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Montag, 9. März 2015

Gesichtet Kompakt: Housebound


Nach einem missglückten Versuch einen Geldautomaten aufzubrechen wird die rebellische Kylie (Morgana O'Reilly) vom Gericht zu mehrmonatigem Hausarrest inklusive elektronischer Fußfessel verurteilt. Da sie selber obdachlos ist findet dieser in ihrem Elternhaus, welches sie einst fluchtartig verließ, da das Verhältnis zu ihrer Mutter nie das beste war. Das ist es auch heute nicht, jedoch muss Kylie zwischen den alltäglichen Streitereien mit ihrer Mutter und der gähnenden Langweile des Hausarrests feststellen, dass irgendetwas mit ihrem Elternhaus nicht stimmt. 

"Housebound" klingt nach einem Gemisch aus "Disturbia" und klassischen Filmen des Haunted House-Genres, doch letztendlich ist der Weg, den Regisseur Gerard Johnstone für sein Debüt wählt ein gänzlich anderer. Denn im Film ist nichts so wie es scheint. Spätestens ab der Mitte wird der geneigte Zuschauer bemerken, dass mit seinen eigenen Erwartungen, sowie den Konventionen des klassischen Horrorfilm gespielt wird. Oft kommt alles ganz anders als man es erwartet. Und das ist die große Stärke des Streifens. Gemischt mit einer ordentlichen Dosis - oft schwarzen - Humors schafft man es hier einen erfrischenden Wind im Genre des Horrors, respektive der Horror-Komödie wehen zu lassen. Auch wenn die Auflösung des Spukes letztendlich nicht ganz so spektakulär war, wie ich es mir erhofft hatte: Vorausahnen konnte man sie nicht und die Twists, die die Handlung nach und nach offenbart sind durchaus clever aufgebaut und ausgespielt.

 Was dem Film hingegen fehlt sind wirklich sympathische Charaktere. Gerade Kylie ist anfangs eine Endzwanzigjährige, die die Pubertät scheinbar nie wirklich abgeschlossen hat und somit alles und jeden mit abfälligen Sprüchen und Beleidigungen kommentiert. Ich persönlich wurde mit ihr nicht wirklich warm, sodass eine gewisse Distanz bis zum Schluss übrig blieb. Auch die meisten anderen Charaktere sind keine wirklichen Sympathieträger. Nur der Sicherheitsdienst-Angestellte, mit dem sich Kylie im Laufe des Filmes verbündet weckte empathische Gefühle in mir. Gerade in einem Film mit horrorlastigem Anstrich brauche ich
jedoch auch Figuren, mit denen ich mitfiebern kann und die bleiben in "Housebound" leider aus.



Zudem will während dem Film keine wirkliche Horrorstimmung aufkommen. Gerade Genre-Fans werden hier wohl kaum einen Grusel verspüren, denn dafür ist die Atmosphäre zu selten wirklich bedrohlich und die Schocks sind rar und nicht wirkungsvoll getimed. Zudem fehlt ein bedrohlicher Gegenpart zu Kylie, vor dem der Zuschauer sich fürchten könnte. In Kombination mit den Comedy-Elementen lässt sich der Film ziemlich entspannt runtergucken, sodass man sich in den leider etwas zu langen 109 Minuten  eher amüsiert als gruselt. Das muss kein Negativpunkt sein - und ich sehe ihn schlussendlich auch nicht als solchen - jedoch werden Zuschauer, die hier einen Schocker erwarten enttäuscht.

"Housebound" unterhält. Und das ist für mich letzten Endes was zählt. Als Horrorfilm scheitert er, als schwarze Komödie mit Thriller-Elementen hingegen hat er mir gut gefallen. Der Mangel an Identifikationsfiguren und die zu lange Laufzeit sind jedoch zwei klare Minuspunkte, welche dem Film letztendlich einen etwas faden Beigeschmack zufügen. Jedoch weiß gerade die Geschichte zu überraschen, der Film spielt oft klug mit den Erwartungen und die komödiantischen Elemente wirken immer passend und ergänzen den Film um eine interessante Facette. Ich habe leider nicht die Genre-Überraschung bekommen, die ich mir erhofft hatte, jedoch einen unterhaltsamen Film gesehen, der das Attribut "sehenswert" durchaus verdient hat.

6,5/10

Montag, 8. Dezember 2014

Gesichtet Kompakt: Oculus


"The Prodoucer of Paranormal Activity and Insidious presents" prangt groß auf dem Kinoplakat des ersten Kinowerks von Regisseur Mike Flanagan. Kennt ihr nicht? Kein Wunder, hat er doch zuvor nur unterdurchschnittlich den Direct-to-DVD-Markt beliefert. Warum sein Film rund um einen mordenden Spiegel ("Mirrors" lässt grüßen) doch sehenswert ist, fasse ich kurz einmal für euch zusammen.

Das Geschwisterpärchen Tim (Brenton Thwaites) und Kaylie Russell (Karen Gillan) haben im Kindesalter ihre Eltern verloren. Doch die Umstände waren nicht ganz alltäglich. Ihr Vater quälte ihre Mutter zu Tode und sperrte sie bis zu ihrem Dahinscheiden in ein Zimmer im ersten Stock. Als er seine Schwester angreift, erschießt Tim seinen Erzeuger und wandert für einige Jahre in eine psychatrische Anstalt. Von Außen wirkt der Fall wie eine Familientragödie, aber Kaylie weiß mehr: Die Tode ihrer Eltern haben etwas mit dem gruseligen alten Spiegel zu tun, der passenderweise im Arbeitszimmer des Vaters hing.
Viele Jahre später wird Tim aus der Anstalt entlassen und von Kaylie eingesammelt. Das Wiedersehen verläuft kurz und schmerzlos, denn Kaylie hat den Spiegel wiedergefunden und nun nur noch ein Ziel: Er muss zerstört werden!

Dazu hat sie den alten Trümmer in ihr ehemaliges Elternhaus gebracht und dieses so präpariert, dass es eine einzige große Falle für das dämonische Möbelstück darstellt. Überall sind Kameras aufgestellt, Indikatoren für dämonische Präsenzen wurden in jedem Zimmer verteilt, um einen möglichen Spuk anzuzeigen und zu guter letzt installierte sie noch einen Selbstzerstörungsmechanismus, welcher den Spiegel automatisch zerstört, sollten die Geschwister während des Projektes dahinscheiden.
Die Dokumentation des Geschehens im Haus ist Kaylie besonders wichtig, um Zweiflern zu beweisen, dass der Spiegel das Böse beinhaltet. Nicht zuletzt ihrem Bruder, welcher durch jahrelange Therapien nun die öffentlich verbreitete Version seiner Familiengeschichte glaubt und die Version mit dem bösen Möbelstück für lächerlich hält. Doch wie es das Schicksal will, soll er bald eines besseren belehrt werden.



Müsste man Oculus nach seiner ersten Hälfte beurteilen, so wäre der Film wahrscheinlich ziemlich abgestraft worden, denn hier bekommt der geneigte Zuschauer viel zu viel Altbekanntes und müde Präsentiertes vorgesetzt. Die Vorgeschichte, die weitestgehend eine Zusammensetzung aus Ideen anderer Filme (Mirros, Shining, Insidious) ist, langweilt nicht zuletzt wegen billiger Jumpscares der Marke "Ich lasse mal mit lautem Geräusch jemanden ins Bild laufen". An diesen Stellen merkt man deutlich die Herkunft des Regisseurs, welcher diese Momente nicht nur extrem vorhersehbar inszeniert, sondern auch eher mittelmäßig bis schlecht timed.

Der Film springt immer wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her und zeigt uns die beiden Geschwister in der Gegenwart, welche den Spuk ein für alle mal beenden wollen und die Familie kurz nach dem Einzug, als der Spiegel anfängt Einfluss auf den Vater zu nehmen, was letztendlich in der Tragödie mündet.
Anfangs sind diese Zeitsprünge noch sehr klar voneinander getrennt, doch gerade in der zeiten Hälfte des Filmes verschwimmen immer öfter die Ebenen miteinander, was den Film deutlich aufwertet und einige nette Spielereien ermöglicht.
Mike Flanagan nimmt sich hier viel Zeit um die Hintergründe zu erklären und Charaktere einzuführen, sowie die Konflikte untereinander deutlich zu machen. Gerade in diesen Phasen wirken die oben schon erwähnten Jumpscares sehr deplatziert; fast schon so, als wurden sie nachträglich noch in das Drehbuch eingefügt. Doch das hatte der Film gar nicht nötig, denn gerade dieser ruhige Aufbau hätte der zweiten Hälfte, in der es dann darum geht sich dem Spiegel zu entledigen, während der sich mit aller Kraft wehrt gut getan.

So kämpft Oculus bis zur Filmmitte mit dem Abschalten, nur um dann plötzlich eine Kehrtwende zu machen und mit einigen tollen Szenen und Verwirrspielen zu glänzen und die Story passend zu inszenierten und mit einem Knall abzuschließen. Die Halluzinationen, mit denen das Möbelstück sich wehrt bringen die Teenager an den Rand der Verzweiflung und sind definitiv das grausige Highlight des Filmes (richtig fies, Stichwort: Glühbirne), welcher mit Blut sehr sparsam umgeht, dafür aber mit deformierten Fratzen nicht geizt, welche hin und wieder zwar leicht billig animiert aussehen, ihre Wirkung aber nicht verfehlen.


So rettet Hälfte Nummer zwei den Film aus der Mittelmäßigkeit und kann mit Tempo und Twists einige anerkennbare Akzente setzen. Die Schauspieler Thwaites und Gillan, welche den Film zu großen Teilen alleine tragen müssen, liefern einen guten Job ab. Gerade Gillan ist in ihren obsessiven Momenten wirklich großartig.
Was man dem Film noch ankreiden könnte ist, dass er gut 10 Minuten zu lang ist. Hin und wieder bemerkt man Längen in der Inszenierung und die ein oder andere Szene wirkt deplaziert, was dann doch zu kleinen aber bemerkbaren Abzügen in der Spannungskurve führt.

Oculus ist mal wieder kein ganz großer Wurf im Gruselkino und gerade die erste Hälfte wird viele Genre-Fans enttäuschen und langweilen. Doch am Ball bleiben lohnt sich, denn letztendlich wird man mit einigen tollen Einfällen und Szenen belohnt. Der Film ist weder kreativ, noch wirklich gruselig (zumindest wenn man mit dem Genre vertraut ist), schafft es aber durch interessante Momente und die ein oder andere fiese Stelle die Aufmerksamkeit des Betrachters bis zum Schluss für sich zu gewinnen. DEN einen großen Horrorfilm wird es 2014 wohl nicht mehr geben, und wer Hunger hat sollte es ruhig mal mit Oculus versuchen.

6/10


Sonntag, 7. Dezember 2014

Nerdy Wunschzettel


Bald ist wieder Weihnachten und ihr wisst einfach nicht, was ihr euren geliebten Nerds schenken könntet? Hier kommt die erste Fuhre meiner Geschenke-Tipps, über die sich jeder Games- und/oder Filmliebhaber freuen würde:

 Guillermo Del Toro - Cabinet of Curiosities


Guillermo Del Toro ist nicht nur der Regisseur von grandiosen Filmen wie Pans Labyrinth, Hellboy oder Pacific Rim, sondern auch einer von uns: Ein waschechter Film-Nerd. Jedoch begnügt er sich nicht damit Filme zu konsumieren und seine Wände mit DVDs und Blurays zu tapezieren, sondern kaufte sich gleich ein ganzes Anwesen, um seiner großen Liebe zu fröhnen. In diesem Buch nimmt er uns mit durch die wohl größte "Man Cave" der Welt, in der er mehere Hundert Filmrequisiten, Statuen, Gemälde, Spielzeuge, Bücher, und, und, und aufbewahrt. Dazu bekommen wir viele nette Annekdoten, sowie kleine Texte prominenter Gäste, die in den Genuss einer Führung durch sein Reich kamen. Doch das ist nur ein winzig kleiner Teil des Buches, denn wirklich interessant wird es erst, wenn Mr. Del Toro seine legendären Notiz-Bücher für uns öffnet, aus denen viele Seiten abgedruckt und kommentiert wurden. Diese Notizbücher umfassen ALLE kreativen Prozesse (Skizzen und Notizen) zu allen bis dato erschienen Filmen seiner Biographie. In zahlreichen Interviews erfahren wir viel über Dreharbeiten, kreative Sessions und die Arbeitsweise dieses Ausnahme-Regisseurs und bekommen nebenbei eine umfangreiche Dokumentation seiner Zeichen-Künste.
Für jeden Del Toro-Fan ein absoluter Pflichtkauf; für jeden Film-Fan eine wahnsinnig interessante Sammlung von Eindrücken in die Enstehung seines Lieblingsmediums vom wohl größten Film-Fan der Welt höchstpersönlich. Hochwertig gearbeitet und inhaltlich absolut beeindruckend! Ganz, ganz klare Empfehlung!


The Legend of Zelda - Hyrule Historia


Bei diesem Buch schlägt jedes Herz eines Nintendo-Fans gleich doppelt so schnell. Hyrule Historia ist ein kommentiertes Art-Book, welches zum 25ten Jubiläum der Reihe erschien und Concept Arts, sowie Skizzen und Charakterstudien zu allen bisher erschienenen Zelda-Teilen enthält. Wunderschöne Zeichnungen von Spielumgebungen und Figuren kommentiert von den Masterminds der Reihe höchstpersönlich, welche das ein oder andere Geheimnis lüften und uns Einblicke in die kreativen Entstehungsprozesse der Spiele geben. Auf hunderten von Seiten finden wir geschätzt an die Tausend Bilder, Zeichnungen und Skizzen. Außerdem enthält diese Zelda-Enzyklopädie noch einen ganz besonderen Leckerbissen: Eine ausführlich geschriebene Timeline der Zeldaspiele, die erstmals in der Geschichte der Reihe geschichtliche Bezüge zwischen den Spielen herstellt und sie chronologisch ordnet.
Ein tolles, wertiges Geschenk für jeden Nintendo- und Zelda-Fan. Perfekt zum faszinierten Schmökern für die kalte Jahreszeit!


Nintendo Wii U


Der Trend geht zur Zweitkonsole. Und die Wii U ist die perfekte Affäre, wenn es mit PS4 und Xbox One mal nicht läuft! Während man alle Thrid Party Titeln auf Microsofts und Sonys Rechenkisten findet, wird die Wii U eiskalt ignoriert und muss sich auf den Support von Nintendos hauseigenen Studios verlassen. Doch genau das macht sie als Zweitkonsole so perfekt! Denn diese Produktionen des japanischen Videospiel-Gigants gehören immer zu den besten der Konsolengeneration und rechtfertigen einen Konsolenkauf. Nachdem die Wii U starke Anlaufschwierigkeiten hatte, nimmt die Konsole nun Fahrt auf und verspricht im Hinblick auf die Zukunft ein kleines Videospiel-Paradies abseits des Third-Party-Gekloppes zwischen PS4 und Xbox zu werden. Mario Kart, Mario 3D Land, Super Smash Bros, Captain Toad, Bayonetta, Donkey Kong,... Die Liste an Must Haves wächst und diese erscheinen in einem Geldbeutel-freundlichen Rhythmus, sodass man die Wii U problemlos neben seiner Stammkonsole füttern kann. Ausflüge in die knallbunten und qualitativ herausragenden Spielewelten des Nintendo-Kosmos dürften für jeden Spieler eine wahre Freude sein und die Zukunft bringt wunderbaren Nachschub. Gerade 2015 dürfte die Konsole mit dem neuen Zelda einen absoluten Referenztitel bekommen und als Party-Konsole sucht sie mit Smash Bros und Mario Kart, sowie einem kommenden Mario Party eh schon ihresgleichen. Ich werde dieses Jahr ebenfalls zuschlagen und gerade an Weihnachten sind die Preise und Angebote wohl am besten. Zweitkonsole: Nintendos Wii U!


Netflix-Abonement


Warum nur die Familien-Mitglieder beschenken, wenn man doch direkt selbst davon profiieren kann?! Ein Netflix-Abo ist eine tolle Geschenkidee für kalte Winterabende. In meinem Test (http://a-nerds-mind.blogspot.de/2014/09/review-netflix-was-kann-amerikas-nummer.html) habe ich die Streaming-Plattform ja schonmal unter die Lupe genommen und dem Angebot an Serien und Filmen kann man beinahe täglich beim Wachsen zusehen. Egal ob auf Computer, Konsole oder Smartphone und Tablet: Netflix ist überall verfügbar und abrufbar und mausert sich immer mehr zum potentiellen Marktführer. Für gemütliche Familienabende, Zweisamkeit oder das einsame Serien-Schauen eine tolle Plattform, die vor allem durch ein nie dagewesenes Serien-Angebot heraussticht.


SciFiNow-Abonnement


SciFiNow ist eine der größten Film-Zeitschriften der Welt, die sich vor allem mit Fantasy-, Science-Fiction- und Horror-Filmen beschäftigt und jeden Monat aufs neue mit umfangreichen Artikeln, Reportagen und Reviews begeistern kann. Die Schreiberlinge dieses Magazines sind allesamt mit Herzblut dabei und liefern hochqualitativen Content, der öfter auch mal ins Detail geht und im Bereich des Informationsgehalts die Konkurrenz schnell hinter sich lässt. Diese Zeitschrift ist jeden Monat aufs neue eine kleine Bibel, aus der man genug Material ziehen kann, um den Rest des Monats mit interessanten Serien und Filmen beschäftigt zu sein. Wem das nicht genug ist, dem sei gesagt, dass regelmäßig Sonderausgaben erscheinen, die sich mit spezifischen Themengebieten (z.B. Zombies, den Hammer-Filmen, etc) befassen. Zusätzlich zum Print-Magazin kann man die Zeitschrift auch auf dem iPad abbonieren und erhält so problemfrei jede Ausgabe pünktlich zum Erscheinungs-Termin. Jeder Film-Fan, der des Englischen mächtig ist, sollte der Empfehlung nachgehen und zumindest mal einen Blick riskieren!

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Montag, 27. Oktober 2014

Gesichtet kompakt: Annabelle


Was tun, wenn das Geschenk an die eigene Frau plötzlich versucht selbige und das gesamte Umfeld umzubringen? Im Horrorstreifen "Annabelle" muss sich John (Ward Horton) genau diese Frage stellen, denn die Puppe, mit der er Gattin Mia (Annabelle (ja, wirklich!) Wallis) überraschen wollte, entwickelt ein furchteinflößendes Eigenleben. 

Die Puppe dürfte dem geneigten Horrorfan bekannt vorkommen, wurde doch ihre Geschichte zu Beginn von James Wans großartigem "The Conjuring" grob angeschnitten und sorgte für einige der unangenehmsten Szenen des Filmes. Grund genug um dem verstörend aussehenden Kinderspielzeug einen eigenen Filmableger zu schenken und dem recht unbekannten Regisseur John R. Leonetti die Möglichkeit zu geben sich abseits des Direct-to-DVD-Sortiments mal auf der großen Leinwand vor internationalem Publikum auszutoben.

Doch dies hätte man wohl lieber jemand anderes, wenn nicht sogar Wan persönlich überlassen sollen. "Annabelle" ist ein Horrorfilm, der sich von Klischee zu Klischee hangelt und kaum Schauwerte bietet, sofern man nicht schon den ein oder anderen Horrorfilm im Leben gesehen hat. Dämonen, besessene Priester, nichts nützende Umzüge in neue, hoffentlich geisterfreie Umgebungen. All das wurde schon X Mal abgehandelt und der Film gewinnt fast keiner seiner Thematiken oder Szenen neue Facetten ab. Lediglich in einer Szene, in der Mia von unbekannten Mächten im Aufzug schikaniert wird deutet eindrucksvoll an wohin der Film hätte gehen können, wenn sich ihm ein erfahrener Kopf angenommen hätte und man weniger auf uralte Muster gesetzt hätte.


Was die Atmosphäre angeht ist der Film sehr solide, Grusel kommt ein ums andere Mal auf und Jumpscare-Fans werden zu genüge bedient. Mich enttäuschte der Einsatz dieser längst überholten Schockmethoden und ich hätte mir mehr subtile Momente der Marke Conjuring gewünscht.

Die Schauspieler machen ihren Job solide, sofern das Drehbuch sie nicht ein ums andere Mal haarsträubend dämlich agieren lässt (wer sich die seltsame Puppe freiwillig ein ZWEITES Mal in das Kinderzimmer stellt, dem ist nicht zu helfen...), können aber das viel zu abrupte und schlecht aufgelöste Finale des Filmes nicht retten, welches "Annabelle" letztendlich leider einen negativeren Beigeschmack anhaften lässt, als der Mittelteil des Filmes es verdient hätte.

Somit ist der Film leider nur ein durchschnittlicher Fließbandschocker, der seine Momente besitzt, aber mögliche Trümpfe weder auspielt und andeutet. Für den Grusel-Snack zwischendurch noch bedingt zu empfehlen ist es ansonsten ein Film, den sich kein Genre-Fan antun muss. Wer die - zugegebenermaßen - verdammt gruselige Puppe in Aktion sehen will, der sollte lieber noch einmal "The Conjuring" einlegen. Denn dort bekommt sie einen Auftritt, der ihr würdig ist.

5/10

Donnerstag, 18. September 2014

Gesichtet: Sin City - A Dame To Kill For


Wer hätte gedacht, dass wir den zweiten Teil von Sin City jemals erblicken werden? Sieben lange Jahre hat das Duo Rodriguez und Miller gebraucht, um die Fortsetzung des damaligen Noir-Hits in die Kinosäle zu bringen. Eine von Problemen geplagte Entstehungsgeschichte darf doch mit einem Happy End abgehakt werden. Die Fans freut es, doch die amerikanische Presse reagierte verhalten und der Film spielte nach Start nicht die gehofften Summen ein. Seit heute dürfen auch deutsche Sin City-Fans einen weiteren Trip in die sündige Metropole unternehmen, um herauszufinden, ob das warten sich auch gelohnt hat.

Machen wir es kurz und schmerzlos: Wer sich Sin City im Kino anguckt, den erwartet mehr vom selben. Wieder einmal ist der Film episodenhaft erzählt und fügt sich erst gegen Ende zu einem logisch zusammenhängenden Konstrukt zusammen, welches auch Handlungsstränge aus dem ersten Teil aufnimmt und zu einem befriedigenden Ende führt. Bei unserem zweiten Besuch in der sündigen Stadt treffen wir auf viele Bekannte aus dem Vorgänger, sowie neue Figuren, die uns in der für den Film typischen Erzählweise, die fast gänzlich aus Monologen besteht, ihre Leidenswege schildern. Denn eins hat sich in Basin City schonmal nicht geändert: Jeder schleppt sein persönliches Laster mit sich herum. Niemand ist unschuldig.

Um die einzelnen Geschichten und das spätere Verweben dieser nicht großartig vorweg zu nehmen (denn aus diesen ergeben sich letztendlich die Plottwists und Überraschungen), werde ich die Episoden nur kurz anschneiden:

Zum einen haben wir da den glattgeleckten Schlönling Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der das Glück für sich gepachtet hat wie kein anderer und dieses hemmungslos für diverse Glücksspiele ausnutzt, um jede Nacht aufs Neue das große Geld zu scheffeln. Doch an diesem Abend soll er an die falschen Spielgefährten geraten.
Desweiteren begleiten wir Dwight McCarthy (Josh Brolin), der sich als Paparazzo verdingt und von seiner Vergangenheit geplagt wird, in der die Liebe seines Lebens Ava Lord (Eva Green) seinen Lebensmittelpunkt bildete. Doch das ist Vergangenheit, denn sie heiratete einen anderen Mann und überließ Dwight dem Alkohol und seiner Einsamkeit. Doch ausgerechnet an diesem schicksalhaften Abend sucht sie ihn wieder auf, um um Vergebung zu bitten.
Und dann hätten wir da noch zu guter Letzt Nancy Callahan (Jessica Alba), die immer noch als Akteurin in einer Tabledance-Bar arbeitet und von Rachegelüsten und Schuldgefühlen geplagt wird, nachdem im ersten Film ihr Geliebter John Hartigan (Bruce Willis) von dem Senator der Stadt (Powers Booth) ermordet wurde.
Seitdem trainiert sie jeden Tag den Umgang mit ihrem Revolver, um sich eines Tages zu rächen. Und die heutige Nacht scheint perfekt.


Allein im vorangegangen Absatz findet sich ein Cast zusammen, von dem viele Regisseure nur träumen können, doch wie das für Robert Rodriguez typisch ist, ist auch Sin City - A Dame To Kill For hochkarätig bis in die Nebenrollen besetzt. Neben Wiederkehrern wie Marv (Mickey Rourke), Gail (Rosario Dawson) oder Miho (Jamie Chung) finden sich auch Neuzugänge wie Ray Liotta oder Dennis Haysbert ein und sogar Lady Gaga bekommt ihren kleinen, sympathischen Auftritt.
Es ist eine wahre Freude all diesen Größen beim Schauspielern zuzusehen, denn wie schon im ersten Teil sieht man allen den Spaß am Projekt an und niemand gibt hier eine halbgare Leistung ab. Die Besetzung überzeugt bis in die kleinste Nebenrolle. Schon allein deshalb ist ein Kinobesuch gerechtfertigt.

Desweiteren steckt auch im Rest des Filmes noch viel Sin City drin. Das fängt beim Stil an, der immer noch in schwarz-weiß gehalten ist und nur vereinzelte Elemente durch Farbe in den Fokus rückt. Auch nach sieben Jahren wirkt das immer noch frisch, da es in der Zwischenzeit nichts Vergleichbares gab. Es ist ein zeitloser, sehr ästhetischer Stil, selbst wenn die roten Blutfontänen die Leinwand überfluten. Man könnte sich jeden Frame des Filmes eingerahmt an die Wand hängen und es wäre ein stylischer Blickfang. Dies hat auch viel mit der Kamera zu tun, die das Geschehen immer fest im Blick hat und immer ruhig auf den Szenen liegt. Selbst die Kampfszenen sind immer mit klarer Perspektive gefilmt und überraschen hier und da lediglich durch kreative Winkel und Aufnahmen.
Die Erzählweise ist - wie schon erwähnt - die gewohnt Monolog-Form aus dem Off. Der handelnde Charakter erzählt dem Zuschauer die Geschichte, gibt Einblicke in Vergangenheit und Gefühlswelt. Dies unterstreicht den Noir-Stil des Filmes und macht ihn zu einem Fest für Leute, die gerne mit Filmzitaten um sich schmeißen. Wie im Erstling werden sie auch hier wieder problemlos fündig werden.
Im Allgemeinen gibt es sowohl vom Text, als auch von der Handlung her wieder viele Szenen, die mir nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden und das Prädikat "besonders" mehr als verdienen, ebenso wie der mal wieder melodramatisch ausfallende Soundtrack. Das Problem des Filmes ist also nicht die Inszenierung und definitiv auch keine Identitätslosigkeit, sondern es ist das Erbe, das er antreten muss gepaart mit einer Geschichte, die letztendlich nichts Besonderes zu erzählen weiß.



Ja, es ist schon ein wenig schade. Da arbeiten Miller und Rodriguez sieben Jahre an diesem Film, von denen die meiste Zeit wohl das Drehbuch geschluckt haben dürfte und dann enttäuscht die Handlung die zugegebenermaßen etwas höher angesetzten Erwartungen. Nicht falsch verstehen: Während des Filmes machr die Geschichte durchaus Spaß und vieles richtig, aber die Wow-Momente bleiben dann - wenn man das Inszenatorische beiseite lässt - doch aus. Szenen wie Bruce Willis Tod, Elijah Woods Geheimnis gebunden mit seinem Ableben oder Marvs blutiger Kreuzzug, die den ersten Teil zu einem Hochgenuss auf Handlungsbasis gemacht haben, suchen hier vergeblich ihresgleichen. Die Handlungsstränge aus Sin City, die hier aufgegriffen werden werden zu einem Ende geführt, mit dem garantiert jeder Fan gut leben kann, das Problem ist der Weg dahin, der einfach zu wenig Überraschungen bietet und stellenweise sicherlich sogar eine Spur vorhersehbar erscheint. Auf der Handlungsebene knallt es zu selten, auf der Inszenatorischen hingegen laut und häufig. Stellenweise wirkt der Film wie Fanservice, den man den Anhängern unbedingt vorsetzen wollt, auch wenn man lange Zeit nicht wusste wie und nun mit einer Notlösung die Kinosäle entert.
Das klingt alles dramatischer, als es ist. Während des Filmes hat man Spaß. Erst wenn der Abspann über die Leinwand rollt, bemerkt man, dass irgendwo klammheimlich die Enttäuschung auf höherem Niveau sitzt und der Hunger nicht ganz so befriedigt wurde wie damals, als der erste Teil sich dem Ende hin neigte.

Dies mag sicherlich den ein oder anderen Fan mehr enttäuschen als mich, doch selbst wenn der Film auf persönlicher Ebene völlig versagen sollte, muss man den Hauptdarstellern einfach Tribut zollen. Eva Green als Femme Fatale ist einfach unwiderstehlich gut. Und das, obwohl ich sie definitiv zuvor nicht in dieser Rolle gesehen habe, da sie - und da werde ich höchstwahrscheinlich Kontra kriegen - mich optisch nicht wirklich anspricht. Aber was sie durch Blicke und Bewegungen an Ausstrahlung aus sich herausholt wirkt definitiv elektrisierend und bannt den Blick nach vorne. Und das schafft sie auch in den wenigen Szenen, in denen sie sich nicht splitterfasernackt durch Betten und Whirlpools räkelt. Ihr Zusammenspiel mit Ex-Lover Josh Brolin ist einfach zum Zunge schnalzen nicht zuletzt, weil auch Brolin Herausragendes leistet und den wütenden, mit sich selbst ringenden Ex-Kriminellen perfekt miemt.
Und das sind nur zwei der brillierenden Rollen. Auf weitere möchte ich jetzt nicht eingehen, denn das würde den Rahmen sprengen, aber besonders geachtet sollte noch auf Rourke, Alba und Liotta werden. Großes Kino!

Und natürlich bleibt Sin City auch seinen anderen Trademarks treu: Gewalt, Alkohol, nackte Haut. Es gibt kaum eine Szene in der nicht mindestens eines dieser Elemente im visuellen Fokus liegt. Gerne werden sie sogar alle zusammen kombiniert. Aber genau das macht auch die Härte, die Dunkelheit und die Hoffnungslosigkeit der Stadt aus und schlägt sich auf die Atmosphäre nieder, die die Fans so sehr an ihr schätzen. Zartbesaitete Naturen werden hier wohl wieder Grenzerlebnisse haben und Feministinnen sollten um den Film sowieso einmal mehr einen gewaltigen Bogen machen, um der Schnappatmung vorzubeugen.
Auch der zweite Film atmet den Geist von Frank Miller wieder mit allen Poren und das bedeutet nunmal scharzen Humor, Gewaltexzesse und den Mangel von Kleidungsstücken gepaart mit überdurchschnittlichem Alkoholkonsum, abenteuerlichen Geschehnissen jenseits des Realismus und nicht zuletzt: ein gewisses Schubladendenken, was das weibliche Geschlecht anbelangt, auch wenn hier diesmal die Damen Alba und Green eindeutig die Hosen anhaben und Gegenentwürfe bilden. 


A Dame To Kill For ist letztendlich eine Fortsetzung die durchaus Berechtigungsdasein hat, auch wenn sie dem Vorgänger ganz klar unterliegt. Am Stil jedoch kann man sich nicht satt sehen und auch das 3D, welches man beim Kinogang wählen kann lohnt sich durchaus, denn so bekommt der Look noch ein paar comicbuch-artige Papierebenen, die zusammen mit einer angenehmen Tiefe in den Bildern durchaus einige Szenen bereichert. Für eine absolute Empfehlung ist der Film jedoch zu ruhig, sodass man die Dreidimensionalität eher als subtile Ergänzung, anstatt eines dynamischen Erlebnisses beschreiben muss.
Klar ist: Dieser Film wurde für Fans gemacht. Wer den Erstling nicht gesehen hat, der braucht sich gar nicht ins Kino zu bewegen, denn so bleiben viele Handlungsebenen verschlossen. Kenner und Genießer werden jedoch - wie ich - ihren Spaß haben, auch wenn die endgültige Befriedigung wohl für die allermeisten ausbleiben wird. Was im Gedächtnis bleibt sind hingegen tolle Bilder, Szenen, Zitate und Akteure und da hat der Nachfolger schonmal den Großteil der Dinge, die Sin City ausmachen auf der "Haben"-Seite.

7/10

Donnerstag, 1. Mai 2014

Gesichtet: Mud - Kein Ausweg


Jeff Nicols ist ein noch unbeschriebenes Blatt im Mainstream-Kino. Der 36-jährige Amerikaner zählt zu den jüngeren Regisseuren im Business und seine Filmographie enthält dementsprechend nur eine Hand voll Werke. Jedoch hat er ein kleines Kunststück vollbracht, welches nur wenigen Filmemachern in ihren frühen Phasen gelingt: Er hat sich bisher noch keinen Fehlgriff geleistet. Redet man über ihn, so liegt zumindest mir das Wort "Geheimtipp" immer auf den Lippen, denn seine drei bisher veröffentlichten Arbeiten zählen zu den Filmen, die ich bedingungslos weiterempfehlen könnte. Einen von diesen Dreien habe ich soeben erst beendet. "Mud" heißt er und unterscheidet sich sehr von dem, was man von Nicols bisher sehen konnte. Dass er auch Dramen drehen kann, spricht sehr für ihn. Und sehr viel spricht auch für "Mud". 

Ich muss zugeben, dass ich bis vor ein paar Tagen nichts von Mud wusste, geschweige denn, dass es einen neuen Film von Jeff Nicols gibt. Schon 2012 abgedreht hat er jetzt erst den Weg nach Europa gefunden, obwohl die Besetzung und der Produktionsrahmen keinen kleinen Film vermuten lassen. Gerade weil Nicols letztes Werk "Take Shelter" in den deutschen Kinos lief, wunderte es mich doch warum es dieser Film nicht doch zeitnah zum Amerikastart zumindest in die Videotheken geschafft hat. Wahrscheinlich lassen sich Psychothriller einfach leichter vermarkten als Coming of Age-Dramen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Film nun auf Grund von Matthew McConaugheys Oscar-Gewinn von den Studios in Europa vermarktet werden wollte, um aus dem Trubel um den jüngst so erfolgreichen Schauspieler einen möglichst großen Profit zu ziehen. Jedoch hat Mud es gar nicht verdient im Schatten eines größeren Filmes unter das Volk gejubelt zu werden, auch wenn er als kleinerer Film natürlich nicht mit der Relevanz eines "Dallas Buyers Club" Schritt halten kann.

McConaughey ist jedoch keineswegs die Hauptfigur des Filmes, was die Plakate suggerieren. "Mud" erzählt die Geschichte der beiden Teenager Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland), die als beste Freunde zusammen am Mississippi aufwachsen, jedoch ist die Geschichte wesentlich näher an Ellis, als an Neckbone erzählt. Der 14-jährige lebt mit seinen Eltern in einem Hausboot an einer ruhigen Stelle des Flusses. Die Familie ist alles andere als wohlhabend, aber das scheinen die Leute in der Gegend wohl alle zu sein. Ellis Leben ist geprägt von tagtäglichen kleinen Abendteuern in der Natur, der Arbeit mit seinem Vater und dem ersten Interesse an dem anderen Geschlecht bis zu dem Tag, an dem er mit Neckbone auf einer verlassenen Insel ein Boot entdeckt, welches von einem Sturm in die Krone eines Baumes geschleudert wurde. Während sie die Innenräume des Bootes erkunden bemerken sie, dass dieses scheinbar bewohnt ist, denn dort versteckt sich der scheinbar obachlose Mud (Matthew McConaughey). Ellis ist sofort angetan von dem interessanten, offenen, wortgewandten Mann in den dreckigen Klamotten. Schon im ersten Gespräch stellt sich raus, dass Mud auf der Flucht ist. Er ist ein Mörder und wird von der Polizei und einer Kopfgeldjägerbande gesucht. Den Mord beging er um seine große Liebe Juniper (Reese Whiterspoon), was den beiden Jugendlichen sehr imponiert. Sie beschließen Mud zu helfen das gestrandete Boot zu reparieren und somit Mud und Juniper eine Möglichkeit zu geben zu fliehen. Doch die Verfolger nehmen schon bald Muds Spur auf.


Was sich wie ein Thriller liest ist eigentlich ein schöner, ruhiger Coming of Age-Film über eine ungewöhnliche Freundschaft und das Erwachsen werden. Ellis findet in Mud einen Freund, der ihn das Scheitern der Ehe seiner Eltern und die ständigen Geldprobleme vergessen lässt. Das Ziel das Boot für Mud seetauglich zu machen scheint den beiden Jungs aus einfachen Verhältnissen eine Reifeprüfung und ein Abenteuer zugleich zu sein. Sie besorgen für Mud Lebensmitte, aber auch Ersatzteile für das Boot. Muds Situation und seine Liebesgeschichte inspirieren sie dazu selbst mutiger zu werden, sich gegen Probleme zu wehren und der ersten Liebe nachzulaufen anstatt sie nur von Weitem zu betrachten. Wir sehen hier das große Abenteuer zweier Jungs, die den Anfang ihrer Pubertät durchleben mit allen Problemen und Veränderungen, mit Erfolgen und Enttäuschungen.

Mud hingegen bietet den Kontrast. Von ihm geht das Ungewisse, womöglich auch Gefährliche aus. Er wird von Allen, die ihn kennen als chronischer Lügner bezeichnet, als schwerer Mensch.  Auf die Jungs und auch auf den Zuschauer wirkt er hingegen komplett anders, was seine Person angenehm undurchschaubar macht und auch innerhalb des Filmes für den ein oder anderen Twist sorgt. Jedoch sollte man von Mud keine Action oder temporeiche Spannung erwarten. Letztere wird durch die Beziehungen zueinander geschaffen, ebenso wie durch den undurchdringlichen Namensgeber des Filmes. Er ist ein charmanter Kerl, dessen Aussehen konträr seinem Intellekt und seiner Gutmütigkeit steht. Jemand den man einfach nie ganz durchschaut und daher ein interessanter Freund für die beiden jungen Hauptdarsteller.

Der heimliche Star des Filmes ist der Mississippi und seine dichten, urigen Wälder, in denen der Film zum Großteil spielt. Wenn Ellis mit seinem Boot über den Fluss schippert, dann gibt es nichts außer ihm und den umliegenden Sümpfen. Die Natur wirkt ebenso unberechenbar wie Mud selber. Gegenpol dazu sind die eher einfachen Städtchen und Behausungen, in denen die Menschen wohnen. Durch die langsamen Schnitte des Filmes und die großzügigen Kameraschwenks kommen die Locations toll zur Geltung uns lassen eine tolle, leicht hitzige Sommeratmosphäre entstehen, in der man die schwule Luft und die Brise auf dem Fluss fast schon spüren kann.


Ein großes Lob muss man auch an die Besetzung aussprechen, denn der Film ist bis in die kleinste Rolle toll und passend gefüllt. Das fängt natürlich bei den beiden Jungs an. Die bis dato eher unbeschriebenen Sheridan und Lofland spielen die beiden wahnsinnig routiniert und emotionsgeladen zwischen Kind und jungen Erwachsenen. Die Dynamik zwischen den beiden stimmt einfach und wird ergänzt von einem großartigen McConaughey, dem die Rolle sichtlich am Herzen lag und der den heruntergekommenen Flüchtligen nicht nur spielt, sondenr regelrecht lebt. Dies ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass wir von diesem Mann als Schauspieler in Zukunft spektakuläres zu erwarten haben, nun da er dort engelangt ist, wo er hingehört: Bei den anspruchsvollen Charakterrollen.
Auch die Nebenrollen nehmen ihren Job ernst. Endlich konnte man wieder mal eine Reese Witherspoon in einer ansprechenden Rolle sehen, nachdem sie sich in letzter Zeit eher rar gemacht hatte. Tom Shepard gibt einen herrliche fiesen Bösewicht, der sich jedoch angenehm im Hintergrund hält und den Fokus auf der Beziehung zwischen Mud und den Jungs lässt, anstatt den Film in Richtung "Mud gegen Kopfgeldjäger" zu drehen. Der Film benötigt definitiv diesen Nebenstrang, um gelegentlich Tempo aufnehmen zu können, die Balance zwischen beiden Seiten wurde absolut gefunden.
Farblos hingegen blieb Michael Shannon in der Rolle von Neckbones Onkel, welcher nach seiner spektakulären Performance in Take Shelter hier eher nochmal als besonderer Gast zu sehen ist. Jedoch hätte man ihn nicht für eine solch unbedeutende Rolle verheizen sollen.

"Mud" ist ein runder Film geworden. Auf dem toll gefilmten Mississippi und dessen Umlanden wird die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft gezeichnet, der immer etwas unberechenbares und daher interessantes zu Grunde liegt. Die Schauspieler machen aus der grundsoliden Geschichte ein tolles Erlebnis. Der Film pendelt zwischen Feel-Good-Movie und Drama mit Herz. Eine angenehme Mischung, die den Zuschauer kombiniert mit der einnehmenden Atmosphäre der Lokationen im Bann hält. Der Film hat ein angenehmes Tempo, wird nie hektisch, aber auch nur selten langweilig, was bei einer Spieldauer von 130 Minuten genrebedingt wohl nicht ausbleibt. Jedem Fan von herzerwärmenden Filmen sei dieses Machwerk ans Herz gelegt. McConaughey Fans, sowie Sympathisanten ansprechenden Schauspiels sowieso.
Jeff Nicols hat es auch hier wieder geschafft einen guten, sehr sehenswerten Film abzuliefern und man kann gespannt sein, was in Zukunft noch von ihm gedreht wird.

7/10


Freitag, 25. April 2014

Selbstgespräche: Nach einer Folge True Detective




Es ist ein Trend, der sich schon über viele Jahre entwickelt und langsam zur Normalität wird. Der Schritt weg vom abendlichen Film oder einer Fernsehsendung hin zum Verfolgen einer Serie scheint für immer mehr Menschen der attraktivere zu sein. Gründe dafür dürften neben der kürzeren Spielzeit einer Folge, auch die immer höhere Qualität der Produktionen sein, die einem Kinofilm kaum noch nachstehen. Studios oder Fernsehsender wie AMC, HBO und BBC drehen eine Serie nach der anderen ab und brechen damit reihenweise Zuschauerrekorde, was der Serverzusammenbruch beim Start der vierten "Game of Thrones"-Staffel eindrucksvoll unterstrich. Serien scheinen DAS neue Unterhaltungsmedium zu sein und die neue HBO-Produktion "True Detective" hat das Zeug sich in die Riege der größten von ihnen einzureihen.

Die Serie warf ihren Schatten weit voraus. Getragen von dem Star-Duo Woody Harrelson (Natural Born Killers; Zombieland) und Matthew McConaughey (Dallas Buyers Club; Der Mandant) wird der Serie schnell Hit-Potential vorausgesagt, wobei das Konzept noch relativ unverbraucht ist: Jede Staffel wird eine in sich abgeschlossene Handlung erzählen. Die Besetzungen werden sich von Season zu Season unterscheiden. Diese Fortsetzungsform hatte man bisher nur in der amerikanischen Horror-Serie American Horror Story umgesetzt. Das Konzept soll die Serie frisch halten und nebenbei auch anderen hochkarätigen Schauspielstars die Möglichkeit geben in künfigen Staffeln Hauptrollen einzunehmen.

Als Serienfan und Sympathisant der beiden Protagonisten war auch ich natürlich gespannt auf den Start der ersten großen Serie im gar nicht mehr so frischen neuen Jahr. Nun ist soeben der Abspann der ersten Folge über den Bildschirm geflimmert und meine Gefühle positionieren sich irgendwo zwischen "Befriedigt" und "Unbefriedigt". Doch beginnen wir am Anfang (leichte Spoiler zur Folge inbegriffen):

Nach einem toll bebilderten und musikalisch passend unterlegtem Vorspann, spuckt die Serie den Zuschauer direkt mitten rein. Ein gewohnt glatzköpfiger Woody Harrelson und ein völlig verkommener McConaughey werden zu einem Fall interviewt, den sie vor gut 17 Jahren einmal lösten. Wir machen einen Zeitsprung und sehen die beiden vor knapp zwei Dekaden, wie sie eben diesen Fall antreten.
Die Serie spielt im Hinterland von Louisiana, wo die Leute - wie McConaugheys Charakter Detective Rustin Cohle so treffend sagt -  fernab von jeder Zivilisation "wie auf dem Mond" leben. Verwahrloste Holzhütten und Wohnwagen wechseln sich mit horizontfüllenden Kornfeldern ab. Und in einem von diesen Feldern geschah der Mord, zu dessen Tatort die beiden Detectives gerufen werden. Alles deutet auf einen Ritualmord hin. Das Opfer ist nackt, mit runenartigen Symbolen bemalt und trägt ein Hirschgeweih als Krone.
Immer wieder springt die Folge in den Zeitebenen. Mal sieht man die Charaktere ermitteln, dann wiederum erzählen sie 17 Jahre später vor der Kamera ihre Einschätzungen und Taten. Was anfangs ein wenig verwirrt, hat nach gut einer halben Stunde schnell seinen Reiz gefunden, da man sieht, wie die Charaktere sich entwickelt haben und die Gründe dafür den Wissensdurst anregen.

Dabei ziehen vor allem die beiden Hauptfiguren direkt in ihren Bann. Der von Harrelson gespielte Detective Martin Hart kennt Louisiana wie seine Westentasche, ist gläubiger Christ und Familienvater. Er ist ein gewissenhafter Cop, die Art die eher aus dem Bauch entscheidet, als den großen Denker raushängen lässt. Das blonde Haar sitzt ebenso wie seine Uniform.
McConaugheys Cohle ist da ein ganz anderes Kaliber. Ein Pessimist, ein Gottloser. Ein Mensch der auf einem Drahtseil balanciert und immer droht abzurutschen und die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.
Den Mensch sieht er als Fehler der Natur, seine eigene Existenz ist etwas, das er nur schwer akzeptieren kann. Seine Tochter starb, seine Ehe zerbrach und er flüchtete sich in den Alkohol. Er ist der erfolgreiche Ermittler, der die Fälle mit Wissen und Verstand löst und vor sieben Monaten nach Louisiana versetzt wurde, um das Department dort scheinbar auszuwerten.
Das Aufeinandertreffen dieser beiden Menschen ist äußerst interessant und birgt Potential für viele Konflikte auf verschiedenen Ebenen, wie sie auch schon in der ersten Folge angedeutet werden. Es gibt ein herrliches Gespräch im Auto, in dem Hart Cohle fragt, ob er denn gläubig sei. Das daraufhin entstehende Wortduell ist ein echtes Highlight und zeigt, dass hier absolute Meister am Drehbuch saßen. Man darf wirklich gespannt sein, wie sich die Beziehung der beiden noch entwickeln wird. Und das ist auch schon der erste kleine Kritikpunkt an der ersten Folge: Die Charaktere sind interessanter als der bis dato dargestellte Plot. Trotz skurrilem Szenario fehlt das Interesse an dem Ritualmord zumindest bei mir. Die damit verbundenen Ermittlungen der ersten Episode geben uns interessante Einblicke in die Psyche der beiden Protagonisten, bieten aber nicht genug Andeutungen, um den Zuschauer auch für den Fall an sich zu begeistern.

Martin Hart (Woody Harrelson) und Rustin Cohle (Matthew McConaughey)
Wie schon angesprochen reißen aber die Charaktere die Aufmerksamkeit an sich und gaben mir das Gefühl, dass man hier in den nächsten Episoden noch großes erwarten kann. Schon allein wie aus Rustin Cohle, den wir oben auf dem Bild noch als gepflegten, adrett gekleideten Ermittler sehen 17 Jahre später ein verkommener rückfälliger Alkoholiker mit langen ungepflegten Haaren und Bikerschnurrbart wurde, interessiert mich brennend. Und wenn man die Charakterzeichnung sieht, mache ich mir absolut keine Sorgen, dass der Plot nicht in Fahrt kommen könnte. Da scheinen Leute am Drehbuch gesessen zu haben, die ihr Fach absolut verstehen und die Fähigkeiten besitzen dem Zuschauer in den kommenden Episoden die ein oder andere fiese Wendung an den Kopf zu werfen.

Was mir extrem gut gefiel, war die Inszenierung. Hier ist nichts reißerisch, schnell geschnitten oder forciert auf Action getrimmt. Die Serie wirkt ruhig erzählt, behäbig und zieht ihre Spannung aus den Dialogen und Andeutungen. Die Landschaftsaufnahmen des hinterwäldlerischen Louisianas wecken Interesse am kaum verbrauchten Szenario. Die heruntergekommenen Hütten, Bars und Häuser bieten perfekte Locations für erschütternde Szenen und Dramatik und die Bewohner dieser scheinen ebenso gottesfürchtig wie sozial isoliert. Es gab kaum eine Serie, die mir allein durch ihre Umwelt so viel Interesse entlockte.

Und dennoch bin ich durch den bisher uninteressanten Fall, der hier dem Plot unterliegt nicht vollends befriedigt. Ich hoffe, dass schon in Folge 2 die entscheidenden Karten ausgespielt werden, um mich auch auf dieser Ebene zu locken. Szenario, Machart und vor allem die Charaktere machen Lust auf mehr und kreieren Vorfreude auf kommende Episoden. True Detective entscheidet sich hier nicht für den Brachialstart wie zum Beispiel ein Breaking Bad es tat, in dem Walther White wie ein Wahnsinniger nur in Unterhose und mit Pistole den Wohnwagen durch die Prärie prescht, sondern beginnt seine Geschichte mit Charakterzeichnung. Dies ist erfrischend und wird der Serie sicher gut tun, weil man nun mit dem Gefühl die Hauptfiguren zu kennen der nächsten Folge entgegenschreitet. Ich bin gespannt, ob man sich traut diese Tempo auch für den Rest der Staffel beizubehalten. Ich würde es mir fast wünschen.

True Detective hat mich noch nicht vollständig ergriffen, aber bei all dem Potential und der Sorgfalt die in Szenario und Chataktere gesteckt wurde, ist es nun noch eine Frage der Zeit.

J.

Donnerstag, 24. April 2014

Gesichtet: Static - Bewegungslos

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Das traute Eigenheim ist im Horrorgenre längst kein sicherer Ort mehr. Man wird von Geistern heimgesucht, von Monstern geplagt oder unbekannten Eindringlingen belästigt. Letzteres passiert den Hauptfiguren in “Static - Bewegungslos”, dem Regiedebut von Todd Levin. Somit ist der Film wieder einmal ein Beitrag zum “Home Invasion”-Genre, welches sich in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit erfreut. Ein Regiedebut, welches den Weg ohne Kinovergangenheit oder großen Namen im Regiestuhl in die Videotheken findet. Kann das überhaupt was werden? 

Die Geschichte des Films habe ich eigentlich schon fast komplett in der Einleitung beschrieben. Jonathan (Milo Ventimiglia) und Addie (Sarah Shahi) leben leicht abgeschieden im gemeinsamen Haus irgendwo im Hinterland eines US-Bundesstaates. Vor nicht allzu langer Zeit verloren sie auf dramatische Art und Weise ihren kleinen Sohn bei einem Unfall, weswegen beide mit Schuldgefühlen zu kämpfen haben, die sie gerne einmal aneinander auslassen. Jonathan ist ein Autor und legt beim Feinschliff seines neusten Werkes eine Nachtschicht ein, als plötzlich jemand an der Tür klingelt. Draußen findet er die völlig verängstigte Rachel (Sara Paxton) vor, die auf der Flucht vor unbekannten Männern mit Gasmasken ist, die ihr Auto aus dem Nichts attackierten. Addie und Jonathan geben ihr eine Zuflucht für die Nacht. Doch die Verfolger sind nicht ganz unwissend über Rachels Versteck. Und wer ist diese Rachel eigentlich? Und warum weiß sie so gut über Jonathans Privatleben und dessen Bücher Bescheid?

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Static beginnt gemächlich und nimmt sich ein wenig Zeit, um die Beziehung des Hauptdarsteller-Pärchens zu skizzieren und den Unfall des Sohnes zu erläutern. Die beiden pendeln zwischen Liebe und Wut, zwischen gutgemeintem Zuspruch und Vorwurf. Recht authentisch wird hier das Bild eines Paares gezeichnet, dessen Ehe durch die Schuld und die Erinnerungen fast zerbricht, obwohl Liebe und Gedanken an eine gute Vergangenheit die Hoffnung nicht sterben lassen. Mit dem Auftauchen von Rachel nimmt der Film jedoch an langsam an Fahrt auf. Die unbekannten Männer mit Gasmasken wecken das Interesse des Zuschauers. Doch schnell wird bewusst, dass der Film es Szene um Szene verpasst das Tempo zu erhöhen und somit Spannung zu kreieren. Die Unbekannten dringen in das Haus ein und machen Jagd auf deren Bewohner, aber irgendwie wirkt jedes Ereignis unspektakulär und stellenweise gar harmlos. Eine echte Bedrohung geht von den Maskierten nie aus, zumal sie sich von den Protagonisten auch viel zu einfach niederknüppeln lassen.

Dieses Problem begleitet den Film wie ein klebriger Kaugummi. Es will einfach keine Spannung aufkommen. Kein Gefühl von Gefahr oder Bedrohung stellt sich ein, sobald der Zuschauer bemerkt wie die Gasmaskenträger agieren. Ihre Überzahl zerstören sie durch grenzdebiles Handeln und eine unbegründete Langsamkeit ihrer Bewegungen wieder und wirken einfach nie richtig gefährlich für die Hausbewohner. Somit bleibt der Film über 2/3 seiner Spielzeit ein durchschaubares und langatmiges Stück Home Invastion. Im letzten Drittel jedoch wird es durch den ein oder anderen Twist interessanter, wenn es darum geht die Identität der Rachel zu lüften. Schnell wird Addie und Jonathan klar, dass es ganz andere Gründe für den Angriff der Unbekannten gibt und dass sie beide auch eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Das Ende wird somit zumindest thematisch interessant, auch wenn die Präsentation hier wieder sehr tempoarm ausfällt. Zumindest kann man sagen, dass mit dem Ausgang des Filmes so niemand rechnen kann. Ob er sinnvoll und positiv auf die Qualität wirkt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich empfand ihn als wenig innovativ und zu konstruiert.

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Somit hat sich Regisseur Todd Levin hier mit seinem Debut nicht mit Rum bekleckert. Man merkt ihm an vielen Stellen mangelnde Erfahrung an und zu viele Szenen werden klischeehaft gelöst. Antiquitierte, längst überholte Horror-Elemente wie z.B. das nicht anspringende Auto langweilen einfach nur und ließen mich mit dem Kopf schütteln. Die fehlende Spannung ist da nur ein weiterer Punkt von vielen. Was man jedoch auf der “Haben”-Seite auflisten muss ist, dass der Film nie wie eine Billigproduktion wirkt. Die Kameraeinstellungen sind gut gewählt und die erschaffene Atmosphäre, welche die Bilder erzählen ist auf gutem Niveau und lassen erahnen, dass hier ein solider Thriller hätte entstehen können, nicht zuletzt da die Darsteller auch akzeptable Arbeit leisten.

Somit bleibt von Static nicht viel übrig, was aus ihm einen guten Film machen würde. Einigen Zuschauern könnte das Ende gefallen, wobei es mir - wie schon erwähnt - einfach zu konstruiert und bekannt vorkam. In schönen Bildern wird hier ein spannungsarmer Home Invasion-Thriller abgespult, der ohne inszenatorische Höhepunkte auskommt. Was Mut für die nächsten Werke von Levin macht ist die Atmosphäre und das Talent durch die Kamera Qualität zu erzeugen. Jedoch muss er sich in allen anderen Belangen noch ein ganzes Stück verbessern. “Bewegungslos” ist leider nicht nur der Untertitel des Filmes.
4/10
J.

Gesichtet: Cheap Thrills

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"Cheap Thrills" ist zwar kein Horrorfilm oder ein Streifen mit Splattereinlagen, jedoch ist er auf seine eigene Art ein schwerverdaulicher Brocken. Daher habe ich entschieden, dass er einen Platz in dieser Reihe bekommen sollte. Nicht zuletzt, weil er als kleine, unbekannte Perle durchaus Beachtung verdient. 

Es gibt Tage, an denen läuft einfach alles schief. Familienvater Craig (Pat Healy) verliert seinen Job und der Vermieter droht mit dem baldigen Rausschmiss, sollte die nächste Miete nicht in den nächsten Tagen eintrudeln. An eben diesem Tag sucht Craig seinen Trost in einer Bar und gibt sich dem Alkohol hin, als er seinen alten Schulfreund Vince (Ethan Embry) wiedertrifft. Lange hatten sie sich nicht gesehen und während die beiden in Erinnerungen schwelgen gesellt sich ein Pärchen zu ihnen. Colin (David Koechner) und Violet (Sara Paxton) feiern den Geburtstag Zweiterer. Schnell wird den alten Schulfreunden bewusst, dass Colin Berge von Geld besitzen muss, denn er lädt die beiden ein mitzufeiern und kredenzt nur die edelsten Tropfen. Mit steigender Stimmung und steigendem Pegel erfindet der scheinbare Millionär ein Spielchen für Craig und Vince: Er denkt sich Dinge aus, die einer von den beiden tun soll. Und dieser bekommt dann eine ordentliche Summe Geld von ihm bar auf die Hand. Nachdem Vince für 200 Mäuse einer Stripperin kräftigst auf den Hintern haut, muss die Party notgedrungen in das Haus des reichen Pärchens verlegt werden. Doch je weiter die Zeit voran schreitet, desto abstruser werden die Aufgaben und schon bald entbrennt aus dem spaßig gemeinten Spiel ein erbitterter Wettkampf zwischen den beiden Jugendfreunden. Denn beide befinden sich in einer finanziell aussichtslosen Lage und können das Geld sehr gut gebrauchen. Mit den Preisen steigt die Rivalität und der Härtegrad der Aufgaben und schon bald gerät alles außer Kontrolle.

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Cheap Thrills beginnt als schwarze Komödie und wird nach und nach immer mehr zu einem harten, unangenehmen Thriller, der eine bizarre Situation nach der anderen aus dem Hut zaubert. Gerade im Mittelteil weiß man das ein oder andere Mal nicht, ob man über das Gezeigte lachen oder schockiert sein soll. Den Spagat zwischen Belustigung und Abscheu schafft der Film ganz hervorragend und zum Ende hin kann man nicht mehr anders, als leicht perplex auf den Bildschirm zu schauen. Den humorvollen Unterton verliert der Film nie vollkommen, jedoch wird er mit steigender Gewalt immer leiser.

Die Aufgaben schrauben die Rivalität zwischen den beiden Freunden immer höher und schon bald merken sie, dass sie für Geld die ein oder andere Grenze überschreiten würden, ums ich aus ihren Notlagen zu befreien. Die Motivation von Vince wird hierbei nicht ganz so nachvollziehbar offenbart wie die von Craig, der um die Existenz seiner kleinen Familie kämpft. Jedoch vergessen die beiden ihre Freundschaft mit jeder weiteren Etappe immer mehr. Diese Entwicklung zeigt der Film sehr gut und weiß sie auch packend und schonungslos zu inszenieren. Es gibt bei Weitem keine Gore- oder Splattereinlagen, jedoch gibt es die ein oder andere fiese und auch blutige Szene. Dadurch, dass diese sehr realistisch und ungeschönt ausfallen, wirken sie auch härter, als die überdrehten Gewaltausbrüche vieler Genrekollegen. Der Streifen ist einfach über einige Strecken hin sehr unangenehm und hält - zwar leicht überzogen, aber dennoch treffend - dem materialistisch veranlagten Menschen der Gegenwart den Spiegel vor die Nase. Wie weit würde man für Geld gehen? Was würde man tun für 200, 3000 oder gar 25.000 Dollar Bargeld?

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Die Darsteller kamen in ihren bisherigen Laufbahnen kaum über Nebenrollen in kleineren Streifen hinaus, jedoch trägt gerade das auch zur Authenzität des Filmes bei. Den unverbrauchten Gesichtern kauft man die Situationen einfach einen ganzen Tick besser ab, als einem Ensemble von größeren Namen. Zudem wird hier von dem Quartett - allen voran David Koechner als sadistischer wandelnder Geldsack - wirklich gute Arbeit geleistet. Man nimmt sie zu jeder Zeit in ihren Rollen samt Emotionen ernst.

Mit 85 Minuten ist der Film zwar alles andere als lang, aber dadurch schafft er es nie langweilig zu sein. Die erste halbe Stunde geht es noch recht gemächlich zu, da die Charaktere in Ruhe vorgestellt werden und somit auch Platz für ausgelassene Feierstimmung und den ein oder anderen Gag bleibt. Doch sobald die Vier in Colins Haus angelangt sind, zieht der Film konstant an bis zum fiesen Finale, welches leider dann doch ziemlich vorhersehbar ist. Der Weg dorthin birgt aber - wie schon erwähnt - einige fiese Szenen.

"Cheap Thrills" ist ein kleiner gemeiner Film über die konsumorientierten, materialistischen Monster, die in jedem von uns schlummern. Geld regiert die Welt und die Aussicht auf große Mengen in kurzer Zeit lässt Menschen schnell egoistisch und gierig werden. Genau das zeigt der Film hier auf leicht überzogene und blutige Weise, sodass man ihn als schwarze Komödie mit satirischen Elementen bezeichnen könnte. Jedoch bleibt dem Zuschauer das Schmunzeln ein ums andere Mal im Halse stecken, denn der Film hat Zähne und er beißt gerne mal unverhofft zu. Der Konflikt der beiden Freunde ist der Nährstoff für den Plot und Sadist David Koechner führt schelmisch grinsend Regie. Fieser Geheimtipp! 

7/10

J.

Gesichtet: Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

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Es gibt sie eben doch noch: Die Kinoerlebnisse, die einen völlig verblüffen können! Nach einem langen Arbeitstag setzte ich mich gestern in den gut gefüllten Kinosaal, um an der wöchentlichen Sneak Preview teilzunehmen. In den Prognosen waren nur hochkarätige Filme vertreten und so rechnete ich mit einem gelungenen Filmabend. Den bekam ich dann auch, nur war es keiner der prognostizierten Filme, sondern einer, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte. Und das völlig unberechtigt! Diese wundervoll schwarzhumorige Komödie aus Norwegen verdient die Beachtung der breiten Masse. Und nun kann ich zumindest ein wenig dazu beitragen, dass sie diese auch findet!  

Allan Karlsson (Großartig: Robert Gustafsson) blickt auf ein ereignisreiches und langes Leben zurück. Heute ist sein 100. Geburtstag und man möchte meinen, dass sein Leben nun so langsam dem Finale entgegenschreitet. Doch gerade dieser Tag ist ein besonderer, an dem sein Leben nochmal eine schicksalhafte Wende nehmen soll. Aber der Reihe nach:
Allan hat keine Familie mehr. Schon im frühen Kindesalter verlor er erst seinen Vater, der als mehr oder weniger selbstständiger Revolutionär den Tod durch kommunistische Hand fand, und dann seine Mutter, welche irgendwann einer Krankheit erlag. Seitdem war Allan Vollwaise. Es gab keine Familie mehr, die ihn hätte aufnehmen können und so landete er in einem Heim. Doch anders als man meinen könnte, war dies für ihn keine Katastrophe, denn Allan war ein sonderbarer Junge. Leicht debil war er, und naiv. Und er hatte eine große Leidenschaft: Sprengstoff! Schon im Kindheitsalter jagte er alles was er finden konnte mit Begeisterung in die Luft. Und diese Begeisterung sollte sein Leben für immer verändern, denn schon bald brach der zweite Weltkrieg aus und Allan war mittendrin. Wie eine europäische Version von Forrest Gump nimmt er eher zufällig als gewollt an vielen entscheidenden und berühmten Ereignissen während und nach dem zweiten Weltkrieg teil und greift unbewusst geschichtsprägend ein. Seiner Liebe zum Sprengstoff verdankt er dann letztendlich auch, dass er hohen Alters in einem Altersheim einquartiert wird, da man sein Herumspielen mit hochexplosiven Stoffen für zu gefährlich hält. Da sitzt er nun an seinem 100. Geburtstag und ist hochgradig unzufrieden. Die Welt, die er in seinem Leben bereist hat lockt immer noch und so steigt er einfach aus dem Fenster seines Erdgeschosszimmers, kauft sich ein Busticket nach “egal wohin” und verschwindet. Unterwegs kommt ihm ein Koffer unter, der eigl einer Motorradbande gehört. Inhalt: 50 Millionen Kronen. Natürich wollen die Eigentümer die wertvolle Fracht zurückhaben. Es beginnt die Hatz eines 100-jährigen Mannes, der mit seinem Leben noch lange nicht abgeschlossen hat.

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Die Parallelen des Filmes zu seinem scheinbar großen amerikanischen Vorbild “Forrest Gump” sind unübersehbar. Wir haben den leicht zurückgebliebenen Protagonisten, der regelmäßig in die Weltgeschichte eingreift, verschiedene Länder besucht und auf seiner Reise allerlei kuriose Gestalten trifft. Was den Film jedoch gänzlich in eine andere Richtung steuern lässt, ist der tiefschwarze Humor. Im Minutentakt feuert man Gags auf den Zuschauer, die fast alle perfekt funktionieren. So eine hohe Dichte an großartig witzigen Szenen habe ich seit dem ersten “Hangover” nicht mehr erlebt.

Man kann die Gewichtung zwischen aktuell geschehender Handlung und Allans Erzählungen aus der Vergangenheit ungefähr 50:50 gewichten. Jedoch kriegt man hier keine akkuraten Geschichtsstunden serviert, denn der Humor steht immer im Vordergrund mit einer besonderen Vorliebe für bizarre Situationen. So erfindet Allan versehentlich die Atombombe mit, besäuft sich mit Stalin und lernt Albert Einsteins grenzdebilen Bruder in einem Gulak kennen. All das ist so komisch, dass es einfach nur Freude macht dem Geschehen zu folgen.

Was dem Film klar fehlt ist ein roter Faden. Es wird oft in den Zeiten gesprungen und lange weiß man nicht so recht, wohin der Film eigentlich führen soll. Jedoch tut das dem Film nicht wirklich weh, denn der Unterhaltungsfaktor ist einfach so hoch, dass man sich als Zuschauer gerne abholen lässt. Der Film wechselt seine Orte ebenso schnell wie seine Charaktere, sodass sich gerade gegen Ende leichte Sättigung einstellt. Dies war bei mir 10 Minuten vor Schluss der Fall. Da sich dann aber zügig das Finale anbahnte, wurde der erste Blick auf die Uhr noch gerade so abgewehrt. Diese 10 Minuten ist der Film trotzdem zu lang. 2-3 Szenen hätte man durchaus kürzen oder weglassen können, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn letztendlich wird man ja auch in dieser Zeit gut unterhalten.

Die Charaktere des Filmes sind einfach herrlich sympathisch, allen voran natürlich Allan, dem man sein Alter ebenso optisch wie auch geistig anmerkt. Technik ist für ihn ebenso ein Feind, wie Schnelligkeit. Im Laufe des Filmes sammelt er eine illustre Schar an Menschen um sich herum, die man am besten selber als Zuschauer kennenlernt, daher werde ich zu diesen kein Wort verlieren. Toll gespielt sind sie aber allesamt und zudem besitzen sie genug Tiefe, um wirklich menschlich und nicht deplatziert in den vielen Szenen zu wirken.

Der kleine Star des Films sind jedoch die Kulissen. Allan reist durch Länder und Jahreszeiten und regelmäßig sind die Szenerien wirklich toll anzusehen. Hier und da sieht man, dass beispielsweise der Rauch nach Explosionen aus dem Computer kommt, jedoch stört das nur solange, bis die nächste tolle Landschaft über die Leinwand zieht. Und in diesen Kulissen toben sich sowohl der Regisseur, als auch der Cast richtig aus. Es gibt genug Action, sowie auch ruhige fast emotionale Momente, sodass man sich auf eine angenehm abwechslungreiche Fahrt durch das Leben eines ganz besonderen Mannes begeben kann. Natürlich spielen Liebe und Tod dort zentrale Rollen, ebenso wie das Thema des Alt werdens und der Einsamkeit. Die emotionale Qualität des Herren Gump erreicht man zwar nie ganz, dafür punktet man aber mit politisch unkorrekten Szenen und kuriosen Einfällen, die sich der Ami-Vorzeigefilm definitiv nicht getraut hätte.

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"Der Hundertjährige…" ist eine der besten Kino-Komödien seit langer Zeit und gerade so erfrischend, weil er mal nicht aus Hollywood kommt, sondern aus dem schönen Norwegen, das regelmäßig seine schönsten Seiten vor dem Zuschauer entfaltet. Das "Forrest Gump"-Rezept mundet hier noch ein zweites Mal, da die lose Kopie nicht stört, nicht zuletzt weil die Gewichtung hin zum schwarzen Humor einen deutlichen Kontrast zeichnet. Für mich war der Film ein magisches Kinoerlebnis, mit dem ich so niemals gerechnet hätte. Wer einfach mal wieder Lust auf "Feel Good"-Kino hat, der sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Wer weiß, wann man das nächste Mal so viel im Kino lachen darf. 

8/10

J.

Gesichtet: Man of Tai Chi

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Keanu Reeves wagt den nächsten Schritt. Nachdem er in letzter Zeit kaum in auf der Leinwand zu sehen war und sein letzter Film “47 Ronin” gnadenlos gefloppt ist, sucht er nun neue Herausforderungen und besetzt den Regiestuhl selber. Sein Erstlingswerk “Man of Tai Chi” ist ein Eastern mit Fokus auf Martial Arts-Einlagen geworden, mit ihm selbst in einer Nebenrolle. Ganz kann der Hollywood-Veteran dann doch nicht auf seine Screentime verzichten und spielt den Boss einer Argentur, die illegale Kämpfe inszeniert. Doch all das rettet “Man of Tai Chi” mal wieder nicht davor ein unterdurchschnittlicher Film mit dem Herrn Reeves zu werden.  

Chen Lin-Hu (Tiger Hu Chen) führt ein ungewöhnliches Leben, zumindest wenn man es aus unserer westlichen Perspektive betrachtet: Vormittags fährt er als Paketlieferant durch die überfüllten Straßen Pekings. Nach Feierabend besucht er ein Kloster auf dem Land und übt sich in der Kunst des Tai Chi. Eines schicksalhaften Tages nimmt Chen an einem Turnier für verschiedene Kampfkunstformen teil und gewinnt auf recht beeindruckende Weise als Außenseiter, da er eine Kampfkunst praktiziert, die im Volksmund eher belächelt wird. Seine Leistungen bleiben nicht unhonoriert und so wird sehr schnell Donaka Mark (Keanu Reeves) auf den Jungen aufmerksam. Mark betreibt ein Unternehmen, welches illegale Kämpfe zwischen Kämpfern verschiedenster Kampfkünste ins Internet überträgt. Gegen einen ordentlichen Batzen Geld können Schaulustige diesen via Stream beiwohnen. Da das Kloster seines Meisters dringend renoviert werden muss, lässt sich Chen zu einem Engagement bei Marks Unternehmen überreden und für ihn zu kämpfen. Doch schon bald merkt er, dass dies ein fataler Fehler war, denn Mark verlangt, dass der Gewinner eines Kampfes den Verlierer vor laufender Kamera tötet. Dies widerspricht der Moral von Chen, jedoch ist es zu spät um einen Rückzieher zu machen und so bleibt ihm nur eine Option übrig: Er muss sich gegen seine Unterdrücker wenden.

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Man braucht keine Lupe, um zu erkennen, dass die Story des Filmes vor Klischees nur so strotzt und eher Mittel zum Zweck ist, um den Platz zwischen den Kampfszenen zu füllen. Die Kämpfe sind zugegebenermaßen gut bis hervorragend choreographiert und wurden nicht durch zu hektische Schnitte verschandelt, wie das in den letzten Jahren zur zweifelhaften Mode geworden ist. Jedoch waren das auch die einzigen Pluspunkte des Films. Alles abseits von Kameraarbeit und Kloppereien kann man leider nur als misslungen bezeichnen.

Das beginnt natürlich bei der Geschichte. Niemand erwartet von einem Martial Arts Film tief greifende Erzählungen oder Charakterstudien, aber ein bisschen weniger Klischee wäre wirklich schön gewesen. Stellenweise wirkt alles auch viel zu konstruiert. Chen bekommt gerade das Angebot gestellt und lehnt zunächst ab, da er nicht für Geld kämpfen möchte. In der nächsten Szene fährt er zum Kloster und findet seinen Meister mit einem Brief von der Gemeinde vor, der besagt, dass das Kloster baufällig ist und ohne Renovierung geschlossen werden muss, somit fährt er zurück und sagt dem Angebot zu. Das ist selbst für einen Film, bei dem Story zur Nebensache gehört einfach nicht genug, zumal diese Szenen nur beispielhaft für einige stehen, die in den Film gefunden haben. Weder Regie, noch Drehbuch haben da funktionierende Lösungen zu bieten.

Das die Charaktere nicht besonders tief angelegt sind, ist natürich zu erwarten. Jedoch versucht der Film ungeschickt gerade bei Chen Tiefe zu erschaffen. Er zofft sich mit seinem Boss, hat konträre Meinungen gegenüber seinem Meister was sein Tai Chi angeht und will fürs Kämpfen nicht monetär entlohnt werden. Doch all diese Ansätze verliert der Film im Laufe der Zeit, um sich auf das Kämpfen zu konzentrieren und die Entwicklung von Chens Charakter besinnt sich kaum darauf zurück, sodass man sich hier fragen muss, warum man in den ersten Szenen versucht ihn weiter zu zeichne, als es nötig ist. Stattdessen wird Chen viel zu schnell zum Brutalo, der Spaß daran findet, beim Kampf möglichst fies vorzugehen.

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Tiger Hu Chen spielt seinen Charakter viel zu stoisch. Er läuft mit ewig gleichem Gesicht durch die Szenerien und zeigt nur beim Kämpfen Emotionen. Gerade hier hätte man mit simplen Mitteln die anfangs angedeutete Charaktertiefe durch ein vielseitigeres Schauspiel verfolgen können. Auch Keanu Reeves bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten als sadistischer Boss zurück. Man nimmt seinem Charakter zwar seine Boshaftigkeit ab, jedoch wirkt er immer irgendwie berechenbar, was ihn gleichzeitig auch langweilig dastehen lässt. Stellenweise wirkt der Film unfreiwillig komisch. Wenn z.B. Reeves mit wutverzerrtem Gesicht in die Kamera brüllt, konnte ich mir das Lachen einfach nicht verkneifen. Und kein Film kann sich einen Bösewicht leisten, den man nicht ernst nehmen kann.

Auch was Kulissen angeht bewegt der Film sich nur zwischen Arenen, sterilen Räumlichkeiten und urbanen Landschaften. Das ist nicht schlimm, denn der Fokus liegt klar auf dem Kampf. Jedoch kann es nie schaden ein paar optische Schauwerte zu bieten, gerade wenn der Rest des Filmes in der grauen Masse der Belanglosigkeit abtaucht.

Letztendlich muss man sagen, dass Keanu Reeves Regie-Debut ein ebenso großer Flop ist, wie sein letzter Leinwandauftritt bei den Ronin. Zu viel Wert wurde auf die Choreograophien gelegt, zu sehr wurde der Rest vernachlässigt. Selbst bei einem Martial Arts Film reichen gute Kämpfe und eine solide Kamera nicht aus, um zu überzeugen, erst recht wenn man keine Charaktere hat mit denen man mitfiebern kann. Unfreiwillige Komik und die Abstinenz von jeglichen Emotionen liefern hier ein steriles Filmerlebnis ohne Höhepunkte. 

4/10

J.

Gesichtet: 300 - Rise of an Empire


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Acht Jahre ist es her, seitdem Regisseur Zack Snyder (Man of Steel, Suckerpunch) 300 Spartaner auf der Leinwand gegen eine übermächtige persische Armee anrennen ließ. Der Film, basierend auf dem Kult-Comic von Frank Miller (u.a. auch Sin City), war ein blutiges, pathosgetränktes Epos, welches mittlerweile ähnlich wie die Vorlage einen kultigen Ruf in der Filmgemeinde genießt. Snyder schaffte es durch einen stilistischen Overkill, denkwürdige Szenen und epische Inszenierung ein neues Zeitalter der Comic-Verfilmungen einzuläuten, abseits von den Teenager-Magneten von DC und Marvel. 300 war hart, blutig und dreckig. Er berichtete von dem hoffnungslosen Kampf des spartanischen Königs Leonidas, der seine 300 besten Krieger um sich schart, um in einem Selbstmordkommando ganz Griechenland zu schützen. Am Ende lagen die Spartaner alle tot im Staub und die Perser triumphierten. Die Armee von Xerxes (Rodrigo Santoro), dem persischen Gottkönig marschierte gen Athen, um auch den Rest Griechenlands zu unterwerfen. 

Betrachtet man 300: Rise of an Empire als klassische Fortsetzung, so erwartet man, dass die neuste Regiearbeit von Noam Murro (Smart People) genau dort ansetzt, wo der Vorgänger aufhörte. Doch der zweite Teil nimmt sich die Zeit und erzählt über sein erstes Drittel die Geschichte vom Aufstieg Xerxes’ zum Gottkönig.
Wir starten direkt mit einer Schlachtszene in den Film, die dem Zuschauer suggerieren soll: Trotz Wechsel im Registuhl hat sich nichts geändert! Wir sehen in einer Rückblende, wie die Spartaner und Perser das erste Mal aufeinander treffen. Damals wurden die persischen Streitmächte noch von König Dareios, Xerxes’ Vater, auf Eroberungszug geführt. Der Sohnemann war jedoch mit von der Partie und sollte erste Kriegsluft schnuppern. Doch dann passierte es: Durch eine List fällt Dareios auf dem Schlachtfeld und die Perser müssen sich zurückziehen. Xerxes schwört Rache für seinen Vater zu nehmen und Griechenland bei seinem nächsten Feldzug zu erobern.
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Doch worum geht es in diesem eigentlich als Nachfolger definiertem Film eigentlich? Nachdem Xerxes seine Truppen mobilisiert und gen Griechenland geschickt hat, liegt es an Themistokles (Sullivan Stapleton) die Armeen der griechischen Stadtstaate zu einigen und gegen die Perser zu schicken. Dazu reist er quer durch das Land, um die einzelnen Regionen von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Doch schnell wird klar, dass Xerxes nicht die einzige Gefahr ist. Während der persische Herrscher den Landweg über Sparta (s. erster Teil) nach Griechenland beschreitet, kommt ein weiterer Teil seiner Armee mit Schiffen über den Wasserweg. Angeführt von Artimisia (Eva Green), welche Xerxes’ Admiralin ist, bahnt sich eine Flotte von tausend Schiffen den Weg zur griechischen Küste. Als Themistokles davon Wind bekommt weiß er, dass diese Flotte gestoppt werden muss, da sein geliebtes Vaterland sonst verloren ist. Mit einer eigenen Schiffsflotte, welche jedoch nur einen Bruchteil der persischen Flotte darstellt, segelt er mit seiner Armee den Persern entgegen und es kommt zur alles entscheidenden Schacht.

Murro scheint verstanden zu haben, was den Erfolg des ersten Teils ausmachte und setzt auch in seinem Film bewusst auf diese Trademarks. In der schon erwöhnten Anfangs-Schlacht folgen wir einem Spartaner, der sich beeindruckend choreographiert durch Horden von Persern metzelt. CGI-Blut ergießt sich hier regelrecht über den Bildschirm, Körperteile werden von ihren Besitzern getrennt und Zeitlupeneffekte verdeutlichen fast schon spürbar die Härte der Schnitte und Schläge. Als Fan des ersten Films kann man da nur vergnügt mit der Zunge schnalzen und sich entspannt zurücklehnen.

Im gesamten Film wirken die Szenen, Schlachten, Dialoge, Kamerafahrten und Landschaftsaufnahmen so, als ob sie von einem Fan gedreht wurden, welcher seinem geliebten Film mit eben diesem Nachfolger Tribut zollen möchte. Wenn Griechen-Anführer Themistokles  seine mit Pathos getränkten Reden vor einem Meer durchtrainierter, halbnackter Männer hält und diese mit begeisterndem Geschrei quittiert werden, dann hat man Leonidas und seine 299 Spartaner vor Augen, die sich für die Schlacht wappnen. Auf der anderen Seite sieht man Artimisia als grausame, sadistische Ersatz-Herrscherin, die alles daran setzt diesen Krieg zu gewinnen und auch vor ihren eigenen Leuten nicht halt macht, wenn es darum geht Blut zu vergießen und ihren Ruf als unbarmherzige Kriegsherrin zu verbreiten. Somit hat man dieselbe Charakter-Aufteilung wie im ersten Teil. Eine kleine Armee unter Führung eines griechischen Helden gegen eine übermächtige persische Streitmacht beherrscht von einer grausamen Tyrannin. Früher hieß es “Leonidas gegen Xerxes”, nun “Themistokles gegen Artimisia”.


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Natürlich lebt auch 300: Rise of an Empire von seinen Schlachtszenen. Zwar gibt es zwischendurch auch ruhigere Momente in denen den Charakteren ein wenig Tiefe verliehen wird, jedoch überwiegen eindeutig die Kämpfe und deren Vorbereitungen. Die Charaktere bleiben, die beiden Heeresführer ausgenommen flach und klischeebehaftet. Da gibt es natürlich die klassische Vater-Sohn-Beziehung und die beiden Freunde fürs Leben, die Seite an Seite kämpfen. Dies ist ebenso alt wie kitschig, aber solche Story-Elemente gehören in ein Schlachten-Epos nunmal ebenso dazu, wie Schwerter und der rote Lebenssaft. Spannender anzuschauen ist da schon der Konflikt zwischen Themistokles und Artimisia, die sich natürlich im Film das ein oder andere Mal begegnen. Es ist da natürlich nicht zuviel verraten (Vorsicht, Mini-Spoiler!), wenn man da obligatorische Sex-Szene erwähnt, bei der beide ebenso um die Dominanz beim Akt kämpfen, wie um den Sieg des Krieges. Unterhaltsam!

Sullivan Stapleton und Eva Green spielen ihre Rollen sehr routiniert, wobei gerade Green ihrer Darstellung von Artimisia immer mal wieder aufmerksamkeitserregende Akzente setzt. Als Zuschauer bekommt man das ein oder andere Mal Respekt, wenn man den Wahnsinn in ihren Augen sieht. Da stiehlt sie Stapleton eindeutig die Show, weil dieser über eine solide Schauspielerei nicht herauskommt und hier und da mal nur knapp am Kitsch vorbei spielt, was jedoch auch der Auslegung seiner Rolle geschuldet ist. Alle anderen Darsteller spielen ihre Rollen ebenso wenig erwähnens- wie störenswert. Einen den Cast dominierenden Darsteller, wie es Gerard Butler als Leonidas war, gibt es diesmal nicht.
Optisch gibt es den gewohnten 300-Stil zu sehen, den man ohne nähere Beschreibungen als regelmäßiger Betrachter von Filmen vor Augen haben sollte, jedoch verdient die Kamera-Arbeit ein besonderes Lob. Die Schlachten sind opulent gefilmt und werden immer von waghalsigen und passenden Kamerawinkeln und -fahrten eingefangen. Die Hektik kommt hierbei sehr gut rüber ohne dass der Zuschauer allzu oft den Überblick verliert. Oftmals folgt man wie in einem Videospiel einer Figur, welche sich choreographiert durch Horden von Widersachern metzelt. Zeitlupen geben jedem Schlag und jedem Schnitt Gewicht, während das CGI-Blut ganze Meere rot färbt.

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Sehr erfrischend ist der Fokus der Kämpfe, der dieses Mal klar auf Seeschlachten liegt. Die Schiffe werden unterhaltsam in die Kämpfe eingebunden und dieses Schlachten-Szenario ist noch so unverbraucht, dass man ein ums andere Mal schmunzelt und staunt, was da gerade auf der Leinwand passiert. Passend dazu gibt es natürlich die tobende raue See inmitten von Stürmen, die die eh schon brachialen Kämpfe noch einmal dramatischer wirken lässt. Optisch ist hier alles wie aus einem Guss und - so finde ich - nochmal eine Steigerung zum eh schon grandiosen Vorgänger.

Doch leider ist Optik bei Weitem nicht alles. Neben den - Eva Green ausgenommen - schwachen Charakteren ist vor allem die Story, sowie deren Präsentation der größte Schwachpunkt des Filmes. Es gibt einfach keinen roten Faden. Munter wird ein Prolog erzählt, dann ein Parallelstrang zum ersten Film. Erst das letzte Drittel des Filmes spielt nach dem Untergang der 300 Spartaner und kann somit als nachfolgende Handlung gesehen werden. Dies führt zwar dazu, dass man sieht was während der Kämpfe bei Sparta in dem Rest Griechenlands geschah, jedoch wird bei dem Film das weitere Schicksal des Landes nicht weitergesponnen. Der Film endet mit einem Cliffhanger, welcher auf eine finale Schlacht zwischen persischen und griechischen Truppen in einem womöglich folgenden Teil schließen lässt. Das befriedigt den bis dahin gut unterhaltenen Zuschauer kein bisschen und wirkt wie ein dahingeschluderter Abschluss. Dies mag daran liegen, dass die Comic-Vorlage, auf der auch dieser Film basiert noch nicht fertiggestellt ist und somit das Ende einfach fehlt, jedoch ist dies keine Entschuldigung für diesen erheblichen Makel des Films. Auch gibt es hier und da einige Ungereimtheiten zwischen dem ersten und dem zweiten 300-Teil, die den Fans der Filme zusätzlich übel aufstoßen könnten. So grandios der Film optisch und während der Schlachten unterhält, so enttäuscht er dann doch bei der Verknüpfung und Fortführung der Geschichte.

"300: Rise of an Empire" ist kein schlechter Film, jedoch einer der leider versagt seine Geschichte konsequent zu erzählen und fortzuführen. Es ist jedoch eine besondere Qualität, dass er durch optische und inszenatorische Stärken diese Minus-Punkte zumindest bis zum schwachen Ende überschattet. Für Fans ist dieser Film sowieso Pflicht. Sympathisanten des ersten Teiles werden in jeder Minute gut unterhalten - was einfach den spektakulären Schlachten zu verdanken ist -  jedoch werden sie die Mängel des Filmes auch stärker gewichten. Der Film verspielt viel Potential und bleibt so hinter seinem Vorgänger und den Erwartungen zurück. Dennoch reicht es für eine Empfehlung für jeden, der für Popcorn-Kino zu begeistern ist und mit viel Blut und exzessiver Gewaltdarstellung leben kann.

6,5/10

J.