf den Lippen, denn seine drei bisher veröffentlichten Arbeiten zählen zu den Filmen, die ich bedingungslos weiterempfehlen könnte. Einen von diesen Dreien habe ich soeben erst beendet. "Mud" heißt er und unterscheidet sich sehr von dem, was man von Nicols bisher sehen konnte. Dass er auch Dramen drehen kann, spricht sehr für ihn. Und sehr viel spricht auch für "Mud". 

Ich muss zugeben, dass ich bis vor ein paar Tagen nichts von Mud wusste, geschweige denn, dass es einen neuen Film von Jeff Nicols gibt. Schon 2012 abgedreht hat er jetzt erst den Weg nach Europa gefunden, obwohl die Besetzung und der Produktionsrahmen keinen kleinen Film vermuten lassen. Gerade weil Nicols letztes Werk "Take Shelter" in den deutschen Kinos lief, wunderte es mich doch warum es dieser Film nicht doch zeitnah zum Amerikastart zumindest in die Videotheken geschafft hat. Wahrscheinlich lassen sich Psychothriller einfach leichter vermarkten als Coming of Age-Dramen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Film nun auf Grund von Matthew McConaugheys Oscar-Gewinn von den Studios in Europa vermarktet werden wollte, um aus dem Trubel um den jüngst so erfolgreichen Schauspieler einen möglichst großen Profit zu ziehen. Jedoch hat Mud es gar nicht verdient im Schatten eines größeren Filmes unter das Volk gejubelt zu werden, auch wenn er als kleinerer Film natürlich nicht mit der Relevanz eines "Dallas Buyers Club" Schritt halten kann.

McConaughey ist jedoch keineswegs die Hauptfigur des Filmes, was die Plakate suggerieren. "Mud" erzählt die Geschichte der beiden Teenager Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland), die als beste Freunde zusammen am Mississippi aufwachsen, jedoch ist die Geschichte wesentlich näher an Ellis, als an Neckbone erzählt. Der 14-jährige lebt mit seinen Eltern in einem Hausboot an einer ruhigen Stelle des Flusses. Die Familie ist alles andere als wohlhabend, aber das scheinen die Leute in der Gegend wohl alle zu sein. Ellis Leben ist geprägt von tagtäglichen kleinen Abendteuern in der Natur, der Arbeit mit seinem Vater und dem ersten Interesse an dem anderen Geschlecht bis zu dem Tag, an dem er mit Neckbone auf einer verlassenen Insel ein Boot entdeckt, welches von einem Sturm in die Krone eines Baumes geschleudert wurde. Während sie die Innenräume des Bootes erkunden bemerken sie, dass dieses scheinbar bewohnt ist, denn dort versteckt sich der scheinbar obachlose Mud (Matthew McConaughey). Ellis ist sofort angetan von dem interessanten, offenen, wortgewandten Mann in den dreckigen Klamotten. Schon im ersten Gespräch stellt sich raus, dass Mud auf der Flucht ist. Er ist ein Mörder und wird von der Polizei und einer Kopfgeldjägerbande gesucht. Den Mord beging er um seine große Liebe Juniper (Reese Whiterspoon), was den beiden Jugendlichen sehr imponiert. Sie beschließen Mud zu helfen das gestrandete Boot zu reparieren und somit Mud und Juniper eine Möglichkeit zu geben zu fliehen. Doch die Verfolger nehmen schon bald Muds Spur auf.


Was sich wie ein Thriller liest ist eigentlich ein schöner, ruhiger Coming of Age-Film über eine ungewöhnliche Freundschaft und das Erwachsen werden. Ellis findet in Mud einen Freund, der ihn das Scheitern der Ehe seiner Eltern und die ständigen Geldprobleme vergessen lässt. Das Ziel das Boot für Mud seetauglich zu machen scheint den beiden Jungs aus einfachen Verhältnissen eine Reifeprüfung und ein Abenteuer zugleich zu sein. Sie besorgen für Mud Lebensmitte, aber auch Ersatzteile für das Boot. Muds Situation und seine Liebesgeschichte inspirieren sie dazu selbst mutiger zu werden, sich gegen Probleme zu wehren und der ersten Liebe nachzulaufen anstatt sie nur von Weitem zu betrachten. Wir sehen hier das große Abenteuer zweier Jungs, die den Anfang ihrer Pubertät durchleben mit allen Problemen und Veränderungen, mit Erfolgen und Enttäuschungen.

Mud hingegen bietet den Kontrast. Von ihm geht das Ungewisse, womöglich auch Gefährliche aus. Er wird von Allen, die ihn kennen als chronischer Lügner bezeichnet, als schwerer Mensch.  Auf die Jungs und auch auf den Zuschauer wirkt er hingegen komplett anders, was seine Person angenehm undurchschaubar macht und auch innerhalb des Filmes für den ein oder anderen Twist sorgt. Jedoch sollte man von Mud keine Action oder temporeiche Spannung erwarten. Letztere wird durch die Beziehungen zueinander geschaffen, ebenso wie durch den undurchdringlichen Namensgeber des Filmes. Er ist ein charmanter Kerl, dessen Aussehen konträr seinem Intellekt und seiner Gutmütigkeit steht. Jemand den man einfach nie ganz durchschaut und daher ein interessanter Freund für die beiden jungen Hauptdarsteller.

Der heimliche Star des Filmes ist der Mississippi und seine dichten, urigen Wälder, in denen der Film zum Großteil spielt. Wenn Ellis mit seinem Boot über den Fluss schippert, dann gibt es nichts außer ihm und den umliegenden Sümpfen. Die Natur wirkt ebenso unberechenbar wie Mud selber. Gegenpol dazu sind die eher einfachen Städtchen und Behausungen, in denen die Menschen wohnen. Durch die langsamen Schnitte des Filmes und die großzügigen Kameraschwenks kommen die Locations toll zur Geltung uns lassen eine tolle, leicht hitzige Sommeratmosphäre entstehen, in der man die schwule Luft und die Brise auf dem Fluss fast schon spüren kann.


Ein großes Lob muss man auch an die Besetzung aussprechen, denn der Film ist bis in die kleinste Rolle toll und passend gefüllt. Das fängt natürlich bei den beiden Jungs an. Die bis dato eher unbeschriebenen Sheridan und Lofland spielen die beiden wahnsinnig routiniert und emotionsgeladen zwischen Kind und jungen Erwachsenen. Die Dynamik zwischen den beiden stimmt einfach und wird ergänzt von einem großartigen McConaughey, dem die Rolle sichtlich am Herzen lag und der den heruntergekommenen Flüchtligen nicht nur spielt, sondenr regelrecht lebt. Dies ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass wir von diesem Mann als Schauspieler in Zukunft spektakuläres zu erwarten haben, nun da er dort engelangt ist, wo er hingehört: Bei den anspruchsvollen Charakterrollen.
Auch die Nebenrollen nehmen ihren Job ernst. Endlich konnte man wieder mal eine Reese Witherspoon in einer ansprechenden Rolle sehen, nachdem sie sich in letzter Zeit eher rar gemacht hatte. Tom Shepard gibt einen herrliche fiesen Bösewicht, der sich jedoch angenehm im Hintergrund hält und den Fokus auf der Beziehung zwischen Mud und den Jungs lässt, anstatt den Film in Richtung "Mud gegen Kopfgeldjäger" zu drehen. Der Film benötigt definitiv diesen Nebenstrang, um gelegentlich Tempo aufnehmen zu können, die Balance zwischen beiden Seiten wurde absolut gefunden.
Farblos hingegen blieb Michael Shannon in der Rolle von Neckbones Onkel, welcher nach seiner spektakulären Performance in Take Shelter hier eher nochmal als besonderer Gast zu sehen ist. Jedoch hätte man ihn nicht für eine solch unbedeutende Rolle verheizen sollen.

"Mud" ist ein runder Film geworden. Auf dem toll gefilmten Mississippi und dessen Umlanden wird die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft gezeichnet, der immer etwas unberechenbares und daher interessantes zu Grunde liegt. Die Schauspieler machen aus der grundsoliden Geschichte ein tolles Erlebnis. Der Film pendelt zwischen Feel-Good-Movie und Drama mit Herz. Eine angenehme Mischung, die den Zuschauer kombiniert mit der einnehmenden Atmosphäre der Lokationen im Bann hält. Der Film hat ein angenehmes Tempo, wird nie hektisch, aber auch nur selten langweilig, was bei einer Spieldauer von 130 Minuten genrebedingt wohl nicht ausbleibt. Jedem Fan von herzerwärmenden Filmen sei dieses Machwerk ans Herz gelegt. McConaughey Fans, sowie Sympathisanten ansprechenden Schauspiels sowieso.
Jeff Nicols hat es auch hier wieder geschafft einen guten, sehr sehenswerten Film abzuliefern und man kann gespannt sein, was in Zukunft noch von ihm gedreht wird.

7/10


Donnerstag, 24. April 2014

Gesichtet: Static - Bewegungslos

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Das traute Eigenheim ist im Horrorgenre längst kein sicherer Ort mehr. Man wird von Geistern heimgesucht, von Monstern geplagt oder unbekannten Eindringlingen belästigt. Letzteres passiert den Hauptfiguren in “Static - Bewegungslos”, dem Regiedebut von Todd Levin. Somit ist der Film wieder einmal ein Beitrag zum “Home Invasion”-Genre, welches sich in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit erfreut. Ein Regiedebut, welches den Weg ohne Kinovergangenheit oder großen Namen im Regiestuhl in die Videotheken findet. Kann das überhaupt was werden? 

Die Geschichte des Films habe ich eigentlich schon fast komplett in der Einleitung beschrieben. Jonathan (Milo Ventimiglia) und Addie (Sarah Shahi) leben leicht abgeschieden im gemeinsamen Haus irgendwo im Hinterland eines US-Bundesstaates. Vor nicht allzu langer Zeit verloren sie auf dramatische Art und Weise ihren kleinen Sohn bei einem Unfall, weswegen beide mit Schuldgefühlen zu kämpfen haben, die sie gerne einmal aneinander auslassen. Jonathan ist ein Autor und legt beim Feinschliff seines neusten Werkes eine Nachtschicht ein, als plötzlich jemand an der Tür klingelt. Draußen findet er die völlig verängstigte Rachel (Sara Paxton) vor, die auf der Flucht vor unbekannten Männern mit Gasmasken ist, die ihr Auto aus dem Nichts attackierten. Addie und Jonathan geben ihr eine Zuflucht für die Nacht. Doch die Verfolger sind nicht ganz unwissend über Rachels Versteck. Und wer ist diese Rachel eigentlich? Und warum weiß sie so gut über Jonathans Privatleben und dessen Bücher Bescheid?

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Static beginnt gemächlich und nimmt sich ein wenig Zeit, um die Beziehung des Hauptdarsteller-Pärchens zu skizzieren und den Unfall des Sohnes zu erläutern. Die beiden pendeln zwischen Liebe und Wut, zwischen gutgemeintem Zuspruch und Vorwurf. Recht authentisch wird hier das Bild eines Paares gezeichnet, dessen Ehe durch die Schuld und die Erinnerungen fast zerbricht, obwohl Liebe und Gedanken an eine gute Vergangenheit die Hoffnung nicht sterben lassen. Mit dem Auftauchen von Rachel nimmt der Film jedoch an langsam an Fahrt auf. Die unbekannten Männer mit Gasmasken wecken das Interesse des Zuschauers. Doch schnell wird bewusst, dass der Film es Szene um Szene verpasst das Tempo zu erhöhen und somit Spannung zu kreieren. Die Unbekannten dringen in das Haus ein und machen Jagd auf deren Bewohner, aber irgendwie wirkt jedes Ereignis unspektakulär und stellenweise gar harmlos. Eine echte Bedrohung geht von den Maskierten nie aus, zumal sie sich von den Protagonisten auch viel zu einfach niederknüppeln lassen.

Dieses Problem begleitet den Film wie ein klebriger Kaugummi. Es will einfach keine Spannung aufkommen. Kein Gefühl von Gefahr oder Bedrohung stellt sich ein, sobald der Zuschauer bemerkt wie die Gasmaskenträger agieren. Ihre Überzahl zerstören sie durch grenzdebiles Handeln und eine unbegründete Langsamkeit ihrer Bewegungen wieder und wirken einfach nie richtig gefährlich für die Hausbewohner. Somit bleibt der Film über 2/3 seiner Spielzeit ein durchschaubares und langatmiges Stück Home Invastion. Im letzten Drittel jedoch wird es durch den ein oder anderen Twist interessanter, wenn es darum geht die Identität der Rachel zu lüften. Schnell wird Addie und Jonathan klar, dass es ganz andere Gründe für den Angriff der Unbekannten gibt und dass sie beide auch eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Das Ende wird somit zumindest thematisch interessant, auch wenn die Präsentation hier wieder sehr tempoarm ausfällt. Zumindest kann man sagen, dass mit dem Ausgang des Filmes so niemand rechnen kann. Ob er sinnvoll und positiv auf die Qualität wirkt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich empfand ihn als wenig innovativ und zu konstruiert.

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Somit hat sich Regisseur Todd Levin hier mit seinem Debut nicht mit Rum bekleckert. Man merkt ihm an vielen Stellen mangelnde Erfahrung an und zu viele Szenen werden klischeehaft gelöst. Antiquitierte, längst überholte Horror-Elemente wie z.B. das nicht anspringende Auto langweilen einfach nur und ließen mich mit dem Kopf schütteln. Die fehlende Spannung ist da nur ein weiterer Punkt von vielen. Was man jedoch auf der “Haben”-Seite auflisten muss ist, dass der Film nie wie eine Billigproduktion wirkt. Die Kameraeinstellungen sind gut gewählt und die erschaffene Atmosphäre, welche die Bilder erzählen ist auf gutem Niveau und lassen erahnen, dass hier ein solider Thriller hätte entstehen können, nicht zuletzt da die Darsteller auch akzeptable Arbeit leisten.

Somit bleibt von Static nicht viel übrig, was aus ihm einen guten Film machen würde. Einigen Zuschauern könnte das Ende gefallen, wobei es mir - wie schon erwähnt - einfach zu konstruiert und bekannt vorkam. In schönen Bildern wird hier ein spannungsarmer Home Invasion-Thriller abgespult, der ohne inszenatorische Höhepunkte auskommt. Was Mut für die nächsten Werke von Levin macht ist die Atmosphäre und das Talent durch die Kamera Qualität zu erzeugen. Jedoch muss er sich in allen anderen Belangen noch ein ganzes Stück verbessern. “Bewegungslos” ist leider nicht nur der Untertitel des Filmes.
4/10
J.

Gesichtet: Cheap Thrills

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"Cheap Thrills" ist zwar kein Horrorfilm oder ein Streifen mit Splattereinlagen, jedoch ist er auf seine eigene Art ein schwerverdaulicher Brocken. Daher habe ich entschieden, dass er einen Platz in dieser Reihe bekommen sollte. Nicht zuletzt, weil er als kleine, unbekannte Perle durchaus Beachtung verdient. 

Es gibt Tage, an denen läuft einfach alles schief. Familienvater Craig (Pat Healy) verliert seinen Job und der Vermieter droht mit dem baldigen Rausschmiss, sollte die nächste Miete nicht in den nächsten Tagen eintrudeln. An eben diesem Tag sucht Craig seinen Trost in einer Bar und gibt sich dem Alkohol hin, als er seinen alten Schulfreund Vince (Ethan Embry) wiedertrifft. Lange hatten sie sich nicht gesehen und während die beiden in Erinnerungen schwelgen gesellt sich ein Pärchen zu ihnen. Colin (David Koechner) und Violet (Sara Paxton) feiern den Geburtstag Zweiterer. Schnell wird den alten Schulfreunden bewusst, dass Colin Berge von Geld besitzen muss, denn er lädt die beiden ein mitzufeiern und kredenzt nur die edelsten Tropfen. Mit steigender Stimmung und steigendem Pegel erfindet der scheinbare Millionär ein Spielchen für Craig und Vince: Er denkt sich Dinge aus, die einer von den beiden tun soll. Und dieser bekommt dann eine ordentliche Summe Geld von ihm bar auf die Hand. Nachdem Vince für 200 Mäuse einer Stripperin kräftigst auf den Hintern haut, muss die Party notgedrungen in das Haus des reichen Pärchens verlegt werden. Doch je weiter die Zeit voran schreitet, desto abstruser werden die Aufgaben und schon bald entbrennt aus dem spaßig gemeinten Spiel ein erbitterter Wettkampf zwischen den beiden Jugendfreunden. Denn beide befinden sich in einer finanziell aussichtslosen Lage und können das Geld sehr gut gebrauchen. Mit den Preisen steigt die Rivalität und der Härtegrad der Aufgaben und schon bald gerät alles außer Kontrolle.

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Cheap Thrills beginnt als schwarze Komödie und wird nach und nach immer mehr zu einem harten, unangenehmen Thriller, der eine bizarre Situation nach der anderen aus dem Hut zaubert. Gerade im Mittelteil weiß man das ein oder andere Mal nicht, ob man über das Gezeigte lachen oder schockiert sein soll. Den Spagat zwischen Belustigung und Abscheu schafft der Film ganz hervorragend und zum Ende hin kann man nicht mehr anders, als leicht perplex auf den Bildschirm zu schauen. Den humorvollen Unterton verliert der Film nie vollkommen, jedoch wird er mit steigender Gewalt immer leiser.

Die Aufgaben schrauben die Rivalität zwischen den beiden Freunden immer höher und schon bald merken sie, dass sie für Geld die ein oder andere Grenze überschreiten würden, ums ich aus ihren Notlagen zu befreien. Die Motivation von Vince wird hierbei nicht ganz so nachvollziehbar offenbart wie die von Craig, der um die Existenz seiner kleinen Familie kämpft. Jedoch vergessen die beiden ihre Freundschaft mit jeder weiteren Etappe immer mehr. Diese Entwicklung zeigt der Film sehr gut und weiß sie auch packend und schonungslos zu inszenieren. Es gibt bei Weitem keine Gore- oder Splattereinlagen, jedoch gibt es die ein oder andere fiese und auch blutige Szene. Dadurch, dass diese sehr realistisch und ungeschönt ausfallen, wirken sie auch härter, als die überdrehten Gewaltausbrüche vieler Genrekollegen. Der Streifen ist einfach über einige Strecken hin sehr unangenehm und hält - zwar leicht überzogen, aber dennoch treffend - dem materialistisch veranlagten Menschen der Gegenwart den Spiegel vor die Nase. Wie weit würde man für Geld gehen? Was würde man tun für 200, 3000 oder gar 25.000 Dollar Bargeld?

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Die Darsteller kamen in ihren bisherigen Laufbahnen kaum über Nebenrollen in kleineren Streifen hinaus, jedoch trägt gerade das auch zur Authenzität des Filmes bei. Den unverbrauchten Gesichtern kauft man die Situationen einfach einen ganzen Tick besser ab, als einem Ensemble von größeren Namen. Zudem wird hier von dem Quartett - allen voran David Koechner als sadistischer wandelnder Geldsack - wirklich gute Arbeit geleistet. Man nimmt sie zu jeder Zeit in ihren Rollen samt Emotionen ernst.

Mit 85 Minuten ist der Film zwar alles andere als lang, aber dadurch schafft er es nie langweilig zu sein. Die erste halbe Stunde geht es noch recht gemächlich zu, da die Charaktere in Ruhe vorgestellt werden und somit auch Platz für ausgelassene Feierstimmung und den ein oder anderen Gag bleibt. Doch sobald die Vier in Colins Haus angelangt sind, zieht der Film konstant an bis zum fiesen Finale, welches leider dann doch ziemlich vorhersehbar ist. Der Weg dorthin birgt aber - wie schon erwähnt - einige fiese Szenen.

"Cheap Thrills" ist ein kleiner gemeiner Film über die konsumorientierten, materialistischen Monster, die in jedem von uns schlummern. Geld regiert die Welt und die Aussicht auf große Mengen in kurzer Zeit lässt Menschen schnell egoistisch und gierig werden. Genau das zeigt der Film hier auf leicht überzogene und blutige Weise, sodass man ihn als schwarze Komödie mit satirischen Elementen bezeichnen könnte. Jedoch bleibt dem Zuschauer das Schmunzeln ein ums andere Mal im Halse stecken, denn der Film hat Zähne und er beißt gerne mal unverhofft zu. Der Konflikt der beiden Freunde ist der Nährstoff für den Plot und Sadist David Koechner führt schelmisch grinsend Regie. Fieser Geheimtipp! 

7/10

J.

Gesichtet: Blutgletscher

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Diese neue Rubrik steht ganz im Zeichen meines Lieblingsgenres, dem Horrorfilm. Jeder neue Film, der mir vor die Augen kommt wird hier auseinandergenommen. Die Ehre des Erstlings hat “Blutgletscher”, eine österreichischer Monster-Horror mit einem recht unverbrauchten Szenario. 

Die Klimakatastrophe ist im Gange. Nicht nur in Film, denn man kann sie auch jeden Tag bei uns beobachten, wenn man möchte. Ein Beispiel dafür sind die Gletscher. Sie schmelzen Jahr für Jahr und werden immer kleiner. Natürlich betrachten Wissenschaftler dies mit großer Sorge und warnen mit den neusten Ergebnissen ihrer Forschungen. In “Blutgletscher" untersucht ein Forschungsteam bestehend aus drei Wissenschaftlern, einem Ingeneur und einem Hund die besorgniserregenden Entwicklungen eines nicht näher genannten Gletschers in Österreich. Auf über 3500 Metern Höhe machen sie eine grausige Entdeckung: Eine organische blutähnliche und bis dato völlig unbekannte rote Substanz durchtränkt von einem Tag auf den anderen einen Großteil der Eismassen. Natürlich sind die Forscher zunächst Feuer und Flamme, doch schnell finden sie heraus, was für eine Gefahr ihre Neuentdeckung mit sich bringt und schon bald gibt es die ersten Toten.

"Blutgletscher" funktioniert dann am besten, wenn man möglichst wenig weiß. Daher werde ich nicht näher auf die Eigenschaften der besagten roten Substanz eingehen. Nur soviel sei gesagt: Die Erklärung ist kreativ und schenkt dem Film sowohl einen interessanten Hintergrund, als auch tolle Monster.
Der Film beginnt recht verhalten und offenbart direkt zu Beginn seine Schwächen. Die Charaktere sind allesamt unsympathisch, sie agieren teilweise alles andere als logisch und das Aufbauen von Spannung vor den Schockszenen gelingt kaum. Doch sobald die wissenschaftliche Komponente dank der Entdeckung der Substanz dazu kommt, hat der Film mich dann doch fesseln können, da die Idee einfach sehr interessant ist und viel Potential birgt. Dieses nutzt der Film in seinem Rahmen (er kommt immerhin “nur” aus Österreich) gut aus, auch wenn natürlich Luft nach oben bleibt. Eine gewisse Faszination für das, was dort geschieht war bei mir aber durchaus vorhanden.

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Leider flacht der Film nach einem gelungenen Mittelteil wieder ab und verfällt in die Muster des Beginns. Die Schockeffekte werden wohl nur Genre-Neulinge aus dem Sessel heben, denn sie sind zu offensichtlich und orientieren sich an längst im Genre gängigen Mustern. Hinzu kommt, dass viel zu viel mit Jumpscares gearbeitet wird, die nach meinem Geschmack endlich mal dezimiert gehören. Zudem konnten die unsympathischen Charaktere mich einfach nicht für sich gewinnen. Mitfühlen konnte ich nur, wenn der Hund involviert war.

Die aus Deutschland und Österreich stammenden Schauspieler (u.a. Gerhard Liebmann und Edita Malovcic) konnten nicht wirklich überzeugen. Das liegt zum einen am Overacting, das der ein oder andere an den Tag legt, zum anderen aber eben auch daran, dass sie keinerlei Sympathien erwecken können. Liebmann zum Beispiel spielt einen saufenden, ewig schlecht gelaunten Ingeneur, der immer genervt in seinen Bart nuschelt. Malovcic hingegen die hysterische, besserwisserische Wissenschaftlerin, die dauerhaft ihre Tage zu haben scheint. Es gibt einfach niemanden in diesem Fim, mit dem man mitfühlen möchte, da die Distanz durch Antipathie einfach zu hoch ist.  Zudem sein noch gesagt, dass Jeder, der Probleme mit österreichischem Akzent hat, hier wohl wenig Spaß haben wird.

Was ganz klar eine Stärke des Films ist, sind die Monstereffekte. Die sind meist handgemacht und ansehnlich. Auch wenn mal der ein oder andere Effekt aus dem Computer kommt, wirkt das immer hochwertig und mit Liebe zum Detail. Die Kreaturen schaffen es - auch durch teils ekliges Aussehen - Unbehagen auszulösen und hatten somit wesentlich Potential, als der Film letztendlich nutzte. Trotzdem hielten mich gerade diese Variationen der Monster bei der Stange, da ich einfach wissen wollte, was die Macher sich sonst noch haben einfallen lassen. Inspiration fand man hier bei dem Horror-Klassiker “Das Ding aus einer anderen Welt”, an dem sich der Film auch außerhalb des Kreaturendesigns hier und da bedient. Auffällig sind hier besonders die Keilereien und das Misstrauen zwischen den Teammitgliedern, die definitiv von Carpenters “Ding”-Remake inspiriert sind. Dies ist aber keine Schwäche, sondern wertet den Film ein wenig auf.

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Gore- und Splatterfreunde werden an “Blutgletscher” wohl keinen gefallen finden. Zwar gibt es die ein oder andere blutige Szene, jedoch wird es nie richtig explizit. Das schadet dem Film zwar nicht, jedoch boten die Monster durchaus die Möglichkeit für die ein oder andere fiese Einlage. Ein klarer Schwachpunkt des Filmes ist, dass er nie anspannend oder gruselig ist. Die Schockeffekte kündigen sich - wie schon anfangs erwähnt - zu früh an und funktionieren nicht. Und auch sonst kommt einfach nie Grusel auf. Gerade wenn man den antarktischen SciFi-Horror-Paten des Filmes anguckt, weiß man, dass da wesentlich mehr möglich gewesen wäre.

Was am Ende bleibt ist ein durchschnittlicher Film, der dank dem Monsterdesign und der tollen Idee, die hinter diesen steckt, Interesse wecken kann, ansonsten aber sein Potential nicht nutzt. Die unsymathischen Charaktere und der fehlende Horror lassen den Zuschauer kaum emotional teilhaben. Gerade der Vergleich zu den “Ding”-Filmen, dem sich “Blutgletscher” durch seine klaren parallelen Stellen muss, wertet den Film zusätzlich nochmal ab, da er nie in die Dimensionen der Inspirationsquelle kommt. Monster-Fans jedoch bekommen trotzdem einige interessante Szenen und einen netten wissenschaftlichen Hintergrund mit leichter Öko-Botschaft. Alle anderen dürften mit dem Ausflug ins Eis wohl nicht glücklich werden. 

5/10

J.